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Eigentlich ist Ubaldo Soddu Maurer. Doch wenn Mitte Juli die Reitspiele
in Ovodda stattfinden wird er Kunststück-Reiter. In dem kleinen
Ort der Barbagia lernen schon zehnjährige Kinder (freilich
nur Jungen) die Kunst der „Pariglie“: Gruppen- und Einzelfiguren
auf einem galoppierenden Pferd. Für den siebenundzwanzigjährigen
ist das Reiten deshalb auch mehr als nur eine Form der Fortbewegung
oder der körperlichen Betätigung: Reiten ist für
ihn gleichermaßen Ausdruck von Geschicklichkeit, große
Bewegungsausgeglichenheit, Feinfühligkeit und Mut. Nicht umsonst
weisen Reiter wie Ubaldo günstige körperbauliche Voraussetzungen
und eine beherrschte, zielgerichtete Motorik auf. Die Pariglie erfordern
jedoch nicht nur jede Menge Geschick, Übung und Erfahrung,
sondern auch absolutes Vertrauen zwischen Reitern und Pferd. Ein
Pariglie-Pferd muss deshalb gleichermaßen feinfühlig,
temperamentvoll, kooperationsbereit und nervenstark sein, das erleichtert
akrobatische Übungen auch auf abschüssigen und kurvigen
Bahnen.
Ubaldo Soddu beim
Probedurchlauf
Video
Clip Rassegna
delle Pariglie in Ovodda
Die vielseitigen und überaus ästhetischen Pariglie finden
alljährlich im grünen Wäldchen „Creizzo“, keine fünf
Kilometer vom Ort entfernt, statt. Eine nicht gradlinige und nur
sehr kurze (etwa 400 mt) Rennbahn bestimmt Rennrhythmus und Schwierigkeitsgrad
des Reitspiels. Jedes Jahr messen sich hier zwanzig Reitergruppen
aus den umliegenden Dörfern, erklärt Ubaldo, und jede
versucht natürlich besondere Fertigkeiten im Umgang mit den
Pferden sowie im turnerischen Bereich zu zeigen. Die Übungen
heißen „Ponte“, „Verticale“ oder „Terra Cavallo Terra“ und
bringen neben Farbe viel Spannung in den Wettkampf. Bei der „Brücke“
bildet der Körper eines Reiters beispielsweise eine Gerade
zwischen seinen zwei Partnern, beim „Handstand“ wird nach dem Aufhocken
der Oberkörper Kopfüber bis zur Senkrechten aufgerichtet,
während beim „Terra Cavallo Terra“ ein beidbeiniger Ab- und
Aufsprung erfolgt. Doch der Phantasie jeder Reitergruppe sind keine
Grenzen gesetzt, daher ergeben sich noch verschiedene andere Figuren
und Kombinationen. Die Regelung der Pariglie innerhalb der Associazione
Ippica Ovoddese sieht vor, dass eine Gruppe sich maximal aus fünf
Reitern zusammensetzen darf. Zugelassen sind Reiter erst ab sechzehn
Jahren. Die Ermittlung des Gewinnergruppe erfolgt über Qualifikationswertnoten.
Hierfür muss jede Gruppe insgesamt fünf mal reiten, doch
nur drei Durchgänge werden bewertet.
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