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Kunst
aus San Sperate - Präsentation von Künstlern aus dem Museumsdorf.
Wir zeigen Ihnen zum Beispiel:

Pablo Volta im
Gespräch mit der Sardinien.com-Redaktion

Foto: Nicole
Isabelle Künstle


Ausstellung zur
Bildbandveröffentlichung (La Sardegna come l’Odissea)
in Nuoro


Volta Freund
Pinuccio Sciola aus San Sperate
Pablo Volta
09026 San Sperate (CA)
E-Mail: pablovolta@tiscali.it
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Pablo Volta ist einer der italienischen Fotografen, der auf hohem
Niveau über viele Jahre erfolgreich ist. Der italo-argentinische
Reporter aus Buones Aires kehrte 1932 nach Italien zurück und
hat Haltung und Gesicht der neuen italienischen Fotografie entschieden
mitgeprägt. Mit seinen Fotoreportagen der 1950er und 1960er
Jahre über Unterdrückung und Wiederstand in den Dörfern
der Barbagia
auf Sardinien hat er Maßstäbe jenseits von Tradition
und Moderne gesetzt. Pablo Volta lebt seit 1987 auf Sardinien in
San Sperate.
Sardinien.com: Herr Volta Sie sind in Buenos
Aires in Argentinien geboren. Würden Sie sagen, dass die Tatsache,
dass Sie dort die ersten Lebensjahre verbracht haben, einen Einfluss
auf Ihre Fotografie hatte und wenn ja welchen?
Pablo Volta: Nein, eigentlich nicht. Meine Eltern zogen schon
1932 wieder nach Italien, da war ich erst sieben. In Erinnerung
ist mir der argentinische Tango geblieben. Ich war hingerissen von
der Musik, der Eleganz der Bewegungen, der Innigkeit. Der Tango
beinhaltet alles und durch den menschlichen Ausdruck wird er zur
Kunstform.
Sardinien.com: Wann haben Sie angefangen sich mit Fotografie
zu beschäftigen? Welche Ausbildung haben Sie absolviert?
Pablo Volta: Zur Fotografie kam ich durch meinen Vater, der
Kriegskorrespondent für die italienische Zeitung „Corriere
della Sera“ war. 1949 war er als Journalist in Berlin tätig.
Wir erreichten die deutsche Hauptstadt mit einem amerikanischen
Flieger der Air Force voller Kohlen und Kartoffeln für die
westberliner Bevölkerung. Nach der Blockade der westlichen
Sektoren Berlins durch die Sowjetunion versorgten nämlich Transportflugzeuge
über eine Luftbrücke die dort ansässigen Einwohner.
Auf dem Schwarzmark habe ich dann meine erste Kamera, eine Contax,
ersteigert – oder besser getauscht, gegen Kondensmilch und Zigaretten.
Noch im gleichen Jahr absolvierte ich einen Fotokurs bei den US-Militärs
und begann meine ersten Fotos in Berlin zu schießen. Kurze
Zeit später kehrten wir nach Italien zurück. Zusammen
mit den Fotografen Franco Pinna, Plinio De Martis, Mario Garruba
und Nicola Sansone gründeten wir 1951 die erste italienische
Kooperative für Fotografie „Fotografi Associati“ in Rom. Wir
hatten es uns zum Ziel gemacht, fotografische Themen gemeinsam zu
erarbeiten und umzusetzen. Wir fotografierten Berühmtheiten,
insbesondere Stars des Films und beschäftigten uns mit "Cronaca
Nera" (Verbrechen und Polizeiberichten). Später arbeitete
ich viele Jahre als Berichterstatter für die italienische Fernsehagentur
RAI in Paris.
Sardinien.com: Die Fotografie ist ein in verschiedenen
Bereichen eingesetztes Medium. Ihre Bilder haben einen vorwiegend
künstlerischen Charakter. Wie sehen sie ihre Fotografien?
Pablo Volta: Ich versuche immer meine ganz eigene Sichtweise
auszudrücken. Mit der Kamera dokumentiere ich den Augenblick.
Meine Fotografien halten diesen Moment fest – stoppen in quasi.
Über längere Zeiträume lassen sich dadurch Entwicklungsprozesse
fotografisch festlegen.
Sardinien.com: Sie sind 1954 auf Grund einer Neuauflage
des Bildbandes "Inchiesta su Orgosolo" (Anm. Die Banditen
von Orgosolo – Porträt eines sardischen Dorfes) von Franco
Cagnetta zum ersten Mal nach Sardinien gereist. Bei Ihrern Fotoreportagen
über die sogenannten Banditendörfer der Barbagia haben
Sie sich vorwiegend für die Schwarzweißfotografie entschieden.
Warum? Welches Italien haben Sie gesehen?
Pablo Volta: Ja, 1954 reiste ich mit Franco Cagnetta zum
ersten Mal nach Sardinien. Er sammelte Material für sein Buch,
das ich illustrieren sollte. Wir fuhren nach Orgosolo ins Gebiet
des Supramonte, einem Gebirgszug im Inland. Für seine Untersuchungen
hatte er sich das 3000 – 4000 Einwohner zählende Dorf ausgesucht,
da Banditenkriege, Rebellion gegen die Staatsgewalt, Überfälle
und Viehdiebstahl in dieser Region an der Tagesordnung waren. Zur
Zeit unseres Aufenthaltes stationierten in Orgosolo an die 1000
Polizisten und Militärs. Ich erlebte eine Welt, von der eine
so ungewöhnliche Faszination ausging – ein vollkommen anderes
Italien, das ich so gar nicht kannte: Archaisch und würdevoll.
Es entstanden Dokumentations-, Landschafts- und Portraitaufnahmen
in Schwarzweiß. Für die Schwarzweiß-Fotografie
habe ich mich entschieden, da man mit ihr mehr plastische Tiefe
und Schärfe erzielt – in ihr zeichnet sich jede Einzelheit
plastisch ab, während die Farbfotografie das Bild banalisiert.
Sardinien.com: Der italienische Verlag Ilisso hat Ihnen
2007 den Bildband "La Sardegna come l’Odissea" (Anm. Sardinien
wie die Odyssee) gewidmet. Ist Sardinien Ihr Ithaka?
Pablo Volta: Ja, das kann man so sagen. Sardinien ist zu
meiner Heimat geworden. Ich fühle mich hier wohl. Nach meinem
ersten Besuch mit Franco Cagnetta bin ich schon im Jahr darauf für
zwei Monate wieder auf die Insel gereist. Ich habe die archaische
Atmosphäre genossen, die Schlichtheit und die Schönheit
der alltäglichen Handlungen. Nachdem ich regelmäßig
ein bis zwei Monate auf Sardinien verbracht hatte, erschien 1957
meine erste Bildreportage zum sardischen
Karneval in Mamoiada. Im Gebiet des Supramonte steht der Karneval
in direktem Bezug zum Alltag, zu den Lebensbedingungen der Bauern
und Hirten, zur Natur. (Anm. Die Mamuthones, mit Tierfellen,
Viehglocken und schaurigen Holzmasken bekleidet, sind die berühmten
Karnevalsmasken aus Mamoiada.) Aufgrund von Verpflichtungen
- meine Arbeit als Berichterstatter für die italienische Fernsehagentur
RAI hatte mich Ende der 1950er Jahre nach Paris verschlagen - kam
ich erst Mitte der 1970er Jahre wieder nach Sardinien, dann aber
regelmäßig alle Jahre einmal, bis ich 1987 in San Sperate
heimisch wurde. In den 1970er Jahren lernte ich in Orgosolo
den aus Siena stammenden Kunstlehrer Francesco Del Casino und dessen
ausdrucksstarken Wandmalereien kennen. Mich beeindruckte die
Aussagekraft der Murales, die ich z u fotografieren begann.
Sardinien.com: Was hat Sie nach San Sperate gezogen?
Welchen Einfluss hat das Museumsdorf und die Nachbarschaft zum berühmtesten
Bildhauers Sardinien (Anm. Pinuccio Sciola) auf ihre Fotografie?
Pablo Volta: Nun, ich hatte von den Wandmalereien
in San Sperate gehört und wollte auch diese fotografieren.
Bei dieser Gelegenheit lernte ich Pinuccio
Sciola kennen, mit dem mich bis heute eine große Freundschaft
verbindet. Einen direkten Einfluss auf meine Fotografie? Nein, das
eher nicht. Mein Eindruck aber ist, dass San Sperate im Laufe der
Jahre im vergleich zu anderen Ortschaften wenig von seiner Atmosphäre
und Authentizität eingebüßt hat. Das gilt auch für
die Menschen und ist typisch für kleine Ansiedlungen. Keine
Frage, der Lauf der Zeit überformt und verändert und vieles
verliert seine Symbolik und seine ursprüngliche Bedeutung,
das stürzte mich jahrelang in eine Schaffenskrise. Dörfer
wie San Sperate haben ihre Riten und Bräuche, die ich so gerne
in Szene setze, erhalten. Sie geben Einblicke in das ländliche
Leben, Arbeiten und Feiern der Menschen, entführen in eine
längst vergangene, aber trotzdem authentische, Welt. Glauben
wie Fotografieren erfordert Leidenschaft und Hingabe und die habe
ich 2005 in San Sperate beim Fest zu Ehren des Heiligen Johannes
wiedergefunden.
Sardinien.com: Welche Pläne haben Sie für die
Zukunft? Was für eine Welt wird uns ihre Kamera in Zukunft
zeigen?
Pablo Volta: Im Moment arbeite ich an einer Ausstellung.
Die Schau nennt sich „50 anni di feste popolari in Sardegna“ und
gibt einen Überblick über die sardischen Volksfeste seit
den 1950er Jahren bis heute. Ein weiteres Projekt, das mir sehr
am Herzen liegt, ist eine Videodokumentation aus Fotografien, die
sich „Demolizione Z“ nennt und den Abriss der Zuckerfabrik in Villasor
zeigt. Die Zuckerraffinerie beschäftigte bis vor wenigen Jahren
einen Grossteil der Bevölkerung der Region Campidano. Daneben
spiele ich in Villasor im avantgardistischen Theater „Fuedde e Gestu“
auch einmal in der Woche den Szenenfotografen. Zu meinen kurzfristigen
Plänen gehört ebenfalls ein Bildband über den berühmtesten
Bildhauer und Maler von San Sperate, Pinuccio Sciola.
Interview: Andrea Behrmann
Interview vom 17. Juli 2008
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