
Vini d' Italia 2004, dtsch. Ausgabe
Museo del Vino
07022 Berchidda (SS)
Tel.:+39/079/704587
E-Mail: museodelvino@tiscalinet.it
Web: www.museodelvino.net
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Sardinien war als Weinerzeuger bisher wenig bekannt: Bis in die
1970-er Jahre diente der sardische Wein meist zum Verschneiden.
In anonymen Behältern wurde er aufs Festland und ins Ausland
verkauft, um Alkoholgehalt, Farbe und Aroma blasser Weine aufzupolieren.
Heute zeichnet sich die Insel durch eine breite Palette von unterschiedlichen
Weinen aus, von den viele unter der Ursprungsbezeichnung D.O.C.
(Denominazione di Origine Controllata) und dem Gütesiegel D.O.C.G
(Denominazione di Origine Controllata e Garantita) vermarktet werden.
Auf etwa 43.000 ha Rebfläche bringen die von Sonne und Wind
verwöhnten sardischen Rebsorten Jahr für Jahr volle und
samtige aber auch leichte und junge Weine hervor.
Zu den am meisten geschätzten Weinen der Insel gehören
der rote Cannonau (alkoholstark und kräftig) und der weiße
Vermentino (leicht und frisch).
Die am meisten verbreiteten roten Reben sind außerdem noch
Girò (süß) und Monica (trocken und leichter);
bei den weißen dominieren neben Vermentino auch Torbato (trocken)
und Nuragus (lieblich und leicht prickelnd). Interessant sind auch
die Dessertweine Moscato und Malvasia, sowie der Vernaccia di Oristano,
ein Sherry-ähnlicher Wein.

Heute
produziert die Insel so ausgezeichnete Weine wie den Capichera und
den Turriga
Weinanbau hat auf Sardinien Tradition. Bisher ließ sich die
Geschichte des Weinanbaus auf der Insel bis ins Jahr 700 v. Chr.
zurückverfolgen, wo zunächst die Phönizier, später
die Karthager schon bestehende Weinberge pflegten. Zwischen dem
15. und 18 Jahrhundert führten die Spanier neue Rebstöcke
ein und pflegten den Weinbau auf Feldern inmitten alter Wälder
oder zwischen riesigen Granitfelsen, nicht weit vom azurblauen Meer
entfernt. Überliefert ist, dass es sich dabei um die Reben
Cannonau, Monica und Girò handelte.
Die Cannonau-Rebe gehört zu den ältesten Reben des
Mittelmeerraums. Aus ihr wird der ausgezeichnete Cannonau-Wein
gekeltert: Ein körperreicher, samtiger Rotwein mit ausgeglichenem
Alkohol- und Tanningehalt, dessen vollmundiger Geschmack heute weit
über die Region Sardinien bekannt ist. Eine italienisch-holländische
Forschergruppe will nun belegen, dass es sich beim Cannonau angeblich
doch nicht, wie bisher angenommen, um eine von den Spaniern eingeführte
Rebe handelt, sondern vielmehr um einen heimischen Weinstock. Ihre
Studien sollen zeigen, dass schon die Ureinwohner Sardiniens, die
Nuragher, dem Cannonau-Anbau frönten. Die Gruppe untermauerte
ihre Theorie, veröffentlicht im August 2004, mit Funden bei
archäologischen Ausgrabungen im Gebiet von Borore und dem Campidano:
Neben Vasen und Urnen nuraghischen Ursprungs wurden hier Hunderte
antike Traubenkerne gefunden. Bleibt nur noch die Sorte und Herkunft
dieser Rebe über eine DNA-Analyse in Mailand zu bestimmen.
Sollten die gefundenen Kerne wirklich zur Cannonautraube gehören,
dann würde das erste verbürgte Zeugnis über den Weinanbau
auf Sardinien aus dem Jahr 1200 v. Chr. stammen.
Text: Andrea Behrmann
Letztes Update: 10. August 2004
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