Um den vollen Funktionsumfang dieser Webseite zu erfahren, benötigen Sie JavaScript. Hier finden Sie die Anleitung wie Sie JavaScript in Ihrem Browser einschalten. sardinien.com: Campanacci - Antonio und Carlo Sulis aus Tonara

Campanacci aus Sardinien
Schellenschmiede Antonio und Carlo Sulis aus Tonara

  • <b>Campanacci aus Sardinien: Schellenschmied Antonio Sulis aus Tonara bei der Arbeit</b>
  • <b>Antonio Sulis dengelt die Campanacci (Schellen) in seiner Werkstatt in Tonara im Zentrum von Sardinien</b>
  • <b>Sohn Carlo biegt die Rohlinge in der Presse</b>
  • <b>Die Bleche werden kurz in die Glut eingetaucht, um das Material geschmeidig zu halten</b>
  • <b>Bevor die Rohlinge in die Kokillen gefüllt werden, füllt Antonio sie mit Sägespäne</b>
  • <b>Nach dem Füllen wird die Kokille mit Ton abgedeckt und in den Schmelzofen gerollt</b>
  • <b>Nach dem Füllen wird die Kokille mit Ton abgedeckt und in die Esse gerollt</b>
  • <b>Nach der Galvanisierung wird die Kokille zum Abkühlen auf den Boden gerollt</b>
  • <b>Sulis Senior beim Stimmen der Glocken</b>
  • <b>Im Vergleich zu Glocken, die aus heißem, flüssigen Metall gegossen werden, schmiedet man Schellen aus Stahlblech</b>

Seit fast drei Jahrhunderten werden die Tierglocken Sardiniens im Ort Tonara hergestellt. Die Campanacci, die den Weidetieren umgehängt werden, biegen und richten Antonio und Carlo Sulis noch von Hand. Wie man sich die Herstellungstechnik der Schellen vorzustellen hat, wie arbeitsaufwendig, vielfältig und kreativ sie ist, zeigte ein Besuch in der Werkstatt der beiden Fabbricanti di Campanacci aus Tonara.
 
Die traditionelle Arbeitsweise von Vater und Sohn, durch wenige moderne Gerätschaften unterstützt, verdeutlicht eindrucksvoll, dass Schellenschmiede hochqualifizierte Spezialisten sind.
 
Campanacci, sind Schellen, auch wenn viele Glocken dazu sagen. Doch im Vergleich zu Glocken, die aus heißem, flüssigen Metal gegossen werden, schmiedet man Campanacci aus Stahlblech.
 
Die Bleche werden zunächst nach einer von Herrn Sulis Senior entworfenen Schablone zugeschnitten, von seinem Sohn Carlo in der Presse grob in eine runde Form gebogen und bei 800 bis 1000 Grad Celsius in der Esse kurz in die Glut eingetaucht, um das Material geschmeidig zu halten. Nach dem Erkalten wird das Blech gedengelt, damit es die typische Campanacci-Form annimmt, an zwei Punkten seitlich verschweißt und noch mal nachgedengelt. Anschließend wird die Öse eingesetzt, an der die Schellen getragen werden.
 
Die Campanacci haben einen Überzug aus Messing, der sie vor Korrosion schützt. Dazu werden die Campanacci-Rohlinge ineinander gesteckt, die Hohlräume mit Sägespäne ausgefüllt, und mit einem Stückchen Zinkblech und einer Messingpatrone in Kokillen (mehrfach verwendbaren Gussbehältern) gefüllt. Ist die Kokille voll - je nach Größe passen etwa fünfzehn bis sechzig Campanacci-Rohlinge in einen Gussbehälter – wird sie mit Ton abgedeckt und in die Esse gerollt. Es bleibt eine Öffnung zum Entweichen der Luft. Nach der Galvanisierung und dem Abkühlen werden die fertigen Campanacci ausgegraben. Es folgt die Klangprüfung. 
 
Die Kunst des Stimmens ist dem Schellenrichter vorbehalten – sie erfordert viel Geschick, musikalisches Verständnis und vor allem Gehör. Antonio Sulis legt großen Wert auf einen harmonischen Klang seiner Schellen. Er stimmt die Campanacci klanglich aufeinender ab, denn dadurch unterscheiden sich die Geläute der verschiedenen Weidetiere bzw. Herden. Und das dient dem Hirten und Schäfer, der beispielsweise am Ton der Schellen jedes einzelne Tier erkennen kann.
 
Zu deren Nebentätigkeiten gehört deshalb auch die Reparatur der Schellen, die Dellen oder Risse bekommen haben und die Wartung des Zubehörs: Lederriemen und Klöppel. Klangkorrekturen werden durch erneutes Dengeln vorgenommen.
 
Campanacci werden auf Sardinien jedoch nicht nur als Signalinstrument den Weidetieren umgehängt. Zu verschiedenen Anlässen, wie beispielsweise Karnevalsumzügen, schmücken große Campanacci-Trauben das Mamuthones-Kostüm. Im Rahmen solcher Veranstaltungen steht die kultische Funktion der Schellen im Mittelpunkt: Ihr Klang soll die bösen Geister vertreiben. Und Antonio muss dafür sorgen, dass sich der Klang einer Mamuthones-Gruppe beim Umzug zu einem harmonischen Akkord zusammenfügt. 
 
Das Laboratorio Sulis in der Via Giovanni XXIII in Tonara ist eine der letzten Campanacci-Werkstätten.

 
Mehr Informationen: Sulis Carlo - Via Giovanni XXIII - Tonara - Tel.: +39/0784/63845 - E-Mail: carlo@campanacci.it - Web: www.campanacci.it.