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Damit die Arbeit auf dem Feld nicht langweilig wird, hat sich
unter den Safranbauern ein inoffizieller Wettbewerb entsponnen.
Wer die Blüte mit den meisten „stimmi“ findet, wird zum Safranblütenkönig
erkoren. Den aktuellen Rekord im Dorf hält Alfredo Atzeni,
ein sympathischer Pensionär mit Schnauzer. Letztes Jahr hat
er auf seinem Feld eine Blüte gefunden, die aus Gottes Laune
heraus sagenhafte ACHT „stimmi“ enthielt; normalerweise wachsen
in einer Blüte genau drei davon. Signore Atzeni berichtet mir
von seinen zahlreichen Versuchen, aus der Zwiebel dieses Prachtexemplars
eine ertragreichere Pflanze zu ziehen. Doch zu seinem Bedauern schlugen
bisher alle Züchtungsversuche fehl.

Diese vielen Blüten geben nur wenige Milligramm Stempelfäden
aus denen dann das Safranpulver gewonnen wird
Nach seiner Erzählung will auch ich aufs Feld und
nach einer Wunder-Blüte suchen. Herr Atzeni ist einverstanden
und karrt mich auf sein kleines Gut. Vor dem Gartentor liegen Hunderte
von lila Safranblüten. Auch wenn er nicht abergläubig
ist, glaubt Herr Atzeni, dass dieser Brauch wirkt. Er verspräche
Glück und eine gute Ernte... wie sonst ließe sich der
Fund vom letzten Jahr erklären?
Während ich pflücke, erläutert er uns den Tagesablauf
eines Safranbauern in der kurzen Ernteperiode. Als Voraussetzung
muss im August das Feld bestellt werden. Im Herbst, von Ende Oktober
bis Anfang November stehen dann die Krokuspflanzen für 15 bis
20 Tage in voller Blüte.
Während „su groffu“ fahren Herr Atzeni und seine Frau jeden
Vormittag auf das kleine Feld und pflücken die Blüten,
die über Nacht gewachsen sind. Hunderte davon sammeln sie jedes
Mal in die „su scotteddu“ genannten Körbchen. Aufgrund der
geringen Anbaufläche ist die Arbeit recht angenehm, lacht der
rüstige Rentner. „Das Vogelgezwitscher, die warme Sonne auf
dem Rücken, die Luft, gefüllt mit Wohlgerüchen, das
ist Entspannung pur!“
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