Unser
Tipp:
Immer
wieder Sardinien? Was gibt es Besonderes zu sehen. Wir zeigen Ihnen
zum Beispiel:
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di San Pietro & Carloforte
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Sant'Antioco
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Antioco Martire
>> Handwerkliche
Schiffswerft
>> Mittelalter-Dorf
Tratalias
>> Freie Fahrt v. Olbia
nach S.Antioco
>> Die schönsten Badeziele
Blick in den rennovierten
Innenhof der "Casa Spagnola"


Der alte Dorfplatz von Tratalias
Grotta -
Höhle
Monumento naturale - Naturdenkmal
Valle - Tal
Leccio - Steineiche
Foresta - Wald
Miniera - Bergwerk
Blick auf das neu erbaute Tratalias

In den alten
Häusern sind Ginsterholzbalken, schilfgedeckte Dächer, Mauersteine
aus Ton, Schlamm und Schilf vielfach erhalten geblieben
Alte Aufnahme von Tratalias vor der Renovierung. Der historische Stadtkern
wurde von den weisen Urahnen auf einer überschwemmungssicheren Anhöhe
errichtet
Das alte Rathaus von Tratalias fiel den Baggerschaufeln zum Opfer
Wichtige
Adressen:
Comune di Tratalias
Tel.: +39/0781/688046
comune.tratalias.ca.it

Über 45 Häuser des mittelalterlichen Tratalias wurden renoviert
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Mitten in der unteren Sulcis-Ebene liegt ein kleines Weiler,
das in seiner langen Geschichte gleich mehrmals verlassen wurde.
Glück für die Altertumskunde: Die 45 Häuser und die dominante ehemalige
Kathedralkirche sind heute ein gut erhaltenes mittelalterliches
Freilichtmuseum, in dem man durch vergangene Zeiten spazieren kann.
Heute sind weite Teile des mittelalterlichen Dorfzentrums liebevoll
renoviert worden und der Öffentlichkeit zugänglich.
Bei einer Besichtigungstour kann man durch die engen Gassen spazieren,
ein wenig Mittelalter-Luft schnuppern und die liebevoll restaurierte
Kirche bewundern. Zur Saison öffnen Handwerksbetriebe in den alten
Gebäuden, zwei Restaurants sorgen für das leibliche Wohl der Gäste
und ein kleines Museum zeigt Episoden und Fotografien aus der Vergangenheit.
Durch das Museum erreicht man auch das spanische Herrenhaus, in
dem man die alten Gemäuer, den in den Originalzustand zurückversetzten
Innenhof sowie einen reich geschmückten Votivwagen bewundern kann.
Das MUseumsdorf von Tratalias lädt zu einer
Besichtigungstour ein
Das kleine Weiler Tratalias blickt auf eine wechselvolle Geschichte
zurück. Seiner Lage in einer fruchtbaren Ebene im Südwesten Sardiniens
ist es zu verdanken, dass sich hier sowohl Nuraghen
als auch Phönizier,
Karthager, Römer, Mauren sowie Sarazenen siedelten und urzeitliche,
antike und mittelalterliche Spuren auf den Wiesen, Hügeln und Bergen
rund um Tratalias hinterließen, die heute allerdings zum Großteil
überwachsen sind oder in Wäldern und Büschen versteckt liegen. Überreste
aus dem Mittelalter, der Blütezeit Tratalias, haben die Jahrhunderte
jedoch überdauert: Vom 13. Jahrhundert bis 1503 war der kleine
Ort Bischofssitz. Von dieser Zeit zeugt die prächtige Kathedrale
im pisanisch-romanischen Stil im Herzen des mittelalterlichen Ortskerns.
Aber auch Aragonesen, die Sardinien fast 400 Jahre beherrschten,
haben in Tratalias wichtige mittelalterliche Spuren hinterlassen,
die man heute noch in dem liebevoll restaurierten Anwesen „Casa
Spagnola“ mit seinen Innenhöfen, Stallungen und Mauern aus natürlichen
Materialien bewundern kann.

Die Kathedrale ist der Madonna von
Monserrat geweiht. Der Name leitet sich von einem Benediktinerkloster
in der Nähe von Barcelona ab, das bis heute als Hort der katalanischen
Kultur gilt. Interessantes Detail an der Frontseite: Im Giebeldreieck
führt eine schwindelerregende Treppe auf das Dach des Gotteshauses.
Doch mit dem Ende des Mittelalters verlieren sich die Spuren der
Zivilisation in Tratalias. Im 16. Jahrhundert galt die Sulcis-Ebene
als unwirtlich, wild und sumpfig. Malaria-Epedemien dürften ebenfalls
zu der Entvölkerung beigetragen haben. Erst 300 Jahre später, 1822,
wird Tratalias wieder urkundlich erwähnt. Eine handvoll Bauern und
Schäfer siedelten sich zum Teil in den mittelalterlichen Überresten
an. Bis in die 1950-er Jahre entwickelte sich aus Tratalias eine
Wohngemeinde, besiedelt überwiegend von Arbeitern der nahen Bergwerke
von Carbonia. 1954 wurde in den Bergen von Tratalias ein Staudamm
errichtet: Der über 50 Millionen Kubikmeter umfassende Lago di Monte
Pranu war als Wasserspeicher für die Landwirtschaft und als Wasserlieferant
für die Industrien im nahen Industriepol von Porto Vesme an der
Westküste gedacht.
Der Lago di Monte Pranu versorgt
Landwirtschaft und Industrie mit Wasser
Die Errichtung des Stausees erwies sich aber bald als Todesurteil
für das kleine Dorf am Fuße des Wehrs. Durch den veränderten Grundwasserspiegel
wurden die alten Häuser das nur 17 Meter über dem Meeresspiegel
gelegenen Dorfes häufig überschwemmt, Feuchtigkeit und Schimmel
bedrohten die Gesundheit der Bevölkerung. Als in den 1970-er Jahren
die hygienische Situation zu eskalieren drohte, wurde mit massiven
Strukturfördermitteln aus dem fernen Rom ein Umsiedlungsprogramm
beschlossen: Das gesamte Dorf, das mittlerweile aus über 300 Gebäuden
bestand, sollte innerhalb von 10 Jahren an einen nahegelegenen Hang
umgesiedelt werden. 1982 wurden die letzten Bewohner in das neue
Dorf mit funktionellen Wohngebäuden, moderner Infrastruktur und
stadtplanerischer Liebe für Stahlbeton umgesiedelt. 1991 wurden
große Teile des alten Dorfes schließlich dem Erdboden gleichgemacht,
lediglich 45 mittelalterliche Gebäude und die ehemalige Kathedrale
ließ man stehen.

Bei einer Besichtigungstour kann man durch die engen Gassen spazieren. Zur Saison öffnen Handwerksbetriebe in den alten Gebäuden
In der Zeit zwischen den 1960-er und 1980-er Jahren, in der in vielen
mittelalterlichen Anwesen die Neuzeit mit Umbauten und Modernisierungen
Einzug hielt, blieb in Tratalias die Zeit stehen: Da die baldige
Umsiedlung bevorstand, wurde kaum in die alten Gebäude investiert.
Da nie renoviert wurde, sind in den alten Häusern Ginsterholzbalken,
schilfgedeckte Dächer, Mauersteine aus Ton, Schlamm und Schilf,
vielfach erhalten geblieben.
Sulcis
Iglesiente Sardinien auf einer größeren Karte anzeigen
Text & Fotos: Timo Gerd Lutz. Zuletzt
aktualisiert: 10. März 2011
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