Immer
wieder Kunst! Was gibt es Besonderes zu sehen? Wir zeigen Ihnen zum
Beispiel:
Wie
sieht sie aus, die Frau der Zukunft? Herr Pilia hat eine ganz eigene
Vorstellung: Groß und stark, eine Göttin der Lüfte
und des Lichtes, die es zu bewachen gilt
Giardino - Garten
Fantastico- Phantastisch
Scultura - Skulptur
Disegno - Bild
Donna - Frau
Vita - Leben
Cielo - Himmel
Universo - Universum

Dieses
Werk entstand kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001
in New York
Im Mittelpunkt von Herrn Pilias Werk stehen die Frau und das Universum
mit ihrer Gabe Leben zu schenken
Früher hat ein Hahnenschrei ausgereicht, um einen Schläfer
zu wecken. Heute leben die Menschen nicht mehr im Einklang mit der
Natur
Giardino
Fantastico di Fiorenzo Pilia
Strada da San Sperate a Decimomannu
Telefon: +39/070/9601284
Handy: +39/339/6677867
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Am Eingang zum Garten steht ein riesiger hellblauer Hut aus
Kunstharz, unter dem, wie am Drehkranz eines Kettenkarussell, zahlreiche
schwingende Sitzgelegenheiten hängen. Still verharrt ein riesiger
Hahn unter dem Hut. Das fand ich sonderbar, trat neugierig näher
und hörte Herrn Pilia sagen: “Der Hut stellt den Himmel dar.
Hier entsteht Leben, denn irgendwann und irgendwie begannen leblose
Moleküle im Universum plötzlich zu existieren. Deshalb
gleicht der Weltraum auch der Frau – beide gebären Leben.“
Der Eingang zum Giardino Fantastico, dem phantastischen Garten im
Süden von Sardinien, führt durch ein bunt geschmücktes
Eisentor am Ortsende von San
Sperate.

Das
Eingangstor zum Giardino Fantastico in San Sperate. Der wunderbar
verrückte Garten zeigt phantastische Kunstfiguren und Skulpturen
Das Tor steht an der Straße in Richtung Decimomannu, knapp
einen Kilometer vom Museumsdorf
entfernt. Seit 1993 arbeitet Fiorenzo Pilia, Jahrgang 1933, jeden
Tag von morgens bis abends in seinem Wundergarten und entwirft gigantische,
phantastische, experimentell, aber auch enorm provokativ erscheinende
Skulpturen und Figuren.
Demonstrativ, herausfordernd, umfangreich, bisweilen sogar episch
mutet ein Rundgang durch den 4000 Quadratmeter großen verwunschenen
Garten an: Man trifft auf den Papst, die Frau der Zukunft, die Erde,
das Universum, den Sternenhimmel, ein Flugzeug mit Wildschweinschnauze,
einen der beiden Zwillingstürme des World Trade Centers und
eine gigantische Frau mit gespreizten Beinen, die jede Aufmerksamkeit
auf sich zieht.

Die
neuste gigantische Skulptur des Herrn Pilia. Sie thematisiert das
Leben der Bauern und Landwirte
Herr Pilia langweilt sich nie, er ist Kopf, Chef und Begleiter
zugleich. Er übernimmt die Führung und antwortet auf all
die Fragen, die der phantastische Garten aufwirft. Ich kann nur
staunen über seine Kreativität und ihn bewundern. Fragt
man ihn nach seiner Ausbildung und Schule, lächelt er verschmitzt:
„Ich bin mir selbst ein Rätsel“, beteuert er. „Ich bin kaum
zur Schule gegangen und habe auch keine künstlerische Ausbildung
genossen. Vor 17 Jahren bin ich eines Tages aufgewacht und habe
mich mit Hingabe und Leidenschaft an meine ersten Skulpturen gemacht.
Ich glaube es war göttliche Fügung.“
Seitdem nimmt er die Aufgabe seine Mitmenschen wachrütteln
zu wollen sehr ernst. „Wir dürfen uns nichts aneignen, denn
wir sind nur auf der Durchreise. Egoismus, Gier und Macht sind keine
guten Werte, sie fressen uns auf und zerstören die Welt.“,
beteuert er aufrichtig besorgt. „Ich bin ein Bürger dieser
Welt und möchte, dass sich die Menschen verändern - verbessern.
Meine Kunst soll sie aufrütteln."
Für seine Arbeiten bedient er sich aus dem Fundus der Abfall-
bzw. Ausschussmaterialien und Produktionsreste. “Ich sehe nicht
ein, weshalb ich die alten Gartenrohre, weggeworfenen Kabelkanäle,
Drähte und Radteile, Haushaltshelfer und das alte Gerümpel
nicht ebenso gut als Material für meine Kunstfiguren verwenden
kann wie neu hergestellte Werkstoffe” erklärt er. “Neu sind
nur die Gitternetze die den Skulpturen Struktur und Halt geben.”
Die
begehbare Frauenskulptur mit gespreizten Beinen enthüllt in
ihrem Leib das Rätsel um den ewigen Lebenszyklus
Unterdessen folge ich Herrn Pilia in das Innere einer gigantischen
Frauenskulptur. Sie ist rosa, hat halblanges, schwarzes, sträniges
Haar und große Brüste. Auf ihrem linken Fuß sitzt
eine fröhlich drein blickende Familie. Zwischen ihren gespreizten
Beinen liegt die Tür zu ihrem Leib. In ihrem Bauch begegne
ich dem ewigen Lebenszyklus. Zwischen Herz, Lunge, Nieren und Leber
hat Herr Pilia minutiös den Entwicklungsgang der Menschen dargestellt:
Der Zyklus beginnt mit der Befruchtung der Eizelle geht über
die verschiedenen Entwicklungsstadien vom Kind bis zum Erwachsenen
und endet mit dem Tod.
Rundreise
Cagliari und das Campidano - die ehemalige Kornkammer der Insel
auf einer größeren Karte anzeigen
Im Leib der hünenhaften Frau endet leider auch der kleine Rundgang
durch diesen wunderbar verrückten Garten, der phantastischer
erscheint als die Wirklichkeit. Nur wiederwillig verlasse ich Herrn
Pilia, der mit noch verrät, dass er im Moment am Mann zur Frau
arbeitet. „Ich weiß nur noch nicht wie lange es dauert, bis
ich ihn fertig kriege“, teilt er mir mit. Ich bin gespannt!
Text: Andrea Behrmann, Fotos: Paolo Succu.
Zuletzt aktualisiert: 7. Juni 2010
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