| |
|
Die technische Entwicklung hat seine Spuren in der Arbeitsweise
der traditionellen Messerschmiede gelassen. "Mein Handwerk hat sich
im Laufe der Zeit verändert", bestätigt Ungredda. Traurig ist er
darüber nicht. "Früher habe ich das Horn mit der Hand gesägt,
heute benutze ich eine elektrische Säge." Zuvor musste er das Horn
eine Stunde lang in der Kohle wärmen, bevor er es bearbeiten konnte,
jetzt dauert es mit dem Gasbrenner fünf Minuten. Doch die Vorgehensweise
ist die alte: Zuerst wird das Horn dehnbar gemacht und gepresst,
später der Griff geschnitzt. Danach entsteht die Klinge. Der
Stahl wird gesägt, geschmiedet und gefeilt, anschließend in heißer
Kohle und Spezialöl gehärtet. Wenn die Klinge abgekühlt ist,
wird das Messer zusammengesetzt.

Tiermotive schmücken die Messer von Graziano Ungredda
Video
Clip Coltello
dorgalese
Ungredda weist auf ein 70 cm langes Messer, eine Jagdszene
ziert eine Seite der Klinge, die andere schmücken Wildschwein und
Mufflon. "Dafür habe ich zwei Monate gebraucht", erklärt er. Die
Einzelstücke tragen den Namen des Meisters und sind nicht nur auf
Sardinien bekannt. "Zu mir kommen auch ausländische Sammler. Vergangene
Woche war ein Schweizer hier. Woher er meinen Namen hat, weiß ich
nicht", wundert sich der Kunsthandwerker. Werben tue er nicht und
er habe nur an wenigen Messen teilgenommen. Seine Bekanntheit komme
wohl durch Mundpropaganda, vermutet Ungredda.
Allgemeines: Das typisch sardische Messer ist ausklappbar.
Die Stahlklinge hat die Form eines Myrtenblattes. Der Griff besteht
in der Regel aus Mufflon- oder Schafbockhorn. Es wurde vor allem
von Hirten benutzt. "Sa Pattadesa" aus Pattada
ist das sardische Messer per excellance. Bekannt für ihre Messer
sind aber auch die Orte Guspini, Gavoi, Santu Lussurgiu, Arbus und
Fonni. Zum Teil haben sie eigene Bezeichnungen für ihre Messer:
S'Arburesa: Schneidegerät aus der Gegend von Arbus mit
dickbauchiger Klinge, wurde vor allem zum Häuten von Tieren
benutzt.
Guspinesa: Der Name ist abgeleitet von Guspini. Ursprünglich
hatte das Messer eine stumpfe Klinge. Denn vor 1908 durften spitze
Klingen nicht länger als vier, stumpfe dagegen bis zu zehn
Zentimeter lang sein. Die spitzen Messer haben in der Regel eine
dickbauchigere Klinge.
Lametta: Typisch für Tempio Pausania und Umgebung. Das
Messer hat eine stumpfe Klinge und wird für die Bearbeitung
von Kork benutzt.
Sa Leppa: Das traditionell lange Messer mit feststehender
Klinge ähnelt einem Säbel und wurde vor allem im 19. Jahrhundert
benutzt. Die Klinge ist meist eingelegt und der Griff aus Holz.
Sa Lussulzesa: So heißt das Schneidewerkzeug aus Santulussurgiu.
Carmela Mudulu
<
zurück
|