Immer wieder Sardinien! Was gibt es Besonderes zu sehen? Wir zeigen
Ihnen zum Beispiel:
>> Das Bergdorf Fonni
>> Der Naturpark Donnortei
>> Schnee auf dem Monte Spada und dem Bruncu
Spina
>> Der Pfeifer aus Gavoi
>> Spielzeugmuseum in Gavoi
>> Karnevalsauftakt
in Mamoiada
>> Der einst älteste Mensch Sardiniens
>> Die Walke in Tiana
>> Teti - Schmiede der Bronzestatuetten
>> Nuoro - Kulturhauptstadt der Barbagia
>> Orani - Kunst & Kultur im Bergbaustädtchen
>> Karneval in Ottana - Boes, Merdules &
Sa Filonzana
>> Tonara und der Honignougat
>> Aritzo - Magie der Natur
>> Ortueri - Magasinos Apertos
>> Der Eselspark "Mui Muscas"
>> Ökosystem Wald: Parco Assai
>> Schafschur in Ovodda
>> Supramonte, Tiscali und Sas Orrios
>> Su Gologone & der
Nationalpark Golfo di Orosei
>> Dorgali: Kunsthandwerk und Supramonte
>> Cala Gonone - das Seebad von Dorgali
>> Wanderung
von Cala Gonone nach Cala Luna >> Nuraghe Mannu bei Cala Gonone
>> Wandmalerei in Orgosolo
>> Schmausen in Oliena
>> Romanzesu:
Nuraghendorf bei Bitti
>> Grotta del Bue Marino
>> Die Grotte von Ispinigoli bei Dorgali
>> Paddeltour auf dem Lago del Cedrino
>> Die schönsten Badeziele
Die ursprüngliche Quelle von Poddi Arvu befand sich in einem Gebäude
in Tholos-Bauweise, ähnlich eines Nuraghenturms
Die Anfahrt nach Romanzesu ist ab Bitti gut ausgeschildert. Von der
Staatsstraße SS 389 von Bitti nach Buddusò weist ein
Schild den Weg zur Ausgrabungsstätte
Paese - Dorf
Vino - Wein
Rosso - Rot
Bianco - Weiß
Rosato - Rosé
Cantina - Weinkeller
Degustazione - Weinprobe
Cinghiale - Wildschwein
Escursione - Ausflug
Bosco - Wald

Auch an einfachen Wohnhäusern, Geschäften und Pilgerhütten
mangelte es in Su Romanzesu nicht
Società
Cooperativa Istelai
Bitti
(NU)
Tel.: +39/0784/414314 oder 333/3211346
www.coopistelai.it
Die Kooperative Istelai betreibt ganzjährig die Ausgrabungsstätte,
die von montags bis sonntags geöffnet ist. Die einstündigen
Führungen finden zu folgenden Uhrzeiten statt: 9.15, 10.30, 11.45,
15.15, 16.30, im Sommer zusätzlich 17.45 Uhr. Auf Reservierungen
auch Führungen auf Deutsch und Englisch

Obwohl der Name anderes vermuten lässt,
gibt es keine Spuren der Römer in der Nuraghensiedlung. Su Romanzesu
ist damit eine der wenigen Fundstätten, in denen ausschließlich
Überreste von den Ursarden gefunden wurden und in der es keine
Spuren nachträglicher Besiedlung gibt.
Die Außenmauern der Versammlungshallen
der Nuraghen waren ursprünglich über zwei Meter hoch und
waren Holzpaneelen gedeckt
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Versteckt inmitten eines dichten Kork- und Steineichenforsts
auf der Granithochebene von Bitti liegt die über vier Hektar
große Ruinenstadt von Romanzesu. Was bisher niemand weiß:
Wozu dienten die Häuser, Tempel und Versammlungsplätze
der Urzeitsarden? Bis heute hat das heilige Dorf seine Mythen und
Geheimnisse noch nicht verraten. Sicher ist nur: Es handelt sich
um eine Kult- und Pilgerstätte, die in ihrer Größe,
Art, Architektur und Funktion einmalig auf Sardinien ist.
Vermutlich das Zentrum des heiligen
Nuraghendorf: Das Amphittheater des Brunnenheiligtums Poddi Arvu
Es ist schon ein besonderer Ort, den sich die
alten
Nuraghen für ihr vielleicht wichtigstes heiliges Dorf ausgesucht
haben. Gerade Mal ein Zwanzigstel der Ruinen von Su Romanzesu
haben Forscher in den 1990-er Jahren ausgegraben und der Öffentlichkeit
zugänglich gemacht – der Rest der Kultstätten, Brunnenheiligtümer,
Tempel, Pilgerheime, Wohn- und Geschäftshäuser liegt noch
unter den Hügeln der dichten Korkeichenforste des einsamen
Granitplateaus im Herzen Sardiniens versteckt. Als recht sicher
gilt, dass das Element Wasser auf der Granithochebene von Bitti
eine wichtige Rolle spielte. Unweit der Kultstätte entspringt
der längste Fluss der Insel, der über 150 Kilometer lange
Tirso, der sich durch ganz Sardinien zieht. Außerdem geht
man davon aus, dass die Hügellandschaft zur Zeit der Nuraghen
dank anderer klimatischer Bedingungen vor mehr als 3500 Jahren sehr
viel wasserreicher war als heute.
Deshalb glaubt man auch, dass das Herzstück der Ruinenstadt
der Nuraghier das Brunnenheiligtum Poddi Arvu darstellte.
Den Brunnen sucht man heute vergeblich, denn in den 1920-er Jahren
haben Landarbeiter auf der Suche nach Wasser auf dem Hochplateau
nördlich von Bitti die alte Quelle teilweise verschüttet
und umgeleitet. Eine flache Steintreppe, über die das weihevolle
Nass aus der Quelle in das Brunnenheiligtum sprudelte, wurde dabei
vollständig zerstört.
Über 42 Meter führt sich der
von den Nuraghen künstlich angelegte Quellverlauf des Brunnenheiligtums
von Poddi Arvu bergab
Die Wasserkultstätte, die in ihrer Form auf Sardinien sonst
nirgendwo anders vorkommt, zieht sich von der Quelle über 42
Meter lang bergab und endet in einem kleinen Amphitheater. Auf seinem
schmalen Weg wird der Quellverlauf von Treppenstufen eingefasst,
auf denen, zusammen mit den Rängen des Amphittheaters, über
700 Gläubige Platz fanden. Handelte es sich bei Poddi Arvu
um ein Seelbad, eine Taufstätte für Massensegnungen oder
gar eine rituelle Weihestelle, die von Sünden reinigen sollte?
War die Kultstätte, die Wissenschaftler auf das 13. Jahrhundert
vor Christus datieren, für die Nuraghen die Quelle der Fruchtbarkeit,
der Ursprung des Wassers und damit des Lebens auf der Mittelmeerinsel?

Der Quellgang ist mit Treppen gesäumt,
auf denen bis zu 700 Personen Platz fanden
Was auch immer die Nuraghen in Romanzesu genau verehrten, an Kultbauten
ließen sie es nicht mangeln. Neben der rätselhaften Quellstätte
von Poddi Arvu findet man weitere wichtige Sakralbauten in den sanften
Granithügeln und zwischen den Korkeichen versteckt. Nur wenige
Meter von dem Brunnenheiligtum entfernt stehen die Überreste eines
Megarontempels. Von den seltenen, rechteckigen
Kulttempeln mit dicken Steinmauern hat man inselweit lediglich zwanzig
entdeckt, drei davon allein in Romanzesu. Der am besten erhaltene
und wohl größte „Tempel von Romanzesu“ wird auf das 14. Jahrhundert
vor Christus datiert und wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrmals
umgebaut, teilweise zugemauert und erweitert.

Die Megaron-Tempel wurden in mehreren
Epochen umgebaut, erweitert und teilweise wurden Kammern zugemauert.
Hier wurde auch der größte je auf Sardinien entdeckte Fund von Bernstein
aus dem Baltikum und Osteuropa entdeckt
Zahlreiche Funde von Pferdeknochen, Keramiksplittern, und Bronzegegenständen
sowie Bernstein werfen Fragen auf: Was wurde hier wohl verehrt?
Wissenschaftler vermuten, dass hier rituelle Einmauerungen und Opferrituale
stattfanden, aber Genaueres über die religiösen Handlungen,
die die Nuraghier in den dicken Mauern des Tempels praktizierten,
weiß man bis heute nicht.

Die großen Rundbauten mit einer
zentralen Stelle im Innern waren vermutlich Versammlungshallen.
In Romanzesu wurden bisher sechs davon gefunden
Doch Tempel und Brunnenheiligtümer sind nicht die einzigen Sakralbauten
von Romanzesu. Zahlreiche Steinstelen, ein Tempel mit Mauern aus
konzentrischen Kreisen, mehrere Pilgerhütten und Versammlungshallen
gruppieren sich rund um die urzeitliche Kultstätte, die man heute
auf einer gut einstündigen Führung erkunden kann.
Rundreise
Barbagia: Ein Stück Wildnis im Herzen der Mittelmeerinsel auf
einer größeren Karte anzeigen Im
Laufe der Jahrtausende haben sich Moos und Gestrüpp in den einst
heiligen Hallen breitgemacht. Verkrüppelte Korkeichen schützen
mit ihrem Blätterdach die verwitterten Granitsteinmauern, Pfade,
Wegen und Gassen – Romanzesu scheint in einem seit Tausenden Jahren
dauerndem Dornröschenschlaf zu liegen. Denn der Märchenwald,
in dem die Kultstätte liegt, hat mit Sicherheit seine größten
Geheimnisse noch lange nicht freigegeben. Man kann beim Wandeln
durch die steinzeitlichen Gassen und Plätze als nur ahnen,
welche Bedeutung Su Romanzesu für die alten Sarden hatte.
Text: Timo G. Lutz
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