Home
  Bahn
   
   
   
   
   
 



Schmalspurbahn-Nostalgie mit dem "Trenino Verde"
Ausschnitte aus der Geschichte des "Trenino Verde"
Das Museo delle Ferrovie in Monserrato (Trenino Verde)
Das Museo Ferroviario Sardo in Cagliari (Trenitalia)
Mit der Bahn durch Sardinien


Haltepunkt Palarana: Abgeschiedenheit zwischen zwei Tunnel



Im Wärterhäuschen kam die ganze Familie des Strafversetzten unter. Wurde einer krank, musste auf den nächsten Zug gewartet werden

Strafversetzte brauchten keinen Komfort, nur das Nötigste gehörte zur Ausstattung


Die Arbeiten am Staudamm wurden erst 1949 fertiggestellt


Täglich "schöne Aussichten" für Triebfahrzeugführer Maurizio und "Beimann" Cesare



Blick aus den kleinenTriebwagenfenster

Wichtige Adressen
Informationen für die Fahrten mit dem Trenino Verde
Gestione Governativa Ferrovie della Sardegna (FDS)
Marketingabteilung
Tel. +39/070/580246
Fax +39/070 578163
fdsdc@tin.it
www.treninoverde.com

Dienststellen
Cagliari:
Tel +39/070/57930346
Fax +39/070/581765
E-Mail treninov@tin.it
Macomer:
Tel +39/0785/70001
Fax +39/0785/72358
E.Mail fdsmc@tin.it
Sassari:
Tel +39/079/241301
Fax +39/079/250755
E.Mail fdsss@tin.it


Schmalspurbahn-Nostalgie mit dem "Trenino Verde" (Fortsetzung)

Nach einem kurzen Halt rasselt der „Trenino Verde“ über Hügel und Viadukte talwärts in Richtung Osten. Am späten Vormittag, wenn die Sonne ihre immer kürzeren Schatten auf die Landschaft wirft, trifft der Zug im Bahnhof von Villanovatulo ein. Von hier aus geht es inmitten von Macchia Mediterranea, Ginsterbüschen und Steineichen am Lago Flumendosa entlang weiter zum Haltepunkt Palarana. Selbst die ganz jungen Fahrgäste, die während der Fahrt meist mit MP3-Playern oder Game Boys hantiert hatten, kleben plötzlich mit den Nasen am Abteilfenster: Die Aussicht vom Zug auf den großen See ist atemberaubend.


Der "Lago di Flumendosa" ist ein großer künstlicher See. Die Arbeiten am Staudamm begannen schon in den 1928er Jahren

Eingeschlossen zwischen zwei Tunneln, steht in Plarana ein kleines einsames Wärterhäuschen mit wunderschönem Blick auf die Natur. Wenn jetzt eine Dampflokomotive durch den Tunnel pfeifen und schnauben würde, könnte man glatt meinen, um 50 Jahre zurück versetzt zu sein. Einsamkeit und Idylle heißt aber auch Strafversetzung, denn wer hier postiert wurde, hatte sich etwas zuschulden kommen lassen. „Mindestens ein Jahr lang mussten es die unzuverlässigen Mitarbeiter des damals privaten Verkehrsunternehmen in dieser Abgeschiedenheit und Unzugänglichkeit aushalten. Das war schlimmer als Gefängnis“, bekräftigt Herr Albertoni. Nach Einstellung des regulären Linienverkehrs auf der Strecke wurde das Häuschen Nr. 73 nicht abgerissen, sondern als Wärterhausmuseum umfunktioniert.


Über Viadukte und durch kleine Tunnels rassel der "Trenino Verde" durch die Barbagia di Seulo

In weiten Kehren und durch kurze Tunnel rollt die Schmalspurbahn nun bergauf nach Betilli und Esterzili durch die Barbagia di Seulo. Ginsterbüsche in kräftigem Gelb säumen die Strecke. Hier, wie in der restlichen Barbagia, wachsen besonders wiederstandsfähige Baumarten wie die Steineiche, der Nuss- und Kastanienbaum. Mir dem recht harten Holz dieser Arten wurde Frankreich nach dem Sieg über Österreich im 1859 geführten Sardinien-Piemont-Krieg für ihre militärische Unterstützung vom damaligen Ministerpräsident Cavour belohnt. "Dieses wiederstandsfähige und dauerhaft harte Holz wurde von Frankreich für den Neubau von Schlachtschiffen eingesetzt", berichtet Herr Albertoni. Kaum zu glauben, dass die Schmalspurbahn an erster Stelle den Güterverkehr im unzugänglichen Forstgelände ermöglichen sollte. Doch die zu der Zeit bestehenden Verkehrsanbindungen der "Ferrovie-Reali Eisenbahngesellschaft" zwischen Cagliari und Sassari, Chilivani und Porto Torres sowie Villamassargia und Carbonia konnten mit einer Schienenbreite von 150 cm nicht ins unwegsame Landesinnere führen.


Kurz vor dem Bahnhof Sadali - Seulo bietet sich den Fahrgästen ein wunderschöner Blick auf das Hochplateau "Tacchi di Sadali"

Mit etwa 50 Stundenkilometern lässt der "Trenino Verde" die letzten Bäume von Esterzili hinter sich und erreicht auf etwa 705 Meter ü. NN das kargere Hochplateau von Sadali. Wenige Kilometer weiter endet die Fahrt mit der Schmalspurbahn am Bahnhof Sadali - Seulo.

"Trenino Verde" haben die Sarden ihre Schmalspurbahn genannt, weil sie durch die grüne Wildnis Sardiniens, vorbei an malerischen Städtchen des Inlands rattert. So historisch die Eisenbahn auch ist - schnaufen, keuchen und zischen tut sie leider nicht mehr. Lange Jahre waren die alten Dampfeisenbahnen eines der Aushängeschilder der sardischen Schmalspurbahn. Durch die zunehmend günstigeren Einsatzbedingungen von Diesel- und Elektrolokomotiven wurde die Dampflok ab Mitte der 1960er Jahre immer weniger eingesetzt. Im Mai 2003 wurden dann auch die Dampflokomotiv- Sonderfahrten wegen Funkenflug und Brandgefahr eingestellt.
"Schon bald wird der "Trenino Verde" im Winterfahrplan streckenweise wieder mit einer Dampflokomotive betrieben", beteuert Herr Albertoni zuversichtlich, "zwei mit Kohle betriebene Lokomotiven des Herstellers SLM Winterthur sind schon restauriert".
Wenn das nur so einfach wäre. "Viele der ehemaligen Dampflokomotivführer, Lokomotivheizer und Kesselwärter sind mittlerweile pensioniert", erklärt Ingenier Bocconi von der Bahnverwaltung weniger hoffnungsvoll, "uns fehlt das nötige ausgebildete Personal".
Vielleicht wird der Betrieb der Dampflokomotiven nun endgültig eingestellt. Doch noch bereitet diese Vorstellung Herrn Albertoni kein Kopfzerbrechen. Im Vertauen auf das italienische Ministerium für Verkehr und aus Liebe zur "kleinen grünen Bahn" führt er den "Trenino Verde" auch morgen wieder zuversichtlich in Richtung Arbatax.

< zurück  |  weiter >

   
    © Sardinien.com - info@sardinien.com
Nachdruck und Weiterverbreitung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung