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Valle dei Nuraghi
Einsamkeit, Ruhe und jahrtausendalte Geheimnisse im Tal der Nuraghen

  • <b>Den Nuraghen Santu Antine nennen die Sarden ehrfurchtsvoll auch Haus des Königs. Der christliche Name Santu Antine leitet sich von San Costantino ab </b>
  • <b>Die bronzezeitliche Trutzburg, die einst bis zu 25 Meter hoch war, stammt zum Großteil aus dem 16. Jahrhundert vor Christus</b>
  • <b>Nuraghe Santu Antine: Eine wahre Festungsanlage mit zwei Brunnen und zentralem Innenhof. </b>
  • <b>Bis 1935 lag ein Großteil der Burg unter Schutt begraben, die erst im Laufe des vergangenen Jahrhunderts teilweise freigelegt wurde. </b>
  • <b>Bei der Besichtigung kann man die alten, schneckenförmigen Steiltreppen bis auf den zweiten Stock des Steinturms erklimmen</b>
  • <b>Pinnettas: Die sardischen Schäferhütten finden heute als Stallungen Verwendung</b>
  • <b>Das Valle dei Nuraghi ist durch Einsamkeit, Stoppelfelder und mehere Duzend urzeitliche Turmbauten gekennzeichnet</b>
  • <b>Ringsum erheben sich wuchtige Tafelberge und ehemalige Vulkankegel, die seit Urzeiten erloschen sind</b>

Einsam weht ein lauer Sommerwind über die goldgelben Stoppelfelder des Tals der Nuraghen, einem weiten Hochtal auf halber Strecke zwischen Sassari und Macomer, knapp 50 Kilometer vom Küstenstädtchen Bosa entfernt. Nur ein paar verstreute Bauernhöfe und einen einsamen Bahnhof gibt es hier, der fast fünf Kilometer von der nächstgelegenen Ortschaft Torralba entfernt liegt. Weite Kornfelder, niedrige, von Brombeeren und wilden Pistazien überwucherte Steinmauern, vereinzelte, krumme Steineichen stehen weit verstreut in dem flachen Tal. Ringsum erheben sich wuchtige Tafelberge und ehemalige Vulkankegel, die seit Urzeiten erloschen sind.
 
Heute zeugt kaum mehr etwas davon, dass das Hochland eines der Zentren der sardischen Hochkultur war. Mehrere Dutzend Nuraghen und zehn Nekropolen liegen auf der Ebene verteilt: Eine bronzezeitliche Ansiedlung mit Steintürmen, geschäftigen Höfen, Läden und Wohnhäusern, betriebsamen Bronzegießereien und Tonmanufakturen.

Am Eingang des Tals liegt ein urzeitliches Kastell, das die Sarden ehrfurchtsvoll Sa Domo de Su Re, "Das Haus des Königs" nennen: Den Nuraghen Santu Antine. Die bronzezeitliche Trutzburg, die einst bis zu 25 Meter hoch war, stammt zum Großteil aus dem 16. Jahrhundert vor Christus. Bis 1935 lag ein Großteil der Burg unter Schutt begraben, die erst im Laufe des vergangenen Jahrhunderts teilweise freigelegt wurde. 

Um das mächtige Bauwerk aus dunklem Basaltgestein mit seinem großen, ursprünglich drei Stockwerke hohen Hauptturm mit über zehn Metern Basisdurchmesser wurden drei wuchtige Bastionen mit runden Wehrtürmen errichtet: Eine wahre Festungsanlage mit zwei Brunnen und zentralem Innenhof. 
Um den Nuraghen herum entstand eine kleine Siedlung, von der bis heute nur 14 Rundhäuser ausgegraben sind. Bei einer Besichtigung kann man die dunklen Wehrgänge erforschen und die alten, schneckenförmigen Steiltreppen bis auf den zweiten Stock des Steinturms erklimmen.

In Sichtweite zu Santu Antine ragt ein weiterer Turmbau aus der Landschaft hervor: Der Nuraghe Oes, mit seiner von orange-gelben Flechten bewucherten, eindrucksvollen Rundmauer. Obwohl gut erhalten, ist Oes bis heute kaum erforscht.
Lässt man seinen Blick über das weite, flache Tal schweifen, tauchen immer mehr Nuraghen in der Ferne auf: Mehr als dreißig Bronzezeit-Türme zählt man heute im Valle dei Nuraghi und dem angrenzenden Landstrich Campo Giavesu. Man vermutet, dass die Nuraghen in späteren Zeiten als Steinbruch für Stallungen und Feldbegrenzungen dienten und viele Steinklötze als Baustoff für die nahe Fernstraße Carlo Felice verwandt wurden. Schon die Römer errichteten auf der Siedlung um Santu Antine einen Bauernhof mit umfangreichen Stallungen und nutzten dazu die uralten Bauelemente des Nuraghen.

Doch auch die verbliebenen Überreste der Urzeitbauten haben heute noch etwas Geheimnisvolles: Ganz und gar überwuchert von Hecken und stacheligen Büschen, kommt man als Besucher kaum an sie heran, ganz als wolle die Natur dabei helfen, ihre zahllosen Geheimnisse zu bewahren. Denn bis heute weiß man nicht, woher die Nuragher kamen, wer für den Untergang der frühen sardischen Hochkultur verantwortlich war, noch, woher sie ihre Bautechnik kannten und die Inspiration für ihre Turmbauten nahmen.

Vielleicht gibt ein genauer Blick in das Tal der Nuraghen ja einen Hinweis: Spitze Bergkuppen und niedrige flache Tafelberge erinnern an die Form von Nuraghentürmen und ihren Seitenflügeln.
Aufschlussreich ist auch der Anblick des Felsturms Pedra Mandarza am südöstlichen Teil der Ebene. Die fast hundert Meter hohe Felsspitze thront seit Jahrmillionen majestätisch über dem Hochtal. Der rotbraune Monolith, der wuchtig aus einem grünen Hang hervorsticht, scheint das natürliche Vorbild für einen Nuraghen zu sein. In Wirklichkeit handelt es sich aber um eine Lavanadel, also den erodierten Schlot eines längst erloschenen Vulkans. 

Ob sich die Urzeitsarden beim Bau der Nuraghen an diesen Naturdenkmalen inspirierten, ist natürlich reine Spekulation. Um so deutlicher ist aber, dass sich die sardischen Schäfer der Neuzeit beim Bau ihrer Schäferhütten an den dreitausend Jahre alten Nuraghenbauten anlehnten: Die Schutzhütten aus Steinplatten, die die Schafhüter in den letzten Jahrhunderten in weiten Teilen Sardiniens errichtet haben, gleichen den einfachen Bronzezeitbehausungen, wie sie rund um große Nuraghenfestungen zu finden sind, bis ins Detail. Besonders schöne Pinnettas, so der sardische Name der Schutzhütten, gibt es am Rand des Tals an der Straße Richtung Giave zu sehen. Sie werden bis heute als Stallungen für Schafe und Ziegen genutzt. So lebt im "Valle dei Nuraghi" heute noch leise das Erbe der geheimnisvollen Urzeitsarden weiter. 
Nur das Zirpen von ein paar Heuschrecken unterbricht die einsame Stille der Ebene. Und alle paar Stunden rattert die klapprige Bimmelbahn der italienischen Staatsbahnen quer durch das Tal der Nuraghen.
 
Das Valle dei Nuraghi ist ab der Schnellstraße SS 131 nur teilweise ausgeschildert (Abfahrt Thiesi/Torralba). Der Beschilderung Richtung Bahnhof/Stazione FS Torralba folgen.

Der Nuraghe Santu Antine kann ganzjährig besichtigt werden, tgl. von 9-20 Uhr. Führungen jeweils zur halben Stunde (außer 13.30 Uhr und von Oktober bis März findet die letzte Führung um 16.30 Uhr statt). Eintritt 6 Euro, Kinder 4 Euro. Mehr Informationen auf der Offiziellen Website.