Um den vollen Funktionsumfang dieser Webseite zu erfahren, benötigen Sie JavaScript. Hier finden Sie die Anleitung wie Sie JavaScript in Ihrem Browser einschalten. sardinien.com: Tamuli - Betile bei Macomer, Zentral-Sardinien

Tamuli
Nuraghendorf und mysteriöse Kultsteine bei Macomer

  • <b>Der Nuraghe von Tamuli und das Nuraghendorf - zu Füßen des Bergs von Monte Sant'Antonio bei Macomer</b>
  • <b>Einige Hütten des Nuraghendorfs sehen ein wenig aus wie Hobbit-Häuser, oder?</b>
  • <b>Die Bronzezeithütten, Wände und Einzäunungen wurden jedoch bis vor wenigen Jahrzehnten von den Schäfern der Region als Unterstände für Schafe und Ziegen genutzt</b>
  • <b>Nuraghenturm von Tamuli. Die alten Nuraghier haben den Bau an eine Felskuppe angepasst: Die grob gehauenen Steine stapeln sich unverwüstlich  auf einer natürlichen Aussichtsplattform über der Ebene. </b>
  • <b>Das Highlight von Tamuli ist jedoch die Totenstadt, die mit ganzen drei Massengräbern in nur wenigen Metern Abstand zueinander eher außergewöhnlich ist. </b>
  • <b>Das vielleicht älteste Grabgebäude trägt den Namen "C" und ist recht einfach und klein ausgefallen und erinnert mehr an ein Dolmengrab als eine "Tomba dei Giganti" </b>
  • <b>Gleich drei Gigantengräber, ein gut erhaltenes Bronzezeitdorf, eine Nuraghenfestung und mysteriöse Kultsteine: Die Tamuli-Kultstätte bei Macomer. </b>
  • <b>Das am besten erhaltene Massengrab ist fast zehn Meter lang und heißt schlicht Tamuli A. Es wird von sechs Steinsäulen flankiert, die die eigentliche Sensation der Fundstätte sind</b>
  • <b>Die Bätyle genannten Hinkelsteine sind zwischen 1,53 und 1,25 Meter hoch, kegelförmig, und drei davon haben jeweils zwei ziemlich auffällige Ausbeulungen. </b>
  • <b>pedras marmuradas - Die mysteriösen Kultsteine von Tamuli</b>

Zu Füßen des Bergs von Monte Sant'Antonio liegt einer der spektakulärsten Ausgrabungsstätten an der Westküste Sardiniens.
 
Gleich drei Gigantengräber, eine gut erhaltenes Bronzezeitdorf, eine Nuraghenfestung und mysteriöse Kultsteine locken Archäologie- und Geschichtsfreunde an die Tamuli genannte Kultstätte bei Macomer. Highlight: Sechs Hinkelsteine, die in dieser Art einmalig auf Sardinien sind.

Einige Urzeitfunde in Tamuli sind erstaunlich gut erhalten. Vor allem einige Hütten des Nuraghendorfs sehen mit ihren versteckten Eingängen und grasbewachsenen, niedrigen Dächern ein wenig aus wie Hobbit-Häuser - doch wer weiß schon, ob sie auch zur Nuraghenzeit so aussahen? Denn die Bronzezeithütten, Wände und Einzäunungen wurden noch bis vor wenigen Jahrzehnten von den Schäfern der Region als Unterstände für Schafe und Ziegen genutzt, erweitert, umgebaut und repariert. Ob den Pastoren wohl bewusst war, dass Sie ihre Herden in dreitausend Jahre alten Wohnsiedlungen unterbrachten?

Über den bronzezeitlichen Rundhütten thront der Nuraghenturm von Tamuli. Die alten Nuraghier haben den Bau an eine Felskuppe angepasst: Die grob gehauenen Steine stapeln sich unverwüstlich  auf einer natürlichen Aussichtsplattform über der Ebene. Ein zentraler Turm, zwei Seitenwarten, das war's auch schon. Mit ein paar Steineichen, deren krumme Stämme sich durch die steinzeitlichen Mauern bohren und dem rostroten Moos auf den Steinen gibt er dennoch ein schönes Fotomotiv ab.
 
Das Highlight von Tamuli ist jedoch die Totenstadt, die mit ganzen drei Massengräbern in nur wenigen Metern Abstand zueinander eher außergewöhnlich ist. Das vielleicht älteste Grabgebäude trägt den Namen "C" und ist recht einfach und klein ausgefallen und erinnert mehr an ein Dolmengrab als eine "Tomba dei Giganti" (dt. Gigantengrab), wie die Grabstätten aus der Bronzezeit genannt werden. Die Grabstätte "B" ist da schon klassischer: Eine kurviger Fassade aus Steinreihen, dahinter eine lange Grabgalerie, die für Massenbegräbnisse diente, und ein kleiner Eingang, der wohl ein symbolisches Tor ins Jenseits war. Das am besten erhaltene Massengrab ist fast zehn Meter lang und heißt schlicht Tamuli A. Es wird von sechs Steinsäulen flankiert, die die eigentliche Sensation der Fundstätte sind: Die Bätyle (ital. betile) genannten Hinkelsteine sind zwischen 1,53 und 1,25 Meter hoch, kegelförmig, und drei davon haben jeweils zwei ziemlich auffällige Ausbeulungen. Handelt es sich dabei um zwei Brüste? Vielleicht waren es drei weibliche und drei männliche Figuren, die den ewigen Schlaf der Toten schützen sollten oder als Steinmenschen das ewige Weiterleben der Spezies symbolisierten? Dann wurden die männlichen Steine allerdings um ihr Phallussymbol gebracht. Fest steht, dass die Verehrung von Steinen in der Bronzezeit weit verbreitet war. Wozu, gehört allerdings in das Reich der Spekulationen. Der Volksmund hat für die Bedeutung der sechs Hinkelsteine seine so ganz eigene Erklärung. Die im 19. Jh. von dem Sardinien-Forscher Alberto La Marmora dokumentierten Hinkelsteine werden schlicht „pedras marmuradas“ (dt. Marmorsteine) genannt. Als sich drei Händler mit drei Bauern auf der Marghine-Hochebene trafen, kam es zum Streit. Als die sechs sich übel beschimpften, sollen sie zu Stein erstarrt sein-  pedras marmuradas eben, als Mahnung für nachfolgende Generationen.

Da es zu der Bedeutung der sechs Hinkelsteine von Tamuli wenige wissenschaftliche Erklärungen gibt, sollen selbst solche fabelhaften Deutungen erlaubt sein. Egal als Symbol für die Nachwelt, die Ewigkeit, die Fruchtbarkeit oder als bizarre Steinsäulen, Repräsentanten von Gottheiten oder Kultsteine: Trotz ihres mit drei- bis viertausend Jahren stolzes Alter machen die Skulpturen noch heute eine bella figura.
 
Mehr InformationenTamuli Area Archeologica - Macomer - Esedra Escursioni - Tel.: +39 347 948 1337 und +39 333 195 8836. Bei Facebook und im Web. Geöffnet tgl. 9.30- Sonnenuntergang. Es gibt deutschsprachige Audioguides, die Info-Tafeln sind auch mit Blindenschrift versehen. Die Anfahrt ist ab Macomer weitläufig ausgeschildert.