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Töpfermeister Giampaolo Mameli
Der Künstler über sein Heimatdorf, sein Leben und seine Kunst

  • <b>Töpfermeister Giampaolo Mameli aus San Sperate</b>
  • <b>Töpferin bei der Arbeit in Giampaolo Mamelis Atelier in San Sperate </b>
  • <b>Vasen, Stiere, Teller und weibliche Gottheiten stapeln sich in den Regalen des Ateliers</b>
  • <b>Giampaolo Mameli stellt Töpferwaren mit unterschiedlichen Techniken her</b>

Giampaolo Mameli ist ein Künstler aus San Sperate, der sich der Keramik verschrieben hat. Mit seiner Mischung aus prähistorischen Elementen der sardischen Kultur und modernen Formen ist er längst über die Grenzen Sardiniens hinaus bekannt. Auf Ausstellungen in Rom, Paris und Tokio sowie natürlich auf der Insel hat er bereits seine Werke gezeigt. Wir haben den sympathischen Künstler in seinem Töpferatelier in San Sperate besucht und ihm einige Fragen über sein Heimatdorf, sein Leben und seine Kunst gestellt.
 
Sardinien.com: Herr Mameli kommen Sie ursprünglich aus San Sperate? Würden Sie sagen, dass die Tatsache, dass Sie hier aufgewachsen sind, einen Einfluss auf Ihre Kunst hatte und in welcher Hinsicht?

Giampaolo Mameli: Ja, ich stamme aus San Sperate. Sicherlich gibt es hier viele Anregungen. Das ist ein Glücksfall, den man nicht überall findet. Ich habe jedenfalls verschiedene Erfahrungen gemacht, dadurch, dass ich über zehn Jahre in Rom gelebt habe. Ich habe also auch die unterschiedlichsten Kenntnisse erworben. Das ist nicht nur eine lokale Frage, sondern Teil einer Kultur, durch die man versucht seinen Horizont ein wenig zu erweitern.

Sardinien.com: Wann haben Sie angefangen sich mit Kunst zu beschäftigen? Welche Ausbildung haben Sie absolviert? 

Giampaolo Mameli: Ich habe schon als kleiner Junge angefangen zu malen. Das hat mir sehr gefallen, so dass ich dann das Liceo Artistico (Anm. Liceo Artistico Statale Cagliari, künstlerisches Gymnasium in Cagliari) absolviert habe. Darin bestand meine Schulbildung. Mit etwa zwanzig Jahren habe ich angefangen mit Keramik zu arbeiten, was ich inzwischen seit fast dreißig Jahren mache. Ich mag es sehr zu experimentieren. Darum habe ich eine ganze Reihe von sehr persönlichen Techniken für die Brennvorgänge usw. erarbeitet. Für meine Arbeiten ist darum vor allem charakteristisch, dass sie mit verschiedenen, sehr besonderen und originellen Brenntechniken hergestellt werden.

Sardinien.com: Mit welchen Techniken oder Effekten arbeiten Sie?

Giampaolo Mameli: Neben der traditionellen Majolika (Anm. Terrakotta ohne Bemalung oder gewöhnliches Steingut, das mit weißer Zinnglasur überzogen und mit bunten Farben bemalt ist), die ich nur selten herstelle, arbeite ich vor allem mit der Technik des Bucchero. Darunter versteht man einen einfachen Brennvorgang ohne Sauerstoff, wodurch das Objekt oft komplett schwarz wird. Außerdem verwende ich die Brennart Raku, die eine Sauerstoffreduktion wahrend des zweiten Brenngangs vorsieht. Das Werkstück wird bei etwa 1000 Grad aus dem Ofen genommen und der Sauerstoffreduktion ausgesetzt. Eine weitere Technik, die ich sehr oft benutze, ist die Dekoration im dritten Brenngang, die sich Riflessatura nennt und ähnliche Eigenschaften hat, wie die Keramiken der Renaissance; etwas ganz Besonderes also.

Sardinien.com: Ihre Werke haben einen sehr symbolischen Charakter. Welche sind die zentralen Symbole ihrer Arbeit? 

Giampaolo Mameli: Ich habe eigentlich schon immer mit den Figuren des Stiers und der Muttergöttin gearbeitet, also mit den Verkörperungen des männlichen und weiblichen Elements der protosardischen Gottheit. Der Stier mit seinen Hörnern repräsentiert dabei den Mond. Das Horn an sich erinnert ein wenig an einen Halbmond, der insofern ein Symbol für Männlichkeit ist, als er durch die verschiedenen Mondphasen die Erde fruchtbar macht. Auf der Erde entsteht alles immer wieder neu. Darum wird die Erde als weibliches Element gesehen. Sie ist voller Leben und wird deshalb immer schwanger dargestellt. Es ist aber der Mond, der in wiederkehrenden Abständen die Erde befruchtet und so diesen wunderschönen Kreis des Lebens in Gang setzt. Ausgehend von dieser Symbologie habe ich eine Serie von Figuren ausgearbeitet, die von den archäologischen Funden auf Sardinien inspiriert sind. Dennoch werden sie auf sehr moderne Art und Weise ausgestaltet, so dass sie an die Einrichtung und Dekoration unserer Häuser angepasst sind. Auch hier arbeite ich sehr viel mit diesen beiden Figuren.

Sardinien.com: Woher nehmen Sie ihre Inspiration? Welche Einflüsse gibt es?

Giampaolo Mameli: Sicherlich aus unseren Wurzeln, genauer gesagt, aus der Kultur Sardiniens, die aber wie alle urtümlichen Kulturen auch viele sehr moderne Aspekte in sich vereint. Diese können neu verwendet und auf sehr moderne Weise interpretiert werden. Ich würde also sagen, dass ich mit einem Auge zurückblicke und mit dem anderen weit vorausschaue.

Sardinien.com: Wie hat sich die Arbeit in San Sperate bis heute entwickelt?

Giampaolo Mameli: Nun, sie hat sich in verschiedene Richtungen entwickelt. Einer der wichtigsten Anführer dieser Bewegung ist ganz klar Pinuccio Sciola, der den Muralismus in San Sperate begründet hat. Um diese Richtung herum sind dann verschiedene Theatergruppen, Malerkreise, unterschiedliche angewandte Künste, gerade die Keramik, Grafik und vieles mehr, entstanden. Diese Dinge konnten vor allem dank des kulturellen Bezugs wachsen, der jeden Künstler dazu anregt, seine eigenen Bestrebungen zu realisieren. Auch diese können sich in einem Bereich mehr als in anderen ausprägen.

Sardinien.com: Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Giampaolo Mameli: Also ich hoffe, dass es mir gelingt meine Arbeit noch lange ausüben zu können. Außerdem wechsele ich das Töpfern auch mit der Malerei ab. Und ich mag es verschiedene Materialien zusammen zu bringen, beispielsweise Malerei und Keramik. Es gibt da noch eine ganze Reihe von anderen Elementen, die sich untereinander gut vereinen lassen.
 
Mehr Informationen: Giampaolo Mameli - Via Decimo 107 - 09026 San Sperate - www.giampaolomameli.eu.
 
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