Immer wieder Sardinien! Was gibt es Besonderes zu sehen? Wir zeigen
Ihnen zum Beispiel:
>> Fonni und der Park Donnortei
>> Schnee auf dem Monte Spada
>> Der Pfeifer aus Gavoi
>> Spielzeugmuseum in Gavoi
>> Der (bisher) älteste Mensch Sardiniens
>> Die Walke in Tiana
>> Teti - Schmiede der Bronzestatuetten
>> Nuoro - Kulturhauptstadt der Barbagia
>> Tonara und der Honignougat
>> Aritzo - Magie der Natur
>> Ortueri - Magasinos Apertos
>> Der Eselspark "Mui Muscas"
>> Ökosystem Wald: Parco Assai
>> Schafschur in Ovodda
>> Supramonte, Tiscali und Sas Orrios
>> Der Nationalpark Golfo di Orosei
>> Dorgali und Cala Gonone
>> Wandmalerei in Orgosolo
>> Schmausen in Oliena
>> Die Grotta del Bue Marino
>> Der Lago Cedrino
>> Die schönsten Badeziele
www.ferien-in-sardinien.com
www.ferien-in-sardinien.com
Das Wandbild "Frauen aus Orgosolo" läßt Einflüsse
von Picasso erkennen
Paese - Dorf
Montagne - Berge
Mare - Meer
Cala - Bucht
Grotta - Höhle
Schlucht - Gola
Artigianato- Kunsthandwerk
Tappeti - Teppiche
Pelle - Leder
Ceramica - Keramik

Das Bild von Francesco Del Casino zeigt Nato-Flugzeuge über den
Köpfen zweier Menschen
Wandbild zu den blutigen Ereignissen auf dem Platz des Himmlischen
Friedens in Peking
Comune di Orgosolo
Telefon:
+39/0784/400901
Fax: +39/0784/403143
E-Mail:comune.orgosolo@tiscali.it
|
|
In Orgosolo, dem einst berüchtigten Banditendorf in der
Barbagia, verewigen seit Ende der
1960er Jahre zahlreiche Wandgemälde den Wiederstand gegen Faschismus,
Kapitalismus, Krieg, Wettrüsten, Hunger und Apartheid. Mehr
als 150 sozialkritische Murales zieren die Fassaden der sonst eher
schlichten und schmucklosen Häuser des Dorfes. Die Atmosphäre
wirkt politisch und idealistisch.
Begonnen hatte alles 1969, dem aufgewühlten Jahr der italienischen
Studentenbewegung. Damals entstand nach lateinamerikanischen Vorbild
das erste Wandbild im Ortszentrum – gemalt von der anarchischen
Theatergruppe Dioniso aus Mailand.
Friedlich ruht
der Indianer oder der Schäfer? Darüber streiten sich noch
heute die Gemüter der Orgolesi
Das Phänomen des gemalten öffentlichen Protests auf den
Straßen entwickelte sich in Orgosolo allerdings nicht gleich
weiter. Erst 1975, als der aus Siena stammende Kunstlehrer Francesco
Del Casino beschloss das Grau der Fassaden mit Wandbildern zu verschönen,
bewegt der Muralismus die Künstler des Ortes dazu, sich mit
ihrem Namen auf den Hauswänden zu verewigen. Dabei ging es
Francesco Del Casino nicht um die Zugehörigkeit zu einer Partei,
deren Programm er publik machen wollte. Ihm ging es vielmehr um
die Gestaltung öffentlichen Raums und die Möglichkeit
für viele, ihre kreative Freiheit auszuleben.

Unterstützt von seinen Schülern gelang es ihm treffsicher,
die passenden Motive für die jeweiligen Fassaden kreativ zu
entwerfen. Der gekonnte Einsatz unterschiedlicher Techniken führte
zu ausdrucksstarken Bildern mit engagierter Botschaft. In seinen
Werken thematisierte er militär- und sozialpolitische sowie
regionale Inhalte: den Partisanenkampf, den Vietnamkrieg, die Korruption,
aber auch Alltagsprobleme wie Steuerlast, Wasserknappheit, Weidegebiete
und die massive Militärpräsenz auf Sardinien in den 1970er
Jahren.
Nach seinem Vorbild haben später viele weitere Künstler
zum Farbeimer und Pinsel gegriffen. Ein lokaler Vertreter der zeitgenössischen
Wandmalerei ist beispielsweise Pasquale Buesca, der seinen stummen
Protest gegen den Staat und die Ausbeutung auf offener Straße
zum Ausdruck gebracht hat.
Dieses Wandbild
zeigt eine Büste des ehemaligen deutschen Bundeskanzler Helmut
Schmidt über den Leichen von Andreas Baader, Gudrun Ensslin
und Jan-Carl Raspe, mit der Aufschrift "Der Chef der deutschen
Regierung, Verteidiger der Demokratie und der abendländischen
Kultur, Experte im 'Selbstmord' durch den imperialistischen Staat"
Seit Ende der 1990er Jahre hat die Karikierung von politischen Vorgängen
und der direkte Bezug zur Situation auf der Insel abgenommen. Auch
wenn Wandbilder zum 11. September oder zur Hinrichtung Saddam Husseins
die Krisen des 21. Jahrhunderts versinnbildlichen, so treten doch
folkloristische Themen immer mehr in den Vordergrund.
Ein Streifzug entlang der Hauptstraße des Dorfes ist wie der
Gang durch ein neuzeitlich historisches Bilderbuch. Doch Orgosolo
bietet noch mehr: Am Fuße des Supramonte-Massivs
gelegen, ist das ehemalige Banditendorf idealer Ausgangspunkt für
Wanderungen in die nahen Berge.

Neues Wandbild,
dass die Diktatur Saddam Husseins und den Irak-Krieg zum Thema hat
Text und Fotos: Andrea Behrmann
Letzte Änderung: 24. Oktober 2007
<
zurück
|