Immer wieder Sardinien!
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Eine etwa vierzig Meter lange Rampe führt auf die Spitze des
Terassenaltars
Scavi
- Ausgrabungen
Colline- Hügel
Colonne - Säulen
Tomba - Grab
santuario - Altarraum
www.ferien-in-sardinien.com
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Infos und Betreiber:
Thellus
Soc. Cooperativa
Via Attilio Deffenu 23 - 07100 Sassari
Tel.: ++39/079/2016099
Mobil: 0039-328-4839995
thellus@tiscalinet.it
Öffnungszeiten:
im Sommer tägl. 9-20.30 Uhr
im Winter 9-16.30 Uhr
Führungen auf italienisch. Deutsch, englisch und französisch
nur nach Vornameldung.
Timo
G. Lutz
War der Steintisch eine Opferstätte für eine Erdgottheit?

Männliches oder weibliches Kultobjekt? Der Menhir gibt Forschern
Rätsel auf
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So
geheimnisvoll wie der Berg selbst ist auch die Herkunft seines Namens.
Im lokalen Dialekt klingt er ganz ähnlich wie ein unschönes
Wort für Beischlaf. Sprachwissenschaftler leiten den Namen
von einer Pflanze namens "kòdoro" oder auch von
"accodi" ab, was soviel wie Sammelstelle bedeutet. Eine
andere Lesart führt den Namen auf das sardische "Monte
de Code" zurück, auf deutsch schlicht "Berg aus Stein".
Eine sehr einleuchtende Version, denn Monte d'Accoddi wirkt für
den unkundigen Besucher wie ein großer Steinhaufen mit Aufstiegsrampe.
Viel zu sehen gibt es nicht, was man ohne nähere Erklärungen
erkennen könnte. Deshalb sollte man beim Besuch unbedingt an
einer Führung teilnehmen, um die archäologische Bedeutung
von Monte d'Accoddi verstehen zu können.
Denn was da auf halbem Weg zwischen Sassari und Porto Torres an
der Hauptstraße SS131 ans Tageslicht kam, hat es in sich:
Ein derartiges geschichtliches Zeugnis wurde bisher weder auf Sardinien
noch im gesamten Mittelmeerraum gefunden. Erste Siedlungsspuren
gehen auf die Zeit um 4200 vor Christus zurück. Der terrassenförmig
angelegte Altarbau ist aber tausend Jahre jünger und wurde
von einer Kultur errichtet, die etwa 1600 Jahre vor den Nuraghen
auf Sardinien lebte. In einer zweiten Bauphase, etwa 2800 Jahre
vor unserer Zeitrechnung, wurde der Terrassenaltar nach einem Brand
mit grobem Gestein auf seine endgültige Höhe von etwa
neun Metern erweitert. Eine breite Aufstiegsrampe führte zu
einer Kultstätte auf der Spitze des Sockels.

Die linke Seite
des Terassenaltars wurde von den Forschern originalgetreu rekonstruiert
Das
größte Rätsel gibt den Wissenschaftlern die Form
des Bauwerks auf. Sie erinnert an Zikkurate. Diese Sonnentempel,
wie sie in Mesopotamien gefunden wurden, kommen im Mittelmeerraum
aber nicht vor. Wer waren also die Erbauer dieser Kultstätte?
Eine Theorie vermutet aufgrund der Form des Terassenaltars ein Volk
aus dem Gebiet des heutigen Irak, das sich auf Sardinien niedergelassen
hat. Da aber auch in Lateinamerika terassenförmige Sakralbauten
gefunden wurden, kann man allein über die Bauform nicht belegen,
dass die Bewohner des Flachlandes hinter dem heutigen Porto Torres
Kontakte in den mittleren Osten hatten. Damit bleibt diese Theorie
Spekulation.
Rätsel geben auch die Menhire auf, die am Rande der Kultstätte
gefunden wurden. Sie stehen vermutlich schon viel länger an
der Kultstätte als der Terassenaltar. Es ist heute noch nicht
klar, ob die kultischen Steine der Verehrung einer weiblichen oder
einer männlichen Gottheit dienten. Die säulenartige Form
eines Steinblocks ließen sich sowohl als phallisches Symbol
als auch aufgrund der darin gefundenen Aushöhlungen als weibliches
Gottheitssymbol deuten, vermuten die Wissenschaftler.
Auch die Bedeutung der anderen Kultstätten rund um Monte d'Accoddi
bleibt rästelhaft. Ein Steintisch an der rechten Seite der
Rampe überdeckt ein natürliches Loch im Kalkgestein. Die
steinzeitlichen Erbauer sahen dieses Heiligtum möglicherweise
als Mund einer Erdgottheit an, der Opfer dargebracht wurden. Um
den Steintisch herum fanden die Archäologen Reste von Tier-
und Fischopfern. Ähnliche Spuren von Opferriten fand man auch
in späteren Kulturen auf Sardinien. Der Zweck eines weiteren
Kultsteins, ein mehrere Tonnen schwerer Findling am Ende der Rampe
des Tempels, ist ebenso unklar. Sicher ist nur, dass er aus mehreren
Kilometern Entfernung herbeigeschafft wurde, weil diese Gesteinsart
in der Gegend um Porto Torres nicht vorkommt. Einige Forscher vermuten
dass er per Boot an die Kultstätte gebracht wurde, denn der
nahegelegene Rio d'Ottava war vor mehreren tausend Jahren noch schiffbar.
Schwer vorstellbar, dass das Rinnsal, einen halben Kilometer von
der Kultstätte entfernt, vor sich her plätschert, einmal
mit Booten befahren werden konnte.
Die Kultstätte wurde bis etwa 1800 vor Christus genutzt, bis
ein anderes Volk seinen Glauben und seine Kultur auf Sardinien verbreitete:
die Nuraghen. Von dieser Zeit zeugt zum Beispiel ein Kindergrab,
dass an einer Ecke des Terassenbaus gefunden wurde. Die Nuraghen
kannten also Monte d'Accoddi, haben ihn aber nicht als Kultstätte
benutzt. Wer seine Erbauer waren, woher sie kamen, was mit ihrer
Kultur passierte, was ihre Riten bedeuteten, ist der Wissenschaft
bis heute ein Rätsel. Ihr Geheimnis lag über Jahrtausende
unter der Erde verborgen, bis im zweiten Weltkrieg die leichte Anhöhe
im Hinterland von Porto Torres von der italienischen Armee als Basis
für Flugabwehrgeschütze genutzt wurde. Die Soldaten stießen
dabei auf unterirdische Steinhöhlen, die in den frühen
1950-er Jahren erstmals ausgegraben wurden.
Timo G. Lutz
letzte Änderung: 11.10.2005
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