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Ostern ist das höchste kirchliche Fest im Jahr. Die Sarden
nennen Ostern "Sa Pasca Manna" (das große
Osterfest) während Weihnachten nur "Paschixedda"
(das kleine Osterfest) genannt wird.
Die Tradition der "Settimana Santa" (Karwoche) geht schon
auf das 16. Jahrhundert zurück. Die katholische Kirche beschloss
damals, der Bevölkerung die Passion Christi auf eine verständliche
und zugleich eindrucksvolle Weise nahe zu bringen.

Passionprozession
im Schlossviertel von Cagliari am Gründonnerstag
Auf Sardinien beginnen die Osterfeierlichkeiten am Palmsonntag,
dauern die Karwoche über an, und erreichen ihren Höhepunkt
am Ostersonntag. Im Mittelpunkt der sardischen Osterbräuche
stehen neben dem Montag
der Karwoche und dem Gründonnerstag der Karfreitag und
vor allem der Ostersonntag. Hier spielen dann Prozessionen, Wortgottesdienste,
Chorgesänge, Fackelumzüge und Darstellungen der Passion
Christi eine wichtige Rolle.
Am Gründonnerstag, aber auch am Freitag werden in allen Dörfern
und Städten Stationen des Leidens und Sterbens Jesu nachempfunden.
Es handelt sich um alte Riten, bei denen Glaube und Tradition sich
vermischen. Den Passionsumzügen schließen sich Sängergruppen
an die in Chorälen ihr Leid klagen. Der Weg Jesu wird für
alle die ihn begleiten, zu einem langwierigen Lernweg, der gekennzeichnet
ist durch Licht und Schatten.
Die
Prozession "Su Desclavement" (die Abnahme vom Kreuz) in
Alghero
So traurig und schmerzvoll die Feier vom Leiden und Sterben Christi
am Abend des Karfreitags begangen wird, so prachtvoll und fröhlich
geht es deshalb bei der Auferstehungsmesse und der „Incontru-Prozession“
am Ostersonntag zu. Am ersten Osterfeiertag wird die Freunde über
die Auferstehung Christi gemeinschaftlich zum Ausdruck gebracht:
Die Hoffnungslosigkeit ist vorbei und das Leben hat wieder ein Ziel
und einen Sinn.
Der Ostermontag ist der zweite Feiertag im Zeichen des Osterfestes.
An diesem Tag (Pasquetta) ist auf Sardinien der Brauch des Osterspaziergangs
noch lebendig. Mit der Familie oder den Freunden unternimmt man
Ausflüge in die nähere Umgebung und isst gemeinsam in
freier Natur.

Die „Cori“ bei
der Lu Lunissanti Prozession in Castelsardo. Jeder Chor setzt sich
aus vier Sängern bzw. Stimmen zusammen und wird durch ein Symbol
präsentiert. Foto Bertram Schänker
Die Passionsprozession „Su Desclavament“ in Alghero
Am Karfreitag wird in Alghero mit viel zeremoniellem Prunk
die Feier vom Leiden und Sterben Christi begannen. Schon seit Jahrhunderten
feiert man im Städtchen an der Nordwestküste am Abend
des Karfreitags die Passionsprozession „Su Desclavament " oder
"Su Descravaiment". Bei dieser feierlichen Handlung wird
Jesus in der Kathedrale Algheros vom Kreuz abgenommen und zu Füßen
des Altars beigesetzt. Die liturgische Sprache ist Katalanisch,
da dieses Ritual sich an alte Bräuche aus der spanischen Besatzungszeit
anlehnt.
Die Feier beginnt an der Chiesa della Misericordia mit der Passionsprozession
bei der ein Standbild der Madonna durch die Straßen der Stadt
getragen wird. Die Prozession symbolisiert die Suche der Mutter
nach ihrem verstorbenen Sohn und führt sie durch die Kirchen
Algheros bis zur Kathedrale. Die Bruderschaft folgt ihr mit einem
Barock-Sarg (dem "Bressol"), einer Leiter sowie Hammer
und Zange. Etwa gegen halb neun erreicht die Passionsprozession
die Kathedrale. Hier wird die Abnahme vom Kreuz begangen. Als Zeichen
von Schmerz und Trauer schmückt die Dornenkrone nun das Haupt
der Madonna. Gegen halb zehn nimmt dann ein Fackelumzug durch die
Gassen des katalanischen Städtchens seinen Anfang.
Die Passionsprozession "S'Incontru" in Oliena
Am Ostersonntag wird in Oliena, einer Stadt im Nordosten Sardiniens,
die Begegnung der Madonna mit dem wieder auferstanden Sohn begannen.
Dargestellt wird die Begegnung in der "Processione dei Misteri"
(Misteri sind Standbilder, die Stationen des Leidensweg und der
Auferstehung darstellen und während der Prozession herumgeführt
werden). Bei der "Mysterienprozession" ziehen zwei Passionsumzüge,
von denen einer vorwiegend aus Männern besteht, der andere
aus Frauen durch die einzelne Stadtteile. Die Umzüge treten
ihren Weg an verschiedenen Orten an und vereinigen sich im Moment
des "Incontru", der Begegnung zwischen dem Standbild der
Jungfrau Maria und der Statue des auferstandenen Jesus. Jesus lebt,
so lautet die Osterbotschaft. Die Begegnung zwischen der Jungfrau
und Jesus wird zur Botschaft des göttlichen Neuanfangs und
wird mit Glockengeläut, und Böllern begrüßt.
Text: Andrea Behrmann, Fotos: Paolo Succu
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