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Unser Tipp:
Immer wieder Sardinien? Was gibt es Besonderes zu sehen. Wir zeigen Ihnen zum Beispiel:

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>> Das Städtchen Villacidro
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Sardinien: Domusnovas, Grotta di San Giovanni Foto: Paolo Succu
Blick in den rennovierten Innenhof der "Casa Spagnola"


Sardinien Karte Sulcis Iglesiente Provinz Carbonia Iglesias

Alter Dorfplatz Tratalias Sulcis Sardinien
Der alte Dorfplatz von Tratalias


Wie heißt das auf Italienisch?
Grotta - Höhle
Monumento naturale - Naturdenkmal
Valle - Tal
Leccio - Steineiche
Foresta - Wald
Miniera - Bergwerk



Unterkünfte im Sulcis Iglesiente
Minihotel in Iglesias
Ferienhäuser in Portixeddu
B&B in Gonnesa

Unser Tipp für Calasetta:

3-Sterne-Hotel Luci del Faro

Tratalias Sulcis Sardinien Blick auf das neu erbaute Tratalias


Sardinien: Casa Spagnola Tratalias Sulcis Sardinien
In den alten Häusern sind Ginsterholzbalken, schilfgedeckte Dächer, Mauersteine aus Ton, Schlamm und Schilf vielfach erhalten geblieben


Alte Aufnahme Tratalias Sulcis Sardinien
Alte Aufnahme von Tratalias vor der Renovierung. Der historische Stadtkern wurde von den weisen Urahnen auf einer überschwemmungssicheren Anhöhe errichtet

Rathaus Tratalias Sulcis Sardinien Das alte Rathaus von Tratalias fiel den Baggerschaufeln zum Opfer


Wichtige Adressen:
Comune di Tratalias
Tel.: +39/0781/688046

comune.tratalias.ca.it



Über 45 Häuser des mittelalterlichen Tratalias wurden renoviert








Verlassenes Dorf aus dem Mittelalter: Das Museumsdorf von Tratalias

Mitten in der unteren Sulcis-Ebene liegt ein kleines Weiler, das in seiner langen Geschichte gleich mehrmals verlassen wurde. Glück für die Altertumskunde: Die 45 Häuser und die dominante ehemalige Kathedralkirche sind heute ein gut erhaltenes mittelalterliches Freilichtmuseum, in dem man durch vergangene Zeiten spazieren kann.

Heute sind weite Teile des mittelalterlichen Dorfzentrums liebevoll renoviert worden und der Öffentlichkeit zugänglich.
Bei einer Besichtigungstour kann man durch die engen Gassen spazieren, ein wenig Mittelalter-Luft schnuppern und die liebevoll restaurierte Kirche bewundern. Zur Saison öffnen Handwerksbetriebe in den alten Gebäuden, zwei Restaurants sorgen für das leibliche Wohl der Gäste und ein kleines Museum zeigt Episoden und Fotografien aus der Vergangenheit. Durch das Museum erreicht man auch das spanische Herrenhaus, in dem man die alten Gemäuer, den in den Originalzustand zurückversetzten Innenhof sowie einen reich geschmückten Votivwagen bewundern kann.

Sardinien: Tratalias Sulcis Sardinien Das MUseumsdorf von Tratalias lädt zu einer Besichtigungstour ein

Das kleine Weiler Tratalias blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Seiner Lage in einer fruchtbaren Ebene im Südwesten Sardiniens ist es zu verdanken, dass sich hier sowohl Nuraghen als auch Phönizier, Karthager, Römer, Mauren sowie Sarazenen siedelten und urzeitliche, antike und mittelalterliche Spuren auf den Wiesen, Hügeln und Bergen rund um Tratalias hinterließen, die heute allerdings zum Großteil überwachsen sind oder in Wäldern und Büschen versteckt liegen. Überreste aus dem Mittelalter, der Blütezeit Tratalias, haben die Jahrhunderte jedoch überdauert: Vom 13. Jahrhundert bis 1503 war der kleine Ort Bischofssitz. Von dieser Zeit zeugt die prächtige Kathedrale im pisanisch-romanischen Stil im Herzen des mittelalterlichen Ortskerns. Aber auch Aragonesen, die Sardinien fast 400 Jahre beherrschten, haben in Tratalias wichtige mittelalterliche Spuren hinterlassen, die man heute noch in dem liebevoll restaurierten Anwesen „Casa Spagnola“ mit seinen Innenhöfen, Stallungen und Mauern aus natürlichen Materialien bewundern kann.

Santa Maria Madonna von Monserrat  Tratalias Sulcis Sardinien
Die Kathedrale ist der Madonna von Monserrat geweiht. Der Name leitet sich von einem Benediktinerkloster in der Nähe von Barcelona ab, das bis heute als Hort der katalanischen Kultur gilt. Interessantes Detail an der Frontseite: Im Giebeldreieck führt eine schwindelerregende Treppe auf das Dach des Gotteshauses.

Doch mit dem Ende des Mittelalters verlieren sich die Spuren der Zivilisation in Tratalias. Im 16. Jahrhundert galt die Sulcis-Ebene als unwirtlich, wild und sumpfig. Malaria-Epedemien dürften ebenfalls zu der Entvölkerung beigetragen haben. Erst 300 Jahre später, 1822, wird Tratalias wieder urkundlich erwähnt. Eine handvoll Bauern und Schäfer siedelten sich zum Teil in den mittelalterlichen Überresten an. Bis in die 1950-er Jahre entwickelte sich aus Tratalias eine Wohngemeinde, besiedelt überwiegend von Arbeitern der nahen Bergwerke von Carbonia. 1954 wurde in den Bergen von Tratalias ein Staudamm errichtet: Der über 50 Millionen Kubikmeter umfassende Lago di Monte Pranu war als Wasserspeicher für die Landwirtschaft und als Wasserlieferant für die Industrien im nahen Industriepol von Porto Vesme an der Westküste gedacht.

Der Lago di Monte Pranu versorgt Landwirtschaft und Industrie mit Wasser


Die Errichtung des Stausees erwies sich aber bald als Todesurteil für das kleine Dorf am Fuße des Wehrs. Durch den veränderten Grundwasserspiegel wurden die alten Häuser das nur 17 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Dorfes häufig überschwemmt, Feuchtigkeit und Schimmel bedrohten die Gesundheit der Bevölkerung. Als in den 1970-er Jahren die hygienische Situation zu eskalieren drohte, wurde mit massiven Strukturfördermitteln aus dem fernen Rom ein Umsiedlungsprogramm beschlossen: Das gesamte Dorf, das mittlerweile aus über 300 Gebäuden bestand, sollte innerhalb von 10 Jahren an einen nahegelegenen Hang umgesiedelt werden. 1982 wurden die letzten Bewohner in das neue Dorf mit funktionellen Wohngebäuden, moderner Infrastruktur und stadtplanerischer Liebe für Stahlbeton umgesiedelt. 1991 wurden große Teile des alten Dorfes schließlich dem Erdboden gleichgemacht, lediglich 45 mittelalterliche Gebäude und die ehemalige Kathedrale ließ man stehen.

Sardinien: Tratalias Sulcis Sardinien
Bei einer Besichtigungstour kann man durch die engen Gassen spazieren. Zur Saison öffnen Handwerksbetriebe in den alten Gebäuden

In der Zeit zwischen den 1960-er und 1980-er Jahren, in der in vielen mittelalterlichen Anwesen die Neuzeit mit Umbauten und Modernisierungen Einzug hielt, blieb in Tratalias die Zeit stehen: Da die baldige Umsiedlung bevorstand, wurde kaum in die alten Gebäude investiert. Da nie renoviert wurde, sind in den alten Häusern Ginsterholzbalken, schilfgedeckte Dächer, Mauersteine aus Ton, Schlamm und Schilf, vielfach erhalten geblieben.


Sulcis Iglesiente Sardinien auf einer größeren Karte anzeigen





Text & Fotos: Timo Gerd Lutz. Zuletzt aktualisiert: 10. März 2011

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