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Die wunderschöne Pfarrkirche in San Sperate








Wie heisst das auf Italienisch?
Paese - Dorf
Murales - Wandbilder
Artigianato -
Handwerk
Paese Museo - Museumsdorf
Casa - Haus
Loggiato - Laubengang
























San Sperate: Ein anspruchsvolles künstlerisches Kaleidoskop

San Sperate ist das Dorf der Kunst: Unzählige Wandbilder – ihre Zahl wird auf 320 geschätzt, meterlange Gedichte, farbenprächtige Kompositionen, meisterhafte Skulpturen und andere Kunstwerke zieren Häuser, Mauern, Gehsteige, Straßen und Grünflächen der Gemeinde.

Das 7000 Einwohner zählende San Sperate liegt etwa 20 Kilometer nördlich der Inselhauptstadt Cagliari. und ist im Laufe der vergangenen Jahrzehnte zum größten Freilichtmuseen der Insel geworden. Das Dorf ist seit 1968 „Paese Museo“ (Museumsdorf) und gibt jedem Dorfbewohner die Möglichkeit, künstlerisches Schaffen öffentlich vorzustellen. Schöpfer dieses Kulturprojektes ist der 1942 in San Sperate geborene berühmte Bildhauer und Maler Pinuccio Sciola.


Foto: Nicole Isabella Künstle

Der Weg in die Open-Air-Kunsthalle führt durch weite, flache Landschaften, Pfirsichplantagen und Zitrusfrüchtehaine. Einmal angekommen, gibt es Kreativität in vielfältiger Form zu bestaunen: Wand- und Straßenmalereien, Skulpturen, Metall-Installationen, Klang- und Megalithsteine. Führende zeitgenössische Künstler sind neben Pinuccio Sciola auch Angello Pilloni, Raffaele Muscas, Gianni Pinna, Giampaolo Mameli, Mauro Cabboi und Aldo Costa.
Die sozial engagierten „Murales“ (Wandbilder) stammen aus verschiedenen Zeiträumen. Sie dokumentieren die Entwicklung des Bauerndorfes, zeigen geschichtliche Hintergründe, geben Einblicke in das ländliche Leben und Arbeiten der Menschen, entführen in eine längst vergangene Welt von alten Riten und Bräuchen. Unter der Leitung von Pinuccio Sciola entstanden 1968 die ersten Murales, in denen sich die großen Themen des sardischen „Muralismo“ abzeichneten: die Geschichte Sardiniens, die bäuerliche Kultur, die enge Bindung der Bevölkerung an Acker- und Weideland und die Alltäglichkeit.



Pinuccio Sciola in seinem Skulpturen-Garten mit seinen berühmten Klangsteinen


Eine besondere Attraktion sind die vielen Skulpturen, die berühmten Klangsteine Sciolas und ein Megalith-Garten im Dorfzentrum. Der einzigartige Megalith-Garten ist das größte Bildhauerkunstwerk Sciolas: Gemeinsam mit seinen Schülern und der Bevölkerung hat der Bildhauer auf einer Grünfläche vorhandene große Steine in Form gehauen. Die Skulpturen sollen Aufschluss geben über Riten und Zeremonien der vergangenen sardischen Nuraghen-Kultur.
Mit seinen aufsehenerregenden Klangsteinen, die er seiner Gemeinde zum Geschenk gemacht hat, verleiht Sciola der Natur eine Stimme. Zu diesem Zweck schneidet er ganz dünne Linien oder Gittermuster in die naturbelassenen Steine ein, die dann bei Berührung Klänge erzeugen.
Doch die zahllosen Kunstwerke locken nicht nur Scharen von Besuchern, sondern auch jedes Jahr viele Künstler in den Süden der Insel. Im Oktober treffen sich in San Sperate italienische und internationale Künstler in ausgelassener Stimmung zum Kulturaustausch im historischen Stadtzentrum: No Arte heißt die Veranstaltung, die aktives Handwerk und Kunst zum Anfassen, beispielsweise von Paolo Fresu, Mario Dondero, Attila Kleb, Judith Horváth, György Stalter, Bernd Arnold und Pablo Volta, bietet.


Das Kunstfestival No Arte findet alljährlich im Oktober statt


Ein weiteres Kulturfestival findet jedes Jahr Ende Juli statt. Unter dem Titel “Cuncambias” bieten Künstler aus den Bereichen Musik, Theater, Literatur verschiedene Beiträge zum Thema Volkskunst. Alljährlich lockt das Dorf im Juli außerdem mit einem ein großes Pfirsichfest - ein köstliches Fest mit vielen kulturellen Events.
Das Kunst- und Künstlerstädtchen bietet aber auch noch andere Sehenswürdigkeiten: In San Sperate, mit dem romanischen Namen Civitas Valeria, befindet sich die hübsche "Chiesa San Giovanni Battista“ aus dem 16. Jahrhundert, die Pfarrkirche aus dem 17. Jahrhundert und das „Heilige Kreuz“ zum Gedenken an die Opfer einer Flut aus dem Jahre 1892. Fünf Nekropolen, ein Nuraghe und mehrere Brunnenheiligtümer bezeugen zudem die lange Geschichte des Kunststädtchens.
Im Jahr 2008 feiert der „Muralismo“ in San Sperate 40-jähriges Bestehen und Besucher und Gäste dürfen sich schon jetzt auf eine große Jubiläumsfeier mit buntem Programm freuen.


Text: Andrea Behrmann, Fotos: Stefania Aresu
Letztes Update: 11. Dezember 2007

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