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Atlantika.
Eine detektivische Untersuchung des antiken Mittelmeerraums
Sergio Frau: Atlantikà - Eine
detektivische Untersuchung des antiken Mittelmeerraums,
Parthas Verlag, Berlin, Auflage September 2008.
Die Grundthese des Buches besteht darin, dass die Herkulessäulen,
die die Geschichtsschreibung seit Jahrhunderten kritiklos
und allgemein anerkannt an der Meeresenge von Gibraltar positioniert,
in Wirklichkeit an der Meerenge zwischen Sizilien und Tunesien
zu vermuten sind. Die Meerenge spiegelt auch den so genannten
„Eisernen Vorhang“ zwischen Griechen im östlichen und
den Phöniziern im westlichen Mittelmeer wieder.
Sergio Frau unterstreicht die extreme Wichtigkeit dieses Meeresabschnitts
auf der geopolitischen Werteskala der antiken Welt und belegt
seine These anhand antiker und neuzeitlicher Autoren wie Aristoteles,
Diodor, Herodot, Strabon, Dikaiarchos, und Donadoni, Godard,
Gras sowie Moscati.
Auf der Neupositionierung der Herkulessäulen stützt
sich auch die zweite wichtige Erkenntnis: Sardinien befindet
sich plötzlich hinter den Säulen. Dies führt
zu einer Neuinterpretation des durch Platon beschriebenen
Mythos der Insel Atlantis, die auf einmal mit Sardinien gleichzusetzen
ist. Der griechische Philosoph berichtet in seinen Dialogen
von dem ägyptischen Priester Kritia, der Solone von einem
antiken Volk auf der Insel Atlantis erzählt, hinter den
Herkulessäulen, ein Volk, dass kurz davor war, ganz Europa
zu erobern und auf mysteriöse Art und Weise im Meer versunken
sei. Die Untersuchung Sergio Fraus hat sicherlich dazu beigetragen,
die Wichtigkeit der Insel Sardinien im historischen Kontext
neu zu bewerten, und ihre grundlegende Rolle im 2. Jahrtausend
vor Christ neu einzuordnen.
Die Insellandschaft ist noch heute von imposanten und beeindruckenden
Nuraghen geprägt, die keine Ähnlichkeiten mit anderen
Kulturen des Mittelmeerraums aufweisen. Ihre strategische
Position zur Verteidigung der Küsten, Verbindungswege
und Erzminen lassen die antike Insel „Ichnussa“ als stark
kontrolliertes Gebiet erscheinen.
Das antike sardische Volk der Nuraghen gibt noch heute viele
Rätsel auf. Erst in den letzten Jahrzehnten hat die Archäologie
systematische Untersuchungen durchgeführt, um die historische
Dynamik besser einschätzen zu können. Es bleibt
jedoch noch viel, sehr viel zu tun, da noch viele Aspekte
auf Erklärungen warten.
Häufig hat man gehört, Sarden wären keine Seeleute.
Und trotzdem sind heute immer mehr Archäologen davon
überzeugt, dass die Sarden als Schardaner zum Kreis der
antiken Seevölker zählten. Diese These wirft jedoch
weitere Fragen auf: Warum fuhren sie plötzlich nicht
mehr zur See? Warum verließen sie die Küsten und
verbargen sich im Inselinnern? Warum treten die Schardaner,
die gegen die Soldaten des Pharaos kämpfen, in den ägyptischen
Darstellungen in Medinet Habu jedoch mit Karren, Frauen und
Kindern auf?
Dieses Buch ist in der Tat außergewöhnlich, reich
an Details und Ergebnis einer jahrelangen Recherche. Es verfolgt
eine ernstzunehmende Theorie mit gut belegten Argumenten und
Quellen, die dazu geführt haben, dass mittlerweile auch
auf akademischer Ebene einige als unangreifbar eingestufte
Überzeugungen in Frage gestellt werden.
Die verblüffenden und gleichzeitig faszinierenden Thesen
werden heiß diskutiert und sind 2005 von der französischen
UNESCO-Kommission anerkannt worden.
Azedine Beschaouch, einer der wichtigsten Archäologen
des Mittelmeerraums und UNESCO-Ratsmitglied sagt zu diesem
Thema: „Man kann heute keine Untersuchung mehr durchführen,
ohne dieses Buch zu berücksichtigen“.
Rezension: Sascha Stein
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