Immer wieder Sardinien!
Was gibt es hier Besonderes zu sehen? Wir zeigen Ihnen zum Beispiel:
>> Die
"Faradda dei Candelieri"
>> Die Provinzhauptstadt Sassari
>> Santissima Trinità
di Saccargia
>> Festungsanlage mit
Meerblick
>> Handwerk
in Castelsardo
>> Der Ort auf der kleinen
Landzunge
>> Auf den Spuren früher Kulturen
>> Die Argentiera
>> Die Costa
Paradiso
>> Badesi
Mare - ein Reisebericht
>> Die Ferienhalbinsel Stintino
>> Die schönsten
Strände von Stintino nach Alghero
>> Die schönsten Strände
von der Costa Paradiso nach Marina di Sorso
Capo
- Kap
Isola - Insel
Sinuoso - Gewunden
Asino - Esel
Colonia penale - Strafkolonie
Motonave - Motorboot
Visita guidata - Führung
Fuoristrada - Jeep
Colonia penale - Strafkolonie

Die Isola dell'Asinara ist nach Sant'Antioco im Südwesten die
zweitgrößte vorgelagerte Insel Sardiniens

Der Name Asinara leitet sich aus dem italienischen Wort „sinuoso“
(gewunden, kurvenreich) ab und spielt auf die zackenförmige Silhouette
der Insel an
Die Außenstelle Fornelli diente seit den 1970er Jahren Brigadisten
und Mafiosi als Unterkunft

Angesichts der schwierigen Lebensverhältnisse kam es in Fornelli
zu Sträflingsprotesten. Der bekannteste: La rivolta della Mokka

Der niedrige und karge Bewuchs auf der Asinara Insel ist auf die von
der Gefängnisleitung angeordneten, kontrollierten Brände
zurückzuführen. Um Fluchtversuchen der Sträflinge,
die im Freien arbeiteten, vorzubeugen wurde die Vegetation so niedrig
wie möglich gehalten

Die Ausdehnung der Insel beträgt 25 km in Nord-Süd-Richtung.
Nur eine geteerte Straße führt von Fornelli im Süden
Richtung Punta dello Scorno im Norden

Der Hauptkomplex der Zwangskolonie lag in Cala d'Oliva
Das weiße Fell und die rosa Haut der Asinara Esel ist auf eine
angeborene Störung zurückzuführen
In der Schildkröten-Klinik im Süden der Asinara-Insel haben
bis zu fünf tierische Patienten Platz

Fremdenführerin Paola erklärt bei Ankunft auf der Asinara
den Ablauf der Touren durch die Insel
Parco Nazionale Asinara - Area
Marina Protetta
Via Josto 7 - 07046 Porto Torres (SS)
Tel.: +39/079/503388
Web: www.parcoasinara.org
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Die dem Capo Falcone vorgelagerte Isola dell’Asinara liegt
am nordwestlichen Zipfel von Sardinien.
Aufreizend schön und weithin sichtbar ruht die ehemalige Gefängnisinsel
vor den Toren des alten Fischerdorfes
Stintino. Vom kleinen Anlegeplatz Marina di Stintino oder vom
Hafen
in Porto Torres setzen täglich Motorboote auf die zweitgrößte
vorgelagerte Insel Sardiniens über. Auf dem Eiland selbst zeigen
Fremdenführer des Nationalparks, wie Guide Paola, Besuchern
und Gästen die atemberaubende Natur der heute unberührten
Insel in geführten Tagestouren mit dem Bus, Jeep oder Minizug.
Blickt man von der ca. 400 m hohen Punta della Scomunica im Norden
der Isola dell’Asinara gen Süden versteht man, woher das kleine
Eiland seinen Namen hat: Vom höchsten Punkt der Insel hat man
einen herrlichen Blick auf ihre langgezogene und zackenförmige
Silhouette. Der heutige Name Asinara leitet sich von Sinuaria bzw.
sinuoso (gewunden, kurvenreich) ab und spielt auf ihre typisch geschwungene
Form an.

Die wunderschöne
Cala d'Arena im Nordosten der Insel Asinara
Von Süden aus betrachtet, mutet die karge Landschaft der Asinara
mit ihrem niedrigen Bewuchs und der zerklüfteten Küste
fast mystisch an. In dieser heute von Menschenhand unberührten
Natur sind zahlreiche vom Aussterben bedrohte Tierarten zu Hause.
In den Teichen und Tümpeln tummeln sich Rebhühner, diebische
Elstern, Seeschwalben und Blässhühner. Auf den steil ins
Meer stürzenden Granitfelsen nisten Kormorane, Korallenmöwen
und Wanderfalken. In der kargen Macchia Mediterranea grasen und
weiden Kühe, Wildpferdchen, Mufflons und die berühmten
weißen Wildesel.
Leiden die seltenen, weißen Esel eigentlich unter Farblosigkeit
(Leuzismus) oder einer Störung der Farbstoffsynthese (Albinismus)?
Es ist Albinismus, wie unsere Fremdenführerin, die uns in Fornelli
in Empfang nimmt, ausdrücklich betont. Sie heißt Paola,
kommt aus Stintino und kennt die Isola dell’Asinara wie ihre Westentasche.
„Auf Sardinien lebte der weiße Esel in der Vergangenheit auch
in Padria, Pozzomaggiore, Alà dei Sardi, Mara, Romana, Villanova
Monteleone und in einigen Gebieten des Campidanos
und des Iglesiente",
beteuert sie. "Das weiße Fell und die rosa Haut ist auf
eine angeborene Störungen in der Biosynthese der Melanine zurückzuführen:
Die Haut dieser Esel enthält zwar die farbstoffbildenden Zellen,
doch diese sind unfähig, den Farbstoff Melanin zu bilden. Der
Equus asinus var. albina bekommt daher leichter Hautausschläge,
außerdem ist seine Sehschärfe und sein räumliches
Sehen eingeschränkt. Auch verdankt die Insel ihren heutigen
Namen nicht, wie mehrfach irrtümlich angenommen, den hier lebenden
asini (Esel)", erklärt Paola.

Auf der Insel
leben zirka 100 weiße sowie 200 graue Wildesel
Es ist schon 9.15 Uhr, weshalb Paola und Ihre Kollegen uns gleich
in die Schildkröten-Klinik um die Ecke lotsen. Die Tierklinik
ist eine von drei „Centri di Recupero per Tartarughe Marine“ auf
Sardinien. Sie operiert, versorgt oder päppelt die verletzten
Panzertiere auf und entlässt sie wieder gesund in die Freiheit.
Die meisten Tiere werden von Schiffsschrauben und Fischernetzen
verletzt, doch auch die zunehmende Meeresverschmutzung bedeutet
für viele von ihnen den sicheren Erstickungstod. „Die bedrohte,
noch im Mittelmeer lebende unechte Karettschildkröte (Caretta
caretta) ernährt sich beispielsweise gerne von Quallen",
sagt Paola, "und diese sehen Plastiktüten zum Verwechseln
ähnlich.“

Der Eingang zum
Hochsicherheitsgefängnis in Fornelli, das bis 1997 in Betrieb
blieb. Hier können Besucher heute die nackten und damals rund
um die Uhr videoüberwachten Zellen besichtigen
Eine Stunde später packt Paola uns in ihren Jeep und fährt
uns rüber zur Strafvollzugsanstalt in Fornelli. 1885 entstand
auf der Isola dell’Asinara nämlich eine Strafkolonie. Die fruchtbare
und unbebaute Insel wurde damals noch vom örtlichen Adel, dem
Duca di Mores, und einigen Bauern bewohnt, die von der italienischen
Regierung kurzerhand umgesiedelt wurden und daraufhin das Fischerdorf
Stintino gründeten. Mit der Übergabe der Insel an
die Gefängnisverwaltung begann Ende des 19. Jahrhunderts die
Einrichtung des Straflagers. Es entstanden die ersten Schlafgebäude
für die zur Zwangsarbeit verurteilten Sträflinge, die
Kasernen für die Aufsichtskräfte, die Unterkünfte
für das Verwaltungspersonal sowie Villen für die leitenden
Beamten und ein Krankenhaus. Neben dem Zentralgebäude in Cala
d’Oliva waren elf Zweigstellen in Betrieb. Anfangs hatten die Häftlinge
die Aufgabe, die zahlreichen Hektar Land für die Kultivierung
bereitzumachen. Später betrieben sie hier Tierzucht und bebauten
Kornfelder. Neben der Tierhaltung und Käseproduktion hatte
sich im Gebiet der Zweigstelle Trabuccato ein ertragreicher Weinanbau
entwickelt. Auf etwa 72 ha Rebfläche brachten die Rebsorten
Jahr für Jahr eine Weinernte von ca. 700 bis 1300 Hektolitern
Rebsaft ein.
„In den 1970er Jahren", erklärt Paola, "wurde die
Errichtung neuer Gebäude und Sicherheitseinrichtungen erforderlich.
Seitdem gab es auf der Insel zwei Arten von Vollzugsanstalten: Die
Zwangskolonie für Häftlinge, die zu einer Strafe mit Arbeitszwang
verurteilt wurden und das Hochsicherheitsgefängnis in der Außenstelle
Fornelli für Schwerverbrecher, Brigadisten und Mafiosi. Die
Aufteilung bewirkte natürlich einen großen Unterschied
in der Behandlung der Sträflinge und führte in Fornelli
zu Sträflingsprotesten und Revolten".

Das ehemalige
Gebäude der Gefängnisleitung in Cala d'Oliva
Die prominentesten Gefangenen auf der Asinara Insel waren Gangster
und Mafiaboss Totò Rina sowie Raffaele Cutolo, der König
der Ausbrecher Renato Vallanzasca, die Gründer der italienischen
Brigate Rosse Renato Curcio und Alberto Franceschini sowie der berühmte
sardische Bandit Matteo Boe.
Da die Asinara eine Gefängnisinsel der höchsten Sicherheitsstufe
war, gelang es auch nur einem Häftling von hier auszubrechen:
Matteo Boe. Dem zu Arbeitslager verurteilten gefährlichen Entführer
gelang 1986 die Flucht vom Feld. Behilflich war ihm seine Lebensgefährtin,
die mit einem Schlauchboot in einer kleinen Bucht auf ihn wartete
und ihn durch die starke Strömung auf das Festland schipperte.
Gefasst wurde Boe zehn Jahre später wieder auf der Nachbarinsel
Korsika.
1997 wurde das Gefängnis von Asinara geschlossen, da sich die
Methoden im Strafvollzug geändert hatten und sich die Finanzierung
der Gefängnisinsel jährlich auf die stolze Summe von sieben
Milliarden Lire belief. Noch im selben Jahr wurde die Insel zum
Nationalpark erklärt. Seit 1999 ist das Naturschutzgebiet das
ganze Jahr für jedermann frei zugänglich. Besucher können
mit Ausflugsbooten übersetzen, an geführten Exkursion
teilnehmen oder die Insel selbständig zu Fuß sowie per
Rad erkunden.
Sassarese,
Alghero, Castelsardo, Costa Paradiso, Nurra und Anglona auf
einer größeren Karte anzeigen
Die Sonne scheint und Paola fragt uns gegen halb zwei ob wir Lust
auf einen Badestopp hätten. Wir haben Lust, verlassen also
den Süden der Insel und fahren auf der einzigen Straße
über die Cala Sant’Andrea, Cala Marcutza und Cala Reale zur
Cala d’Oliva. In der heute verlassenen, kleinen Ortschaft lag einst
der Hauptkomplex des Straflagers mit den Büroräumen der
Direktion, dem Telegrafenamt, den Wohnungen der Beamten, den Kasernen
für das Aufsichtspersonal, den Schlafgebäuden für
die Sträflinge, den Werkstätten, der Käserei und
den Ställen.
Nur wenige Kilometer nördlich der Cala d’Oliva liegt die kleine
Badebucht Cala Sabina.
Das türkisblau schimmernde Wasser hebt sich von dem Grün
der Tamariskenbüsche und dem Weiß des feinen Sandstrandes
ab. Paola entlässt uns nach kurzer Fahrt am hellen Badestrand.
Wir breiten unsere Badelaken aus und machen erst mal Pause: Wer
möchte springt ins glasklare Wasser, einige holen ihre Brötchen
hervor, andere dösen in der Sonne und lassen sich bräunen.

Die im Nordosten
der Insel Asinara liegende kleine Badebucht Cala Sabina wird von
golden schimmernden Granitfelsen und der Landzunge Punta Sabina
eingerahmt
Nach zwei Stunden drängt Paola zum Aufbruch. Wir fahren abseits
der geteerten Straße zur Punta della Scomunica, dem höchsten
Hügel der Insel. Eine knappe halbe Stunde später haben
wir die 408 Meter hohe Landspitze erreicht. Der Blick auf das Meer
und die Silhouette der Isola dell’Asinara ist atemberaubend schön.
Paola erzählt, dass am 9. September 1943, einen Tag nach dem
Waffenstillstand der Alliierten mit Italien, deutsche Bomber an
diesem Küstenstrich das italienische Schlachtschiff Roma versenkten.
Untersuchungen am Wrack, an dessen Bord 1.253 Menschen starben,
hat es bisher noch nicht gegeben.
Es ist kurz nach 16.30 Uhr. Wir müssen zurück, denn unser
Boot geht in einer knappen Stunde. Paola stellt sich noch kurz am
Ankerplatz in Fornelli mit uns auf einen Plausch und einen Espresso
an die Bar. Dann bringt uns das Motorboot in ca. 20 Minuten wieder
zum kleinen Hafen in Stintino.
Sind seit unserer Ankunft auf diesem fast noch unentdeckten Stück
Sardiniens und unserem ersten Treffen mit Paola wirklich erst acht
Stunden vergangen? Nicht schon 24 oder gar zwei Tage? Unglaublich,
wie langsam die Zeit auf der Asinara Insel vergeht und was es hier
alles zu erleben und zu sehen gibt!
Text: Andrea Behrmann, Fotos: Paolo Succu
Letztes Update: 9. Oktober 2009
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