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Ermordungen, Ausbeutung, Herrschaftsstreben
und eine globalisierte Welt in der jeder gegen jeden kämpft
– Imperium ist die neuste Schöpfung der häufig schockierenden
spanischen Theatergruppe La Fura dels Baus. Das neuste Werk, das
am 1. Mai 2007 in Peking debütierte, ist einem mutigen Publikum
vorbehalten, das keine Berührungsängste kennt und sich
nicht scheut, mit in das Theaterspiel einbezogen zu werden. Etwa
eine Stunde lang überfallen, vertreiben, metzeln und verwüsten
zornige Fura-Kriegerinnen im Namen einer Politik der territorialen
Expansion das Bühnen-Land.
Am 2. und 3. November 2007 hieß es in Cagliari
"Imperium“: Auf dem Messegelände
der Inselhauptstadt
rückte die katalanische Theatergruppe dem Imperialismus mit
geballter weiblicher Macht auf den Leib. Für das Stück,
das zu diesem Termin Italien-Premiere feierte, hatte die diesmal
vorwiegend aus Frauen bestehende Gruppe eine spartanisch ausgestattete
Messehalle zur Bühne umfunktioniert.
Die Theatergruppe
La Fura dels Baus wurde 1979 in Barcelona gegründet und begann
als einfaches doch provozierendes und unbändiges Straßentheater
Ein extrem nüchternes Bühnenbild, riesige rollende Pyramiden,
seltsame Stahlgefährte, Video-Projektionen, knappe Kostüme
und elektro-akustischer Sound bestimmten die Szenerie. Mittendrin
ahnungslose Zuschauer die in Angst und Schrecken versetzt werden
sollten, denn schließlich ging es um Machtwahn, Waffengewalt
und Tyrannei!

Großes
Aufsehen erregte die Gruppe erstmals 1992 bei der Inszenierung der
Eröffnungsveranstaltung der Olympischen Sommerspiele in Barcelona
Imperium beginnt mit der Ermordung von Menschen, die mit politischen,
kulturellen und ideologischen Mitteln nicht mehr zu beeinflussen
waren. Apokalyptische Kriegsbilder fluten über eine riesige
Videoleinwand, Machthaber lechzen nach Herrschaft und Ausbeutung,
devote Untertanen kriechen zu Fuße, Abneigung und Feindseligkeit
gegenüber allem Andersartigen und Fremdartigen brodelt stets
aufs Neue hervor.
Der offene Aufführungsraum mit schlichtem Dekor in der Messehalle
regte zu spektakulären Coups an: An die Kette gelegte zahme
Dienerinnen rebellieren und lösen einen Kampf der Mächte
um die Aufteilung der Welt im Zeitalter der Globalisierung aus.
Mit stählerner Kriegsbemalung, Totschläger, Gewehren,
Erbrochenem und Blut ziehen die nun zornigen Kriegerinnen in den
Kampf: Es geht um Herrschaft und Autorität. Auf Stahlgerüstkonstruktionen
setzten sie sich über alle Grenzen hinweg. Sie morden und quälen
– Leichen, Blut, Schleim, Körpersäfte und Asche verwandelten
die Bühne in ein riesiges apokalyptisches Schlachtfeld.

Doch mit dem Ende der alten Herrschaft beginnt gleichsam wieder
eine neue Tyrannei, in der der Einzelne auch diesmal keinen Handlungsraum
hat. Im Schlussakt gähnt dem ermatteten Publikum im gleißenden
Neonlicht nichts als eine mörderische Stille und entsetzliche
Leere entgegen. Ein Erlebnis für starke Nerven!
Text: Andrea Behrmann, Fotos: Paolo
Succu
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