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Karneval in Mamoiada
Wo die Sarden als Zottelviecher gehen

  • <b>Sie werden aus Kirsch- oder Birnenholz geschnitzt</b>
  • <b>Die Masken - zwölf, wie die Monate des Jahres - werden den Mamuthones sozusagen auf das Gesicht geschnitzt</b>
  • <b>Selbst Kinder nehmen an der Veranstaltung teil</b>
  • <b>Die Schellen des Mamuthone-Kostüms wiegen bis zu fünfundzwanzig Kilo und hängen an sieben Lederriemen</b>

Sie gelten als Höhepunkt des Straßenkarnevals in der Barbagia: die Mamuthones. Viele Jecken sind am Karnevalssonntag und -dienstag im närrischen Mamoiada unterwegs, wenn um 15.00 Uhr der Startschuss für die gruseligen, in dunkle Schafsfelle gekleidete Gestalten fällt.  
 
Furchterregend sehen sie aus, die Männer mit den großen Holzmasken, dunklen Schafpelzen und schweren Kuhglocken auf den Schultern. Um 14.00 Uhr sammeln sie sich zunächst zur feierlichen Einkleidung, bevor sie scheppernd durch die Gassen ziehen. 
 
Die Masken - zwölf, wie die Monate des Jahres - werden den Mamuthones sozusagen auf das Gesicht geschnitzt. Sie sind etwas ganz persönliches und werden nicht einmal innerhalb der Familie vererbt.

Auch Kids und Kleinkinder machen sich stark für den Narren-Umzug, finster und mit gleichmäßigen Schritten ziehen sie tanzend durch die Straßen. In dieser Zeit entdecken sie den unbestreitbaren Reiz die Rolle des Narren zu übernehmen – in eine andere Haut zu schlüpfen, und sei es nur für wenige Tage! 
 
Begleitet werden die Mamuthones immer von acht Wächtern. Es sind Issohadores, elegant gekleidete Männer in roter Weste und unverhülltem Gesicht. Mit Hilfe eines Lassos, Soha genannt, hält jeder von ihnen eine Gruppe von Mamuthones in Schach. Zwecks Amusement und Heiterkeit machen sich einige von ihnen einen Spaß draus, auch Zuschauer einzufangen. Den Gefangenen soll es Glück bringen! Nach dem Umzug werden Backwaren und Wein gereicht.
 
Wenn am Faschingsdienstag der Abend anbricht, stirbt der Winter schließlich in Form einer Stoffpuppe (Juvanne Martis) auf dem OP-Tisch auf der Piazza Santa Croce.
 
Der Ursprung der Issohadores und Mamuthones lässt sich aller Wahrscheinlichkeit nach auf die Geschichte der Insel zurückführen. Ständig kamen neue Eroberer, die ihre rechtsprechende Gewalt importierten und sich den Bewohnern unaufgefordert aufdrängten. Weil dies in aller Regel nicht funktionierte, nahmen die Sarden das Recht selbst in die Hand.
 
Es wird erzählt, dass die Issohadores Spanier darstellen, die die Mamuthones (Sarden) unterdrückt haben. Andere berichten hingegen, dass die Mamuthones einfallende Mauren darstellen, die von den Sarden (Issohadores) erfolgreich überwältigt worden sind. Auch von einem direktem Bezug zum Alltag, zu den Lebensbedingungen der Bauern und Hirten, zur Natur und der damit verbundenen Darstellung des Mensch-Tier-Verhältnisses ist die Rede. Der Historiker Raffaello Marchi verweist wiederum auf archaische Rituale, wonach Bauern der Gottheit der Landwirtschaft ihren stärksten Mann opferten – nur um sie gütig zu stimmen. 

Während die Fastenzeit eine Zeit des Geistes und der Vorbereitung auf die Stationen des Leiden Christi ist, schlüpfen die Menschen zur Karnevalszeit gerne in die Maske der Feinde und erfahren im Spiel wie unvernünftig die Rolle des Eroberers bzw. Herrschers ist. 
 
Mehr Informationen: Associazione Turistica Proloco - Via Sardegna 13 - 08024 Mamoiada - www.mamuthonesmamoiada.it.