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Am Montag der „Settimana Santa“, dem Montag vor Ostern,
scheint es als würde das Mittelalter in Castelsardo wieder
lebendig. An der mittelalterlichen Kirche „Santa Maria“
beginnt um 7:30 Uhr die Prozession des „Lunissanti“.
Bei Sonnenaufgang wird die Messe am Altar des „Cristu Nieddu“
(schwarzer Christus) gelesen. Danach startet gegen 10:00 Uhr der
Pilgerzug der drei „Cori“ und der 10 „Misteri“.
Jeder Chor setzt sich aus vier Sängern bzw. Stimmen zusammen
("lu Bassu", "la Bogi", "lu Contra"
und "lu Falzittu") und wird durch ein Symbol präsentiert:
"lu Cabu de lu Moltu" (der Totenkopf), "la Pieddai"
(der schwarze Christus) und "lu Crocefissu" (das Kreuz).
Die Mysterien stellen die wichtigsten Momente des Kreuzgangs Christis
dar. Die Pilger ziehen zur etwa zehn Kilometer weit gelegenen romanisch-pisanischen
Basilika der „Madonna Rosa di Gerico“ in Tergu, wo sie
die „Misteri“ der Madonna darbieten. Die Chöre
begleiten die Zeremonie mit dem „Attitu“, einem weinerlichen
Gesang in Latein. Sie beklagen den getöteten Christus.
Video
Clip Lu
Lunissanti
Nach einem gemeinsamen Mahl vor der Feldkirche, geht es gegen 15:00
Uhr zurück nach Castelsardo. Wenn es dunkel wird, fängt
hier ein neuer Teil der Prozession im „Pianedda“-Viertel an. Die
Lichter gehen in der Altstadt aus. Überall werden Fackeln aufgestellt.
Durch die düsteren Gassen ziehen zwölf sogenannte Apostel,
die in einfache weiße Gewänder mit weißen Kapuzen
gehüllt sind. Sie tragen die Mysterien. Begleitet werden sie
von den „Mitschwestern“, die ebenfalls weiße Gewänder
mit weißen Kopftüchern tragen und Fackeln halten, sowie
drei Chören. Auch die Sänger tragen eine weiße Kutte
mit Kapuze, die aber das Gesicht freilässt. Sie stimmen zu
den jeweiligen religiösen Symbolen Gregorianische Gesänge
an. Vorgetragen werden "lu Miserere" (das Miserere), "lu
Stabat" (das Stabat mater) und "lu Jesu" (das Jesu).
Die Zeremonie stammt aus dem 14. Jahrhundert und wird heute noch
genau so gefeiert wie damals. Auch die Singtechnik, jede Note einzeln
zu betonen, stammt aus dem Mittelalter. Die Prozession endet spät
am Abend an der Kirche „Santa Maria“, wo sie am Morgen begonnen
hat. Dort werden die Mysterien dem Volk dargeboten.
Prozession und Lu Scravamentu
In der Osterwoche gibt es noch zwei weitere wichtige Ereignisse
in Castelsardo. Am Donnerstag vor Karfreitag gibt es eine Prozession,
bei der ein Bild der Leidenden Maria und ein Kruzifix von Sängern
begleitet durch die Straßen getragen wird. Am Nachmittag vom
Karfreitag „Lu Scravamentu“ gefeiert. In der Kathedrale wird Jesus
feierlich vom Kreuz genommen.
Carmela Mudulu
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