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Tratalias
Verlassenes Dorf aus dem Mittelalter

  • <b>Tratalias: Verlassenes Dorf aus dem Mittelalter</b>
  • <b>Tratalias: Zur Saison öffnen Handwerksbetriebe in den alten Gebäuden</b>
  • <b>Tratalias: Die Kathedrale ist der Madonna von Monserrat geweiht</b>
  • <b>Alte Aufnahme von Tratalias vor der Renovierung</b>
  • <b>Das Museumsdorf von Tratalias lädt zu einer Besichtigungstour ein</b>
  • <b>Tratalias: Blick in den rennovierten Innenhof der "Casa Spagnola"</b>
  • <b>Nicht alle Häuser des mittelalterlichen Tratalias wurden renoviert</b>
  • <b>Tratalias: Ein kleines Museum zeigt Exponate und Fotografien aus der Vergangenheit</b>

Mitten in der unteren Sulcis-Ebene liegt ein kleiner Weiler, der in seiner langen Geschichte gleich mehrmals verlassen wurde.
 
Glück für die Altertumskunde, denn die 45 Häuser und die dominante ehemalige Kathedralkirche sind heute ein gut erhaltenes mittelalterliches Freilichtmuseum, in dem man durch vergangene Zeiten spazieren kann. 
 
Weite Teile des mittelalterlichen Dorfzentrums sind liebevoll renoviert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Bei einer Besichtigungstour kann man durch die engen Gassen spazieren, ein wenig Mittelalter-Luft schnuppern und die restaurierte Kirche bewundern.
 
Zur Saison öffnen Handwerksbetriebe in den alten Gebäuden, zwei Restaurants sorgen für das leibliche Wohl der Gäste und ein kleines Museum zeigt Episoden und Fotografien aus der Vergangenheit. Durch das Museum erreicht man auch das spanische Herrenhaus, in dem man die alten Gemäuer, den in den Originalzustand zurückversetzten Innenhof sowie einen reich geschmückten Votivwagen bewundern kann. 
 
Das kleine Tratalias blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Seiner Lage in einer fruchtbaren Ebene im Südwesten Sardiniens ist es zu verdanken, dass sich hier sowohl Nuraghen als auch Phönizier, Karthager, Römer, Mauren sowie Sarazenen siedelten und urzeitliche, antike und mittelalterliche Spuren auf den Wiesen, Hügeln und Bergen rund um den Weiler hinterließen, die heute allerdings zum Großteil überwachsen sind oder in Wäldern und Büschen versteckt liegen.
 
Überreste aus dem Mittelalter, der Blütezeit Tratalias, haben die Jahrhunderte jedoch überdauert: Vom 13. Jahrhundert bis 1503 war der kleine Ort Bischofssitz. Von dieser Zeit zeugt die prächtige Chiesa di Santa Maria di Monserrat im pisanisch-romanischen Stil im Herzen des mittelalterlichen Ortskerns. Aber auch Aragonesen, die Sardinien fast 400 Jahre beherrschten, haben hier wichtige mittelalterliche Spuren hinterlassen, die man heute noch in dem liebevoll restaurierten Anwesen Casa Spagnola mit seinen Innenhöfen, Stallungen und Mauern aus natürlichen Materialien bewundern kann.
 
Doch mit dem Ende des Mittelalters verlieren sich die Spuren der Zivilisation in Tratalias. Im 16. Jahrhundert galt die Sulcis-Ebene als unwirtlich, wild und sumpfig. Malaria-Epedemien dürften ebenfalls zu der Entvölkerung beigetragen haben. Erst 300 Jahre später, 1822, wird das Dorf wieder urkundlich erwähnt. Eine handvoll Bauern und Schäfer siedelten sich zum Teil in den mittelalterlichen Überresten an. Bis in die 1950-er Jahre entwickelte sich daraus eine Wohngemeinde, besiedelt überwiegend von Arbeitern der nahen Bergwerke von Carbonia.
 
1954 wurde in den Bergen von Tratalias ein Staudamm errichtet: Der über 50 Millionen Kubikmeter umfassende Lago di Monte Pranu war als Wasserspeicher für die Landwirtschaft und als Wasserlieferant für die Industrien im nahen Industriepol von Porto Vesme an der Westküste gedacht. 
 
Die Errichtung des Stausees erwies sich aber bald als Todesurteil für das kleine Dorf am Fuße des Wehrs. Durch den veränderten Grundwasserspiegel wurden die alten Häuser des nur 17 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Dorfes häufig überschwemmt, Feuchtigkeit und Schimmel bedrohten die Gesundheit der Bevölkerung. Als in den 1970-er Jahren die hygienische Situation zu eskalieren drohte, wurde mit massiven Strukturfördermitteln aus dem fernen Rom ein Umsiedlungsprogramm beschlossen: Das gesamte Dorf, das mittlerweile aus über 300 Gebäuden bestand, sollte innerhalb von 10 Jahren an einen nahegelegenen Hang gebracht werden.
 
1982 wurden die letzten Bewohner in das neue Dorf mit funktionellen Wohngebäuden, moderner Infrastruktur und stadtplanerischer Liebe für Stahlbeton umgesiedelt. 1991 wurden große Teile des alten Dorfes schließlich dem Erdboden gleichgemacht, lediglich 45 mittelalterliche Gebäude und die ehemalige Kathedrale ließ man stehen. 
 
In der Zeit zwischen den 1960-er und 1980-er Jahren, in der in vielen mittelalterlichen Anwesen die Neuzeit mit Umbauten und Modernisierungen Einzug hielt, blieb in Tratalias die Zeit stehen: Da die baldige Umsiedlung bevorstand, wurde kaum in die alten Gebäude investiert. Da nie renoviert wurde, sind in den alten Häusern Ginsterholzbalken, schilfgedeckte Dächer, Mauersteine aus Ton, Schlamm und Schilf, vielfach erhalten geblieben.
 
Mehr Informationen: Comune di Tratalias - Via Matteotti 15  - 09010 Tratalias - www.comune.tratalias.ca.it
Öffnungszeiten des Museums