Immer wieder Sardinien!
Was gibt es hier Besonderes zu sehen? Wir zeigen Ihnen zum Beispiel:

Mit dem Meerwasser-Kanu
durch den Felsbogen
pietra calcare- Kalkstein
arco - Bogen
salto - Sprung
canoa - Kanu
limpido - klar, glasklar
porto - Hafen
Ponte - Brücke

Kleine Felsinsel
vor der Spitze der Landzunge

Die tiefen Einschnitte in die Karstfelsen formen einen Naturhafen
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Ein bizarres Monument steht an der
sardischen Westküste, zwischen Bosa
und Oristano
gelegen: Der weiße Steinbogen S’Archittu. Ein flacher Kalkfelsen,
der in die Bucht ragt, ist auf halber Strecke ausgehöhlt und
formt so eine natürliche Brücke. Doch die Bucht hat nicht
nur dieses Naturschauspiel, sondern auch einiges an Geschichte zu
bieten.

Beliebtes
Postkarten-Motiv: Der Felsbogen S'Archittu
Traumhaft liegt es da: Das beliebte Postkartenmotiv S'Archittu,
was auf deutsch soviel wie "der kleine Bogen" bedeutet.
Umgeben von glasklarem Wasser, ist die Bucht von S'Archittu nicht
nur bei Badeurlaubern beliebt, sondern auch Paddelfreunde kommen
durch den Kanu-Verleih, der im Sommer geöffnet
ist, auf ihre Kosten. Eine Paddelfahrt durch den Naturbogen ist
ein besonderes Erlebnis!
Wer das Felstor erreichen will, stellt sein Auto auf einem der Parkplätze
im Ort ab. Von dort führt ein gepflasterter Weg zu einem Aussichtspunkt.
Wer auf dem Steintor herumklettern möchte, sollte auf die scharfen
Kanten des Kalkgesteins achten. Ganz Mutige stürzen sich direkt
vom Felsen in die klaren Fluten!
An touristischer Infrastruktur hat die Bucht leider wenig zu bieten.
Ähnlich wie das nahegelegene Santa
Catterina di Pittinuri hat der Ferienort S'Archittu seine besten
Zeiten schon vor ein paar Jahrzehnten gesehen. Oder vor einigen
hundert Jahren: In der Bucht von S'Archittu lag einst Coracodes
Limen, ein wichtiger Handelshafen, der lange als unauffindbar
galt.

Ganz Mutige stürzen sich von
S'Archittu in die Fluten
Coracodes Limen war der Hafen der punischen
Stadt Cornus. Die erste Erwähnung findet sich in einem Werk
des römischen Schriftstellers Titus Livius, der von der Eroberung
Teilen Sardiniens im Jahre 215 erzählt und den Hafen der Stadt
als wichtigen strategischen Eroberungspunkt nennt. Auch der griechische
Astronom Ptolemäus erwähnt sie in seinem Buch „Geographie“,
dem wichtigsten geografischen Werk seiner Zeit. Die genaue Kartografie
von Ptolemäus erlaubte die genaue Bestimmung der Position der
Hafenstadt: Die Bucht von S’Archittu. Nur leider wurden keine archäologischen
Überreste gefunden. Alle Hinweise auf die bedeutende Hafenstadt
beschränkten sich bis vor kurzem auf Beschreibungen von Wissenschaftlern,
die sich allesamt auf den griechischen Astronomen stützen:
Giovanni Francesco Fara erwähnt die Position von Coracodes
Limen, auch die bedeutenden Sardinien-Forscher Giuseppe Manno, Ettore
Pais und Alberto Lamarmora sind sich sicher, dass der Hafen von
Cornus in dieser Bucht liegt. Der deutsche Sardinien-Reisende
Heinrich von Maltzan zweifelt 1868 an seinen Kollegen: „Cornus
lag nicht am Meer und kann auch nie einen guten Seehafen besessen
haben, was aus der Beschaffenheit der Küste erhellt“. In der
Tat: An der felsigen Küste kann man sich nur schwer vorstellen,
dass hier vor Urzeiten ein bedeutender Hafen gelegen haben soll.
Licht in den Gelehrtenstreit brachten erst Forschungen aus des dem
Jahre 1998: In zehn Metern Tiefe wurde ein in den Fels gehauener
Kanal gefunden, dazu Landungsbrücken, auf denen wohl Waren
verladen wurden und Passagierschiffe anlegten. Scherben und ganze
Amphoren weisen darauf hin dass die heute so einsame Bucht einmal
ein bedeutender Handelshafen war. Zu sehen gibt es aus archäologischer
Sicht aber heute nichts mehr in der Bucht von S’Archittu.
Text: Timo Gerd Lutz, Fotos: Tilo Erning
Letztes Update: 11. Juli 2005
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