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Sardinien.com:
Und was hat Sie dann schließlich bewogen, mit den Ausgrabungsarbeiten
auf dem Hügel an der Strasse nach Tuili zu beginnen?
Lilliu: Eine Sache war mir aufgefallen. Ein Brunnen markierte die
baumlose Hügelkuppe. Das reizte mich. Da musste etwas darunter
sein. Vielleicht ein stratifiziertes Dorf. So begann ich Anfang
der 50er Jahre mit den Ausgrabungsarbeiten, die etwa 10 Jahre dauern
sollten.

Sardinien.com: Die Sarden nennen die megalithischen Festungen
von denen zwischen 1500 und 1200 v. Chr. etwa 7000 bis 8000 entstanden
und noch heute relativ gut erhalten sind Nuraghen. Wo entstanden
sie und wozu dienten sie?
Lilliu: Diese Rundtürme entstanden überall auf
Sardinien. Sie liegen oft an Orten von denen aus man das Gebiet
beherrschen kann: an der Küste, auf Bergen, an Flussübergängen
oder Pässen. Die Mauern der Türme sind aus schweren Blöcken
von Kalkstein, Basalt oder Granit, eben aus Steinen die die Gegend
hergab. Je dichter die Nuraghen beieinander liegen, desto höher
ist die Qualität des Gesteins. Es gibt "einfache"
Nuraghen, die als Wachtürme dienten, um das Land und die Herde
zu schützen und "komplexe" Nuraghen, die als Wohnungen
der Hirtenstämme und in Gefahrenfällen zugleich zur Verteidigung
dienten. Die größeren Nuraghen konnten an die 200 Krieger
mit Familie aufnehmen.
Sardinien.com: Ihr Schüler Giovanni Ugas ist der Ansicht,
dass es sich bei den Nuraghiern nicht um kriegerische Hirtenstämme
handelt, die auf Sardinien Fuß fassten, sondern um die geheimnisvollen
und fürchterlichen Shardana (ein Seevolk), die zwischen 1300
und 1100 v. Chr. den gesamten Mittelmeerraum zu ihrer Beute machten.
Sehen Sie das auch so?
Lilliu: Nein. Seine These baut ja vor allem auf die im Nahen
Osten entdeckten und den Nuraghen technisch ähnlichen Rundbauten
auf, insbesondere auf das in El-Awat bei Haifa entdeckte Gebäude.
Es mag sein, dass die Anlage architektonisch einem Nuraghen ähnelt,
doch ist zu beachten, dass nicht nur die Nuraghier eine Vorliebe
für kreisförmige Anlagen oder Rundtürme zeigten.
Architektonische Abwandlungen dieses konischen Kegels aus gewaltigen
Blöcken mit Kuppelräumen lassen sich auf der ganzen Welt
finden. Es gibt keine Beweise für seine Argumente.
Sardinien.com: Nun hat die Unesco den von Ihnen entdeckten
Nuraghen-Komplex "Su Nuraxi" in die Liste der World Heritages
(Weltkulturerbe) eingetragen. Was halten Sie davon?
Lilliu: Ich fühle mich geehrt und bin froh über
mein Werk. Es ist nicht jedem Archäologen vergönnt, dass
ihm seine Arbeit ein solch bedeutsames Zeugnis schenkt.
Sardinien.com: Herr Lilliu, wir danken Ihnen für das
Gespräch.
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über "Su Nuraxi"
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