Immer
wieder Kunst! Was gibt es Besonderes zu sehen? Wir zeigen Ihnen zum
Beispiel:

Muralismo - Wandmalerei
Murales - Wandbild
Muro - Mauer
Facciata - Fassade
Roccia - Fels
Pittore - Maler
Protesta - Protest
Resistenza - Widerstand
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Selten hatte die Kunst so viel Methode. Seine Wandbilder rebellierten
gegen die Industrie-Ansiedlung, gegen Militarisierung, kämpften
für Gerechtigkeit und ein Menschenwürdiges Leben. Entschlossen,
abgeklärt und engagiert war der Maler und Bildhauer Pinuccio
Sciola, als er Ende der sechziger Jahre die Bewohner des Dorfes
San
Sperate zu dieser auf Sardinien einst so berühmten, umstrittenen
und provokatorischen Malerei anregte.
Als 1968 die ersten „Murales“ unter seiner Leitung entstanden, funktionierte
er sein Heimatdorf zur Galerie um.

In den Bilder zeichneten sich die großen Themen des sardischen
„Muralismo“ ab: die Geschichte Sardiniens, die bäuerliche Kultur,
die enge Bindung der Bevölkerung an Acker- und Weideland, die
Alltäglichkeit, die Überlieferungen und Bräuche.
Die sozial engagierte Malerei wies auf eine leidenschaftliche Anteilnahme
am menschlichen Schicksal in ihren historischen, ethischen und kulturellen
Gegebenheiten hin.
In den ersten „Murales“ sieht man nicht das Schöne, sondern
das Aufbegehrende gegen die herrschende Ordnung, den verbitterten
Zorn der Sarden. Nicht das Wohlgefällige war den Malern damals
wichtig, sondern die Lebenssituation der Inselbewohner. Und die
sah damals in ihren Augen nicht gerade rosig aus! Verbittert und
mit Schärfe versuchten zunächst Laienmaler, später
auch professionelle Maler zu einem neuen Bewusstsein zu gelangen.
In den 1970er Jahren griff der „Muralismo“ auf das Dorf Orgosolo
in der Barbagia-Region über. Hier machten die „Murales“ der
ersten Stunde einer nicht mehr nur sozial sondern auch politisch
engagierteren und aufständischen Wandmalerei Platz. Insbesondere
in Orgosolo brachten die Laienmaler mehr Entschlossenheit in ihre
Bilder. Ahnen ließ sich schon damals, dass diese Bilder der
konservativen Regierung keine Freude machen durften.
Mit der Zeit verblassten die Murales oder sie wurden durch die Witterungsverhältnisse
zerstört. In San
Sperate werden die verblassten Bilder einfach durch neue Murales
ersetzt, in Orgosolo hat man hingegen versucht sich für die
Restaurierung insbesondere der ältesten spontanen Kunstwerke
stark zu machen.
Text: Andrea Behrmann, Fotos: Nicole Isabella
Künstle
Letztes Update: 7. Dezember 2007
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