| |
|
Nachdem alle Blüten gepflückt sind, fahren wir zu Atzenis
nach Hause, wo die Arbeit gleich weitergeht. Normalerweise erfolgt
die Reinigung des Safrans abends nach dem Essen, wenn die ganze
Familie, auch die Kinder, beisammen sind. Dann erzählt man
sich nebenbei Geschichten und Witze, kommentiert das Tagesgeschehen.
Die Blüten werden auf dem heimischen Küchentisch ausgebreitet.
Jeder bekommt einen Teller, auf dem sich im Laufe des Abends die
Safranfäden häufen. Dann soll ich raten: Wie viele Blüten
muss man reinigen, um ein Kilo des Gewürzes zu erhalten? Ich
bin schlecht im Schätzen, die Antwort versetzt mich in Staunen:
zwischen 80.000 – 150.000 Blüten! Diese Zahl ist ein Ansporn
und ich stürzen mich wieder über die Teller.

Bei der Reinigung des Safrans macht die ganze Familie mit
Am schnellsten geht es, die Blüten aufzureißen
und die „stimmi“ herauszutrennen. Der weiße, untere Teil der
Fäden muss ebenfalls abgeknipst werden, damit der Safran eine
hohe Qualität garantiert. Herr Atzeni erklärt, dass es
der enthaltene Farbstoff Crocin ist, der die Speisen und gerade
auch unsere Finger stark gelb färbt. Die Farbe ist nur schwer
wieder abzuwaschen. Wer also im November in San Gavino mit gelben
Fingern herumläuft, ist mit Sicherheit Safranbauer.
Damit die wichtigen Aroma- und Wirkstoffe beim Trocknen konserviert
werden, verrät mir seine Gattin einen Hausfrauentrick: Bevor
die gesammelten und gereinigten Safranfäden getrocknet werden,
sollte man sie mit wenigen Tropfen Olivenöl, auf der Hand verteilt,
einbalsamieren. Dann wird die Tagesernte in eine kleine Schachtel
gestreut und in die Sonne gestellt. Bei großer Hitze haben
die Fädchen am nächsten Tag schon so viel Feuchtigkeit
– und damit etwa vier Fünftel ihres Ausgangsgewichtes - verloren,
dass sie zum Kochen verwendet werden könnten.
<
zurück
> < weiter >
|