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Orgosolo
Verblüffend echt: Wandmalerei im Bergdorf

  • <b>Friedlich ruht der Indianer oder der Schäfer? Darüber streiten sich noch heute die Gemüter der Orgolesi</b>
  • <b>Die Chiesa di San Pietro Apostolo in Orgosolo </b>
  • <b>Orgosolo: Wandbild zu den blutigen Ereignissen auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking</b>
  • <b>Orgosolo: Kleiner Schwatz auf der Piazza </b>
  • <b>Orgosolo: Das Bild von Francesco Del Casino zeigt Nato-Flugzeuge über den Köpfen zweier Menschen</b>
  • <b>Orgosolo: Wandbild mit Orientierungshilfe</b>
  • <b>Orgosolo: Neues Wandbild, dass die Diktatur Saddam Husseins und den Irak-Krieg zum Thema hat</b>
  • <b>Zahlreiche Wandbilder zieren die Häuserfassaden von Orgosolo</b>
  • <b>Dieses Wandbild in Orgosolo zeigt den sardischen Revolutionsführer Giovanni Maria Angioy</b>
  • <b>Dieses Wandbild zeigt eine Büste des ehemaligen deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt über den Leichen von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe</b>

In Orgosolo, dem einst berüchtigten Banditendorf in der Barbagia, verewigen seit Ende der 1960er Jahre zahlreiche Wandgemälde den Wiederstand gegen Faschismus, Kapitalismus, Krieg, Wettrüsten, Hunger und Apartheid. Mehr als 150 sozialkritische Murales zieren die Fassaden der sonst eher schlichten und schmucklosen Häuser des Dorfes. Die Atmosphäre wirkt politisch und idealistisch
 
Begonnen hatte alles 1969, dem aufgewühlten Jahr der italienischen Studentenbewegung. Damals entstand nach lateinamerikanischen Vorbild das erste Wandbild im Ortszentrum – gemalt von der anarchischen Theatergruppe Dioniso aus Mailand.
 
Das Phänomen des gemalten öffentlichen Protests auf den Straßen entwickelte sich in Orgosolo allerdings nicht gleich weiter. Erst 1975, als der aus Siena stammende Kunstlehrer Francesco Del Casino beschloss das Grau der Fassaden mit Wandbildern zu verschönen, bewegt der Muralismus die Künstler des Ortes dazu, sich mit ihrem Namen auf den Hauswänden zu verewigen. Dabei ging es Francesco Del Casino nicht um die Zugehörigkeit zu einer Partei, deren Programm er publik machen wollte. Ihm ging es vielmehr um die Gestaltung öffentlichen Raums und die Möglichkeit für viele, ihre kreative Freiheit auszuleben.
 
Unterstützt von seinen Schülern gelang es ihm treffsicher, die passenden Motive für die jeweiligen Fassaden kreativ zu entwerfen. Der gekonnte Einsatz unterschiedlicher Techniken führte zu ausdrucksstarken Bildern mit engagierter Botschaft. In seinen Werken thematisierte er militär- und sozialpolitische sowie regionale Inhalte: den Partisanenkampf, den Vietnamkrieg, die Korruption, aber auch Alltagsprobleme wie Steuerlast, Wasserknappheit, Weidegebiete und die massive Militärpräsenz auf Sardinien in den 1970er Jahren. 

Nach seinem Vorbild haben später viele weitere Künstler zum Farbeimer und Pinsel gegriffen. Ein lokaler Vertreter der zeitgenössischen Wandmalerei ist beispielsweise Pasquale Buesca, der seinen stummen Protest gegen den Staat und die Ausbeutung auf offener Straße zum Ausdruck gebracht hat.
 
Seit Ende der 1990er Jahre hat die Karikierung von politischen Vorgängen und der direkte Bezug zur Situation auf der Insel abgenommen. Auch wenn Wandbilder zum 11. September oder zur Hinrichtung Saddam Husseins die Krisen des 21. Jahrhunderts versinnbildlichen, so treten doch folkloristische Themen immer mehr in den Vordergrund. 

Ein Streifzug entlang der Hauptstraße des Dorfes ist wie der Gang durch ein neuzeitlich historisches Bilderbuch. Doch Orgosolo bietet noch mehr: Am Fuße des Supramonte-Massivs gelegen, ist das ehemalige Banditendorf idealer Ausgangspunkt für Wanderungen in die nahen Berge.

Mehr Informationen: Comune di Orgosolo - Via Sas Codinas snc - 08027 Orgosolo - www.comune.orgosolo.nu.it.