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Cuncordu e Tenores de
Orosei
Vico Nazionale, 10/1 - 08028 Orosei
E-Mail: cuncurdu.orosei@tiscali.it
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Das
Ensemble „Cuncordu e Tenores de Orosei“ gehört zu den bekanntesten
und international geschätzten Vertretern der traditionellen
sardischen Vokalmusik. Ihr Repertoire reicht von weltlichen Melodien
(a tenore) bis hin zu sakralen Klängen (a cuncordu). Die fünf
Stimmakrobaten waren mit ihrem Gesang schon auf zahlreichen internationalen
Festivals vertreten und haben mehrere CDs veröffentlicht. Wir
haben mit dem Bandleader der Cunconrdu e Tenores de Orosei, Patrizio
Mura im Rahmen des A-Cappella Festivals 2004 in Leipzig über
seine Musik und die sardische Tradition und Sprache gesprochen.
Sardinien.com: Was bedeutet ihre Musik für Sie?
Mura: Das ist nicht unsere Musik. Wir sind nicht die Eigentümer
der Tradition, wir sind nur ihr Botschafter. In der Karwoche singen
wir jeden Tag in Orosei und das ganze Dorf singt mit. Auch die Alten
aus dem Dorf sind dabei- und selbst wenn Sie nicht mehr alle Töne
treffen sind es doch auch ihre Lieder- die Lieder des sardischen
Volkes. Kommen Sie doch zur nächsten Karwoche nach Orosei und
Sie sind herzlich eingeladen mit zu singen! Für mich spielt
die Musik aber eine ganz besondere Rolle in meinem Leben - ich singe
auch alleine: morgens wenn ich aufstehe, unter der Dusche, im Auto:
wenn ich singe kommen mir manchmal sogar die Tränen, wenn ich
über meine Mutter, meine Heimat und die Schönheit der
Natur singe
Sardinien.com: Für Sie ist die Tradition also sehr wichtig.
Finden Sie dass die alten Traditionen unter dem Tourismus auf Sardinien
leiden?
Mura: Nein, es sind nicht die Touristen, die unsere Kultur
schädigen, es sind wir Sarden selbst. Als ich vor 25 Jahren
mit der Musik begonnen habe, haben damals schon Leute in meinem
Alter gesagt: Warum beschäftigst du dich mit diesem alten Dingen?
Die Leute geben ihrer Kultur keinen Wert mehr. Viele können
noch nicht einmal mehr richtig sardisch, sprechen italienisch, englisch,
französisch oder sogar chinesisch oder japanisch. Aber wo bleibt
die Sprache ihrer Heimat?
Sardinien.com: Bis auf die geistigen Gesänge in lateinischer
Sprache singt ihr im Chor nur auf Sardisch.
Mura: Ja, weil das Sardische eine ehrliche Sprache ist. Wenn
du jemandem etwas auf italienisch sagst, dann kann er dir die Worte
im Mund herum drehen oder du kannst behaupten: das habe ich so aber
nicht gesagt. Hast du aber was auf Sardisch gesagt dann musst du
zu deinem Wort stehen.
Sardinien.com: Während des Konzerts hattet ihr eine
Flasche Wein auf der Bühne stehen. Schlägt das nicht auf
die Stimme?
Mura: Nein, heute war uns einfach danach. Wir wollen in unseren
Konzerten nicht nur unsere Musik rüberbringen, sondern unsere
Lebensart. Für uns ist ein Konzert wie eine Party, wir wollen
eine Einheit mit dem Publikum sein, mit Freunden Spaß haben.
Wir haben hier in Leipzig für das DeutschlandRadio Berlin ein
paar Stücke mit einem bulgarischen und einem deutschen Chor
aufgenommen. Das war eine tolle Erfahrung. Auf einem Festival auf
Korsika haben wir einmal ein Ensemble aus der Mongolei getroffen.
Unglaublich, aber im fernen Asien findet man ganz ähnliche
Klänge wie bei uns mitten im Mittelmeer. Nur mit dem Unterschied
dass die Bass- und Akkordstimmen dort im Solo und bei uns in der
Gruppe gesungen werden. Das hat uns schon sehr beeindruckt.
Sardinien.com: Gebt ihr viele Konzerte im Ausland?
Mura: Wir hatten schon viele Auftritte außerhalb Sardiniens
und viele davon in Deutschland: München, Stuttgart, Karlsruhe
oder Frankfurt am Main. Unser Problem ist nur das Hinkommen. Aber
jetzt mit den neuen Billigfliegern, die Sardinien ansteuern, kommen
wir auch leichter mal weg. Das ist eine tolle Sache, weil wir uns
als Botschafter unserer Kultur verstehen.
Interview und Foto: Timo Gerd Lutz
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