Oliena
Landschaft, Natur und Gaumenfreuden aus dem Supramonte
Das knapp 7200-Seelen-Dorf Oliena liegt zu Füßen des Monte Corrasi, mit Blick auf das weiße Kalksteinmassiv des Supramonte, im Osten von Sardinien nur etwa 29 Kilometer vom lebendigen Küstenstädtchen Cala Gonone entfernt

In traumhafter Lage, eingebettet zwischen Anhöhen und Flusstälern und umsäumt von ausgedehnten Steineichenwäldern ist das Bergdorf idealer Ausgangspunkt für ausgiebige Wanderungen.
 
Nur wenige Kilometer entfernt, sprudelt die Karstquelle Su Gologone mit im Schnitt 300 Litern pro Sekunde aus einem Felsklamm. Das süße Quellwasser bildet einen kristallklaren Teich, der in den Fluss Cedrino mündet.
 
In unmittelbarer Nähe liegt auch das von hohen Felskämmen umrahmte Hochtal Valle di Lanaittu, das mit einer dichten, zum Teil endemischen Flora bewachsen ist.
 
Vorbei am majestätischen Tal gelangt man zu zwei Höhlen aus Karstgestein: der Grotta Sa Oche (Höhle der Stimme) und der Grotta Su Bentu (Höhle des Windes), die mit ihren 7000 Metern Länge mit zu den größten Grotten Italiens gehört. Bei den Höhlen führt ein Weg hinauf zum Monte Tiscali. Hier liegen, versteckt in einer Doline, die durch den Einsturz einer Karsthöle entstand, die Überreste des fast 4000 Jahre alten Nuraghendorfes Tiscali. In der Felswand befindet sich ein Guckloch mit wunderschönem Blick auf das Lanaittu-Tal.
 
Der Ort ist aber auch berühmt für seinen vollmundigen Nepente. Der rubinrote Cannonau-Wein hat selbst den italienischen Schriftsteller Gabriele D’Annunzio zu einer lobenden Erwähnung verführt.
 
Beeindruckend sind darüber hinaus die Kunststickereien. Besonders wertvoll sind hier die handbestickten Hals- und Kopftücher. Sie werden noch heute von einigen Frauen angefertigt, und zwar so, wie einst von Sa Tessidora, die zunächst den handgewebten Wollstoff erzeugte und diesen dann bunt bestickte. Nicht ganz so bekannt und dennoch bewundernswert sind außerdem die Holztruhen und der filigrane Schmuck aus Oliena.
 
Auch in kulinarischer Hinsicht hat das Bergdorf einiges zu bieten. Wer sich bei einem leckeren Essen ausruhen möchte, ist hier genau richtig. Als Vorspeise kann man etwa den für Sardinien so typischen Schafskäse Pecorino probieren. Über mehrere Monate gereift, entfaltet er einen pikanten, starken Geschmack. Dazu passen das papierdünne, knackige Fladenbrot Pane Carasau und ein Glas schmackhafter Nepente. Ein typischer erster Gang sind die Culurgiones. Die halbmondförmigen Ravioli sind mit Kartoffeln und Schafskäse gefüllt und mit Minze sowie Knoblauch geschmacklich abgerundet. Als zweiten Gang tischt man in den Bergdörfern der Insel gerne mit Kräutern aromatisiertes Grillfleisch auf: Ziecklein, Lamm, Ferkel oder zu einem Zopf geflochtene Innereien werden über dem offenen Feuer geschmort und in Korkschalen auf den Tisch gebracht. Zum krönenden Abschluss gibt es köstliches Gebäck mit vielen Mandeln oder Honig: Amarettos, Papascinos, Pistoccos, S'Aranciadas, die vorzüglich zum berühmten Su Gucciu passen, dem Passito Likörwein aus Oliena. Probieren kann man auch die Sebada, eine frittierte Teigtasche mit Käsefüllung, die mit bitterem Honig überstrichen wird. Einige verfeinern die Füllung mit Orangen, zum Teil wird auch Zucker auf die Teigtasche gestreut.
 
Mehrere Feste sorgen zudem dafür, dass es im Ort nicht langweilig wird. Besondere Höhepunkt sind das Auferstehungs-Fest S'Incontru zu Ostern, das Fest zu Ehren des Heiligen Lussorio im August und das Herbstfest Cortes Apertas im September.
 
Mehr Informationen: Comune di Oliena - Via V. Emanuele 4 - 08025 Oliena - www.comune.oliena.nu.it.
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Andrea Behrmann
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