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>> Grazia Deledda
- Schilf im Wind |
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>> Gavino Ledda
- Padre Padrone |
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>> Michela Murgia
- Accabadora |
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>> Giorgio Todde
- Das Geheimnis der Nonna Michela |
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>> Flavio Soriga
- Der schwarze Regen |
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>> Milena Agus -
Die Gräfin der Lüfte |
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>> Milena Agus -
Solange der Haifisch schläft |
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>> Marcello Fois
- Himmelsblut |
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>> Massimo Carlotto
- die Schöne und der Alligator |
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>> Salvatore Niffoi
- Die barfüßige Witwe |
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>> Salvatore Niffoi
- Die Legende von Redenta Tiria |
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>> Sergio Atzeni
- Bakunins Sohn |
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>> Antonio Gramsci
- Quaderni del Carcere |
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>> Sergio Frau
- Atlantika. Eine detektivische Untersuchung des antiken Mittelmeerraums |
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Grazia
Deledda geboren 1871 in
Nuoro. 1927 wurde sie mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.
Zu ihren bekanntesten, auf Sardinien spielenden, Novellen
und Romanen gehören La via del male, Elias Portolu,
La Madre (dt. die Mutter), Marianna Sica , L'edera
(dt. der Efeu) und Canne al vento (dt. Schilf im
Wind). Die Werke wurzeln in der Welt der Hirten und Banditen
der Barbagia. Natur und Menschen ihrer Heimat Sardinien scheinen
mystisch verbunden. Leidenschaft, Sünde, Schuld und Verrat
sind die Themen, um die ihre Werke kreisen. Der immer schlichte
Faden des Geschehens und das Scheitern der geschilderten Personen
geben vielen Werken Züge der Tragödie. 1900 heiratete sie
Palmiro Madesani und zog nach Rom wo sie 1936 starb. Die Erzählung
Cosima, ihre Autobiographie bis zum 30. Lebensjahr,
wurde erst posthum veröffentlicht. |
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Gavino
Ledda geboren 1938 in Siligo
(Sassari). Er beschreibt das Leben auf Sardinien aus der Perspektive
der Hirten. In seinem Buch Padre Padrone schildert
er seine Kindheit und Jugend unter einem herrisch und rücksichtslosen
Vater, der ihn zwingt die Grundschule zu verlassen und ihm
als Hirte zu dienen. Das eigentliche Thema ist die Einsamkeit
des Mannes. Erst mit zwanzig Jahren lernt er Lesen und Schreiben.
Später bringt er es sogar zum Universitätsabschluss. Allerdings
sollte man die geschilderten Kindheitserlebnisse nicht unbedingt
verallgemeinern. Wem das Lesen keinen Spaß macht, kann sich
auch den gleichnamigen Film angucken, den die Brüder Taviani
nach Leddas Buch gedreht haben. |
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Antonio
Gramsci geboren 1891
in Ales (Oristano). Der Begründer der Kommunistischen Partei
Italiens und der Herausgeber der italienischen Zeitung "L'Unità"
war betont politisch-sozial und gesellschaftsbewusst. Seine
Jugend verbrachte er in Cagliari wo er sein Abitur machte.
Später zog er aus Studiengründen nach Turin, wo er politisch
aktiv wurde. 1926 wurde er von der faschistischen Polizei
verhaftet und zu zwanzig Jahren Gefängnisstrafe verurteilt.
Im Gefängnis wurde er vor eine neue und schwere Aufgabe gestellt:
Er musste den unmenschlichen Haftbedingungen widerstehen,
denen er jedoch 1937 erlag. Die im Gefängnis an seine Freunde
und Familie geschriebenen Briefe sind in den Quaderni del
Carcere gesammelt worden. In ihnen erneuerte er alles
was die Haft zerstören sollte, nämlich Glauben, Ideale und
Hoffnungen. Die Briefe, in denen er seine Kindheitserinnerungen
schildert, zeugen von seiner tiefen Bindung zur Heimat Sardinien.
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Michela
Murgia
geboren 1972 in Cabras, im Westen von Sardinien. Nach
einigen Jahren in Mailand lebt die Theologin und Religionslehrerin
heute wieder auf der Insel. Ihr erster Roman Accabadora
spielt im Sardinien der 1950-er Jahre in dem erfundenen Dorf
Soreni. Wie in allen kleineren Ortschaften der Welt beschäftigen
sich auch die Bewohner Sorenis mit dem alltäglichem Gerede
über Recht und Unrecht der Nachbarn. Bewegend, fesselnd
und gut lesbar beschreibt Michela Murgia die Geschichte zwischen
der Schneiderin Bonaria Urrai und ihrer Adoptivtochter Maria
Listru. Die liebevolle Kindheit im neuen Zuhause und die schulische
Förderung der Adoptivmutter machen aus der 6-jährigen
Maria ein intelligentes, reifes Mädchen. Doch ein Geheimnis,
das mit dem Tod zu tun hat, umgibt die stets schwarz gekleidete,
wortkarge Bonaria. Dieses Geheimnis zusammen mit der Aussage
eines Jugendfreundes verändern Marias Leben abrupt. Sie
verlässt Sardinien und geht als Kindermädchen nach
Turin. Der Aufenthalt bei der wohlhabenden Familie endet nach
zwei Jahren durch Missverständnisse und einen unerwarteten
Brief aus Soreni. Maria kehrt nach Sardinien zurück und
pflegt ihre durch einen Schlaganfall bettlägerig gewordene
Adoptivmutter. Am Ende versteht sie, was Bonaria Urrai meinte,
als sie vor ihrer Abreise nach Norditalien erklärte:
“Auch du wirst, wie alle anderen, im Leben Entscheidungen
treffen müssen, die dir nicht gefallen, einfach weil
sie getroffen werden müssen." Ein hervorragendes
Buch in dem es um ein uraltes Thema geht, das auch heute noch
aktuell ist. |
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Marcello
Fois geboren 1960 in Nuoro.
Obwohl der gebürtige Sarde heute auf dem Festland in
Bologna lebt, sind viele seiner Romane auf Sardinien angesiedelt
- und wenn mal nicht, ist die Insel zumindest präsent.
Fois wird heute in Italien und im Ausland als der herausragende
Vertreter des Italienischen Roman Noir gefeiert. Er
hat mehrere Preise gewonnen, u. a. den Literaturpreis "Zerilli-Marimò
Prize for Italian Fiction" für seinen 1998 erschienenen
Kriminalroman Sempre Caro (dt. Tausend Schritte), ein
erster Fall für seinen Helden "Avvocato Bustiano".
Zu seinen in deutscher Sprache veröffentlichten Kriminalromanen
gehören Sangue dal Cielo (dt. Himmelsblut), ein
zweiter Fall für Avvocato Bustianu, Dura Madre
(dt. der Tod wäscht alles rein) und Meglio Morti
(dt. besser tot). |
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Massimo
Carlotto geboren 1956
in Padua. 1976 musste er vor der Polizei flüchten, die
ihn des Mordes für schuldig hielt. In Padua wurde er
in erster Distanz zunächst freigesprochen, in der Berufung
jedoch zu 18 Jahren Haft verurteilt. Am Tag seiner Entlassung
begann sein "zweites" Leben, in dem er dem Schreiben
eine Chance geben wollte. In seinem Roman La verità
dell'alligatore (dt. die Wahrheit des Alligators) erzählt
er von seiner Vergangenheit: von dem Mord, der Verfolgung,
der Verurteilung und von seiner Wahrheit. Es ist der erste
Fall des nicht lizensierten Privatdetekivs Marco Buratti alias
"Alligatore", der mit Unterstützung eines Ganoven
undurchsichtige Fälle auf die etwas andere Art löst
und dank gutem Blues und vielen Flaschen Calvados als besonders
intuitiv und einfühlsam erscheint. Ein weiterer Fall
für den Alligator ist Il Mistero di Mangiabarche
(dt. die schöne und der Alligator). In diesem Fall verschlägt
es den Alligator nach Sardinien, wo er in Calasetta einer
heißen Spur nachgeht. Massimo Carlotto, der heute in
Cagliari lebt und arbeitet, gilt als einer der bedeutesten
italienischen Krimi-Autoren unserer Zeit. |
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Sergio
Atzeni
geboren 1952 in Capoterra bei Cagliari. 1995 wurde der sardische
Schriftsteller, Journalist und Übersetzer auf der Insel
San Pietro von einem Felsen ins Meer gespült. Den dramatischen
Tod erreichte den 42-jährigen zu Beginn seiner Karriere
als Schriftsteller. Im deutschen Nautilus Verlag die Übersetzung
des bekanntesten Werks ,Il figlio di Bakunin' erschienen,
um das es in den 1990-er Jahren einen regelrechten Kult gab.
1997 wurde das Werk verfilmt. Bakunins Sohn, so der
deutsche Titel, ist eine Sammlung von persönlichen Schilderungen
über Tulio Saba, Sohn eines einst reichen Schuhmachers
aus Guspini mit Spitznamen Bakunin. Ein Mensch - hundert Meinungen.
War er nun Anarchist oder Kommunist? Poet und Musiker oder
Weiberheld? Am Ende gar Mörder des Berkwerksdirektors?
Aus vielen Meinungen strickt sich der Leser sein eigenes Bild
von Tulio, der sich zeitlebens in Montevecchio, Guspini, Carbonia,
Cagliari und Neapel herumtreibt. Der Autor erzählt aus
dem Sardinien der 1920-er Jahre und der Mussulini-Zeit, aus
den Bergwerken im Sulcis, von Reichtum und Armut, Arbeit und
Arbeiteraufständen.
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Salvatore
Niffoi geboren 1950 in
Orani. Salvatore Niffoi ist in Italien einer der großen
literarischen Überraschungserfolge der letzten Jahre.
In den Büchern des Lehrers, der auch als Töpfer
und Keramikkünstler tätig ist, finden sich alle
Elemente einträglicher, zeitgenössischer Erzählliteratur.
Obwohl Niffoi zahlreiche sardische Wörter und Themen
der traditionellen Literatur verwendet, gelingt es ihm in
seinen Texten auch immer eine moderne Perspektive zu schaffen.
Er hat mehrere Preise gewonnen, u. a. den Literaturpreis "Premio
Campiello" für seinen 2006 erschienenen Roman La
Vedova Scalza (dt. die barfüßige Witwe).
Die schöne Mintonia versteht die Welt nicht mehr. Sie
haben ihr ihren Mann abgeschlachtet und wie ein Schwein mit
Axthieben zerlegt vor die Tür gelegt. Jetzt ist sie alleine
mit ihrem Schmerz.
In seinem 200 Seiten starken Roman beschreibt Niffoi die Geschichte
der jungen Mintonia aus Taculè, die sich in einer nicht
allzu fernen Zeit Hals über Kopf in den rebellischen
Schafhirten Micheddu verliebt.
Es ist die Zeit zwischen 1915 und 1940 in einem Dorf
der Barbagia, wo an alten Glaubenssätzen festgehalten
wird, Blutrache herrscht und Männer die sich vieler Freundinnen
rühmten, als viril gelten. Gegen den Widerstand der eigenen
Familie heiratet Mintonia ihren Micheddu. Er ist ihre große
Liebe. Und für ihn bringt sie große Opfer: sie
erduldet seine Flucht vor den faschistischen Dorfpolizisten,
sieht über den Klatsch der Dorfgemeinschaft und sein
uneheliches Kind hinweg.
Als sie Micheddu an einem Junimorgen bestialisch ermordet
auffindet, kann sie noch nicht einmal weinen und schmiedet
einen entsetzlichen Racheplan.
Salvatore Niffoi gelingt es mit diesem Buch, dem Leser einen
realistischen Einblick in die raue und archaische Welt Sardiniens
zu geben. Die schonungslosen, doch zugleich sprachgewaltigen
Formulierungen lassen den Leser manchmal erschaudern, doch
nur so kann man wohl eine solche rohe und von festgefahrenen
Verhaltensmustern geprägte Welt wirklichkeitsnah beschreiben.
Das Buch liest sich wie eine Liebestragödie nur in Romanform.
Am Ende ist er tot und sie in einem fernen Land.
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Salvatore
Niffoi Der Zsolnay Verlag
veröffentlichte 2007 seinen Roman La Leggenda
di Redenta Tiria (dt. die Legende von Redenta Tiria)
in deutscher Sprache. In der Erzählung berichtet der
Ich-Erzähler Battista Graminzone von den Schicksalen
der Menschen in einem gottverlassenen Ort der Barbagia
im Inland Sardiniens.
Battista ist Staatsdiener und Führer des Sterberegisters
im fiktiven Abacrasta, einem Dorf, in dem sich die Menschen
unerklärlicherweise reihenweise umbringen. Von einer
geheimnisvollen Stimme gerufen, legen sich die Männer
meist den Gürtel um den Hals, die Frauen nehmen den Strick.
Eines Tages kommt jedoch eine barfüßige Frau mit
langen schwarzen Haaren ins Dorf, Redenta Tiria, der es gelingt
die Lebensmüden von ihren Suizidplänen abzuhalten.
Zu seinen bekanntesten Werken gehören neben La
Vedova Scalza noch Il Postino di Piracherfa
(dt. der Postbote von Piracherfa) und Cristolu. |
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Milena
Agus geboren in Genua. Als
Kind sardischer Eltern lebt die Schriftstellerin heute in
Cagliari auf Sardinien. Hier unterrichtet sie Italienisch
und Geschichte an einem Gymnasium.
Die für ihren Roman Mal di Pietre (dt. die Frau im Mond)
berühmt gewordene Autorin Milena Agus schildert in ihrem
neusten Buch Die Gräfin der Lüfte
(La contessa di ricotta) die Geschichte von drei Schwestern,
die verschiedener nicht hätten sein können. Im Schlossviertel
von Cagliari, der Hauptstadt
von Sardinien, wohnen sie in einem heruntergekommenen
alten Palazzo, der einst gänzlich ihren Vorfahren gehörte.
Jetzt sind die Stockwerke in einzelne Wohnungen aufgeteilt
und nur drei von acht gehören ihnen noch.
Noemi, die Älteste wohnt ganz oben in Nummer acht. Maddalena
ist mit ihrem Mann Salvatore in Wohnung Nummer drei, mit Blick
auf die Gasse untergebracht. Die Contessa, die wegen ihrer
Ungeschicklichkeit, die „Gräfin mit Ricotta-Händen“
genannt wird, hat sich mit ihrem unehelichen Sohn Carlino
im Zwischengeschoss, in der Nummer eins, eingerichtet. Es
ist die schlichteste und einfachste Behausung, denn die Contessa
legt keinen Wert auf Wohlstand. Im Gegenteil, sie verschenkt
noch von dem Wenigen, was sie hat.
In einfacher und schlichter Sprache erzählt die Autorin
von den großen und kleinen Nöten der Schwestern.
Das tägliche Einerlei bestimmt die Handlung, die eine
breite Fülle von lebenswürzenden Themen enthält:
Sex, Liebe, Heirat, Verführung, unerfüllter Kinderwunsch
und Beziehungen. Ohne viele Worte und mit einer hohen Sensibilität
fürs Detail gelingt es Milena Agus ein differenziertes
Bild der agierenden Personen zu erzeugen. Die Grundspannung
ergibt sich aus dem Interesse am Schicksal der Schwestern.
Noemi träumt davon, die veräußerten Wohnungen
des Familienpalastes zurückzukaufen, Maddalena sehnt
sich leidenschaftlich nach einem Kind und die Contessa macht
sich sorgen um ihren fünfjährigen Sohn. Die Suche
der Schwestern nach dem persönlichen Glück wird
schön, aber unspektakulär beschreiben und lässt
den sonstigen Schwung der anderen Romane vermissen. Eine ruhige
Geschichte, die einem wunderbare Einblicke in die Welt des
Alltäglichen ermöglicht und dem Leser zudem wundervoll
romantische Landschaftsbeschreibungen der Insel beschert.
Wer kurzweilige Erzählungen liebt, ist mit diesem Buch
wunderbar bedient, z.B. zum Entspannen im Alltag oder unterwegs
auf der Reise. |
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Milena
Agus 2005 veröffentlicht
sie ihren ersten auf Sardinien spielenden Roman Solange
der Haifisch schläft (Mentre dorme il Pescecane).
Agnese Sevilla Mendoza, Ich-Erzählerin und Hauptfigur
in Milena Agus Debütroman hat ein Verhältnis mit
einem verheirateten Mann, der sie in eine sadomasochistische
Beziehung gedrängt hat. Die Verbindung der Jugendlichen
zu ihrem Liebhaber bildet den Ansatzpunkt, von dem aus die
Autorin die verwobene Geschichte der Familie Sevilla Mendoza
aus Cagliari auf spannende und unterhaltende Weise erzählt.
Mit viel Liebe zum Detail und alles andere als naiv veranschaulicht
Agus Erzählerfigur die vielen Geschichten der verschiedenen
Familienmitglieder: Der Vater fehlt, nicht weil er abgehauen
ist, sondern weil dem Hobby-Idealisten und Entwicklungshelfer
das Elend in Südamerika näher steht als seine Kinder.
Die überängstliche Mutter hat einen heimlichen Verehrer,
der sie aus ihrem jämmerlichen Alltag zum Tangotanzen
verführt. Die lebenslustige Tante strebt danach eine
Familie zu gründen, doch alle Männer nutzen sie
nur aus, um sie dann wieder zu verlassen. Die Oma hofft bei
jedem neuen Verlobte, dass er bald zum Schwiegersohn wird.
Anhand der extremen Zustände und der komplizierten Beziehungskonstellationen
zeigt die Autorin grundlegende Probleme menschlichen Zusammenlebens
auf. Jeder der Charaktere hat eine andere Erwartung an das
Leben. Und das ist nicht einfach, denn es kommt nicht immer
wie man es sich wünscht. Trotz der zuweilen sprachlichen
Brutalität ist der Roman vor allem durch die romantischen
Naturbeschreibungen und die witzige Art, wie die Familienmitglieder
aus der Ich-Perspektive dargestellt werden, sehr ansprechend.
2007 erscheint ihr zweiter Roman Die Frau im Mond
(Mal di Pietre), ein amüsanter und groß
angelegter Liebesroman. Diesmal spielt die Geschichte im Sardinien
der Nachkriegszeit. In einer Hommage an die Großmutter
erzählt die Enkelin deren Suche nach der wahren Liebe.
Von der Familie als verrückt eingeschätzt, weil
ihr alle möglichen Verehrer immer wieder davon laufen,
lässt sich die Großmutter, auch wenn sie ihn nicht
liebt, auf eine Zweckehe mit einem Witwer ein. Der wahren
Liebe, die alle Wünsche erfüllt, begegnet sie erst
Jahre später bei einem Kuraufenthalt. Ein Traum, dem
die Realität jedoch nicht standhält. Milena Agus
hat mehrere Preise gewonnen, unter anderem den Literaturpreis
Premio Junturas 2004 für ihre vor den Romanen veröffentlichten
Kurzgeschichten und den Premio Narrativa 2007 für ihren
Roman Mal di Pietre. |
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Giorgio
Todde geboren 1951 in Cagliari.
Der Schriftsteller Giorgio Todde ist eigentlich Augenarzt
und lebt in Cagliari auf Sardinien. In seinem zweiten Krimi
Das Geheimnis der Nonna Michela (Paura e
Carne) geht es zwar um mysteriöse Mordfälle, doch
ein Krimi im klassischen Sinne ist das Buch von Giorgio Todde
nicht. Bei dem mit viel Ironie und Phantasie erzählten
historischen Sardinien-Krimi handelt es sich vielmehr um einen
gesellschaftskritischen Roman, der die rätselhafte Todesserie
in der Inselhauptstadt Cagliari als Träger anderer Aussagen
verwendet: Im Jahre 1861 wird das Leben der Bewohner der Inselhauptstadt
Cagliari von einem vermeintlichen Mord an einem angesehenen
Advokaten überschattet. Um vom Tode des Anwalts Giovanni
Làconi abzulenken, werden weitere Morde begangen. Verrufene
Gestalten der unteren sozialen Schichten aber bis dahin auch
unbescholtene Personen werden in den Fall verwickelt. Der
Einbalsamierer Efisio Marini steht vor einer großen
Herausforderung: Zum ersten Mal soll er nicht nur Teile eines
Leichnams, sondern den ganzen Körper des vermeintlichen
Mordopfers konservieren. Die Untersuchung der Leiche bringt
jedoch Überraschendes zutage und führt den Phatologen
auf die Spur des Mörders.
Der Arzt und Einbalsamierer Efisio Marini tritt als zynisch-scharfer
Beobachter einer Gesellschaft auf, die längst alle Tabus
gebrochen zu haben scheint. Dem korrekten und aufgeklärten
Phatologhen setzt Todde ein Panoptikum an grotesken, frivolen,
gierigen, durchgeknallten und grausamen Personen gegenüber,
von denen einige nicht vor Mord zurückschrecken. Eine
schäbige Welt in der sich realistische Darstellungen
mit wahnwitzigen Visionen abwechseln und in der alles möglich
zu sein scheint. Ähnlich wie Friedrich Dürrenmatt
offenbart der Autor in seinem Roman die Widersprüchlichkeit
gesellschaftlicher Strukturen. Er vereinbart tragisch-groteske
Elemente und entwirft ein absurdes Sittengemälde einer
archaischen und sich auflösenden sardischen Gesellschaft.
Dies schafft Distanz zum Leser und regt ihn zum eigenständigen
Nachdenken an. Wer literarisch anspruchsvolle Kriminalromane
mag, kommt hier voll und ganz auf seine Kosten.
Mit seinem Debüt-Roman Der Tod der Donna Milena
(Lo Stato delle Anime) beginnt die Krimi-Serie um
seinen Helden, den historisch verbürgten sardischen Arzt
und Einbalsamierer Efisio Marini, der mit der Aufklärung
mysteriöser Todesfälle beschäftigt ist. Muss
er in seinem ersten Fall dem Mörder der verbitterten
Witwe Donna Milena auf die Spur kommen, ist der junge Efisio
im dritten Roman Die Toten Fischer von Cagliari (L’occhiata
Letale) den Mördern des Fischer Tàtano auf der
Spur. Dieser hatte einen Fisch verspeist in dem er einen wertvollen
Ring gefunden hat. Doch die Freude dauert nicht lang, denn
wenig später ist Tàtano tot und der Ring verschwunden.
In der Chronologie seiner historischen Sardinien Krimis um
den Einbalsamierer Efisio Marini scheint Giorgio Todde rückwärts
zu schreiten, den in den drei Romanen begegnet uns jeweils
ein um Jahre verjüngter Efisio. In all seinen Krimis
lässt Todde das Sardinien des 19. Jahrhunderts mit beeindruckender
Lebendigkeit neu erstehen. Giorgio Todde hat in Italien mehrere
Preise gewonnen, 2002 unter anderem den Literaturpreis Premio
"Giuseppe Berto", später den Preis Premio "Regium
Julii". |
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Flavio
Soriga Flavio
Soriga, 1975 in Uta bei Cagliari geboren, gehört zu den
bekanntesten jungen Schreibtalenten aus Sardinien. Der Schriftsteller,
TV-Autor und Journalist, der unter anderem für La
Nuova Sardegna und die linke Tageszeitung L’Unitá
schreibt, hat insgesamt fünf Romane, Krimis und Kurzgeschichtensammlungen
veröffentlicht. Außerdem gehört der Sarde, der zeitweise in
London gelebt hat und heute in Rom wohnt, zu den Organisatoren
zweier Literaturfestivals auf Sardinien, dem Festival Settembre
dei Poeti di Seneghe und dem Festspiel L'Isola delle Storie,
das jedes Jahr im August in Gavoi
stattfindet.
Immer wiederkehrendes Motiv der Werke Sorigas sind die zwiespältigen
Gefühle seiner Generation: Zwischen Tradition und Fortschritt,
zwischen Pflicht und Selbstverwirklichung, selbst das Gefühlschaos
zwischen Hetero- und Homosexualität wird in seinen Werken
thematisiert.
Neben seiner Kurzgeschichten-Sammlung Die
Liebe in London und anderswo (Luchterhand, 2009),
einer farbigen Mischung von Kurzgeschichten aus Rom, der Toskana,
Südamerika und Sardinien, ist in deutscher Sprache auch sein
Roman Der
schwarze Regen (Originaltitel: Neropioggia, ebenfalls
Luchterhand, 2007) erschienen. Der Sardinien-Krimi spielt
in dem imaginären Dorf Nuraiò, einem gottverlassenes Nest
irgendwo auf der Insel. Die attraktive und freizügige Marta,
die sich nicht um das Geflüster und den Dorftratsch schert,
wird eines Tages ermordet aufgefunden. Nach und nach kommt
der Leser auf das wahre Gesicht eines scheinbar ruhigen Dorfes:
Korruption, unterdrückte Leidenschaften und verfehlten Lebensentwürfe.
Soriga erzählt in seiner schonungslosen Milieustudie nicht
nur eine stimmungsvolle Episode eines Verbrechens aus Liebe,
sondern beleuchtet auch die Dynamiken der archaischen Gesellschaft
im Herzen Sardiniens in der heutigen Zeit. Ein weiterer Insel-Roman,
Sardinia
Blues (Bompiani 2009, noch nicht in deutscher
Übersetzung erschienen) erzählt hingegen von einem anderen
Sardinien: Drei Kerls aus dem Hinterland von Cagliari, frisch
von der Uni, verbringen ihre Ferien an der Küste: Voller Leidenschaft
und ohne Perspektiven stolpern sie durch ihren Sommer: Sonne,
Strand und Rockmusik, schöne Frauen, geklaute Blanko-Ausweispapiere,
die sie auf dem Schwarzmarkt vertickern wollen, Ex-Gebliebte,
ein geheimnisvolles Testament, schwule Schäfer und ein überraschendes
Ende, erzählt in einem völlig anderen Stil, belegen die Vielfältigkeit
des jungen sardischen Autors, der mehrere bedeutende Preise
abgeräumt hat: Unter anderem hat er 2000 für seinen Debutroman
„Diavoli di Nuraiò“ den "Premio
Italo Calvino" erhalten und Neropioggia wurde mit dem
Jugendpreis des Premio Grazia Deledda ausgezeichnet. |
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Sergio
Frau 1948 geboren in Rom.
Der Schriftsteller und Journalist arbeitet seit mehr als 30
Jahren als leitender Kulturredakteur bei der italienischen
Tageszeitung „La Repubblica“. Im September 2008 erschien sein
heiß diskutiertes Buch „Le Colonne D’Ercole”
unter dem Titel „Atlantika. Eine detektivische Untersuchung
des antiken Mittelmeerraums“ im Parthas Verlag Berlin
auf Deutsch. Trotz neuer historischer oder geografischer Perspektiven
und Erkenntnisse ist es nicht leicht Überzeugungen und
Gewissheiten anzupassen oder zu korrigieren. Die Säulen
des Herkules? Die stehen bei Gibraltar, das wissen doch alle...
Sergio Fraus Buch ist sicherlich ein untypisches Werk, das
zum Nachdenken anregt. Es verführt den Leser in eine
Welt antiker Geschichten, Legenden und in Vergessenheit geratener
Mythen. Dazu zitiert es aus ungewürdigten und vernachlässigten
klassischen Quellen. Gleichzeitig lädt es ein, die Kenntnisse
der Vergangenheit mit Neugier und Vorurteilsfrei neu zu bewerten.
Lesen Sie unsere Rezension
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