Am 14. August
steht in Sassari
alljährlich ein weiteres Fest auf dem Programm: die „Faradda
di li Candelieri“. Das Fest erinnert an ein Gelübde, das
die Einwohner der Stadt abgelegt hatten, um die Pest zu bannen. Bei
der Feier werden neun riesige Holzkerzen von der Piazza Castello bis
zur Kirche Santa Maria di Betlem getragen. Zahlreiche Musikanten begleiten
die Träger (Candelieri) während ihres Abstiegs zur Kirche.
Prächtige Trachten aus 66 Dörfern der Insel begrüßten
Besucher und Einwohner schon ab 9:30 Uhr in der Provinzhauptstadt
Die Trachtengruppen
treffen von überall auf der Insel in Sassari ein
Cavalcata -
Reiterfest
Cavallo -Pferd
Costume - Tracht
Musica - Musik
Ballo - Tanz
Pariglie - Kunststücke zu Pferd
Paese - Dorf
Sfilata - Umzug
Canto - Gesang
Zu jeder
edlen Tracht gehört auch der passende Filigranschmuck. Er rundet
das komplette Erscheinungsbild geschmackvoll ab
Paolo Succu
Bei den
akrobatischen Übungen der Reiter am Nachmittag hält so mancher
die Luft an

Die Pariglie
sind keine Männerdomäne mehr. Auch Frauen haben den Sport
für sich entdeckt
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Am vorletzten Sonntag im Mai lädt die
Stadt
Sassari alljährlich zu einer großen Reiter- und Trachtenschau
ein, bei der eine Vielfalt historischer Trachten aus den verschiedenen
Regionen Nord-, Ost-, West- und Süd-Sardiniens zu sehen sind.
Einlagen von Kunst-Reitern und Volkstanzgruppen lockern das Programm
am Nachmittag und frühen Abend auf. Ein besonderes Spektakel,
das sich echte Trachten-Fans auf keinen Fall entgehen lassen sollten!
Es ist beeindruckend, was den Besuchern bei der große Trachtenschau
mit Reiterparade, Musik und Tanz geboten wird: Mehr als 60 Gemeinden
Sardiniens präsentieren in einem knapp vierstündigen Umzug
mit mehreren Tanzeinlagen ihre farbenprächtigen und kostbaren
Trachten, die schon seit Jahrhunderten einen festen Platz im sardischen
Lebens- und Jahresbrauchtum haben.
Mehr als 200
Feste feiern die Sarden im Jahr, aber auf nur drei Veranstaltungen
kann man Trachtengruppen aus allen Dörfern Sardiniens auf einmal
sehen: Bei der Sagra di Sant’Efisio in
Cagliari, bei der Feier Il Redentore in Nuoro
und beim Cavalcata Sarda in Sassari
In der Vergangenheit hatte jedes Dorf zu verschiedenen Anlässen
seine eigene, unverwechselbare Tracht: Neben den einfachen und zweckmäßigen
Gewändern für alle Tage gibt es auf dem Cavalcata
Sarda Fest deshalb auch die aufwändige Festtagskleidung,
die hauptsächlich zur Hochzeit, Taufe oder Firmung getragen
wurde, zu sehen. Begleitet wird der Umzug dabei nicht nur von Akkordeon-
und Launeddas-Spieler, sondern auch von närrischen
Jecken, die mit zotteligen Tierfellen, schweren Kuhglocken und grotesken
Masken tobend durch die Straßen ziehen und von zahlreichen
Reitern aus rund 20 Gemeinden der Insel mit aufwendig geschmückten
Anglo-Arabern
aus sardischer Zucht.

Im Gegensatz
zu vielen anderen Festen auf Sardinien ist das Cavalcata-Sarda-Fest
kein religiöses Ereignis
Den Höhepunkt der traditionellen Pferdeparade stellen jedoch
die Pariglie am Nachmittag
auf der Pferderennbahn vor den Toren der Stadt dar. Jedes Jahr messen
sich hier zur Cavalcata Sarda mehrere Reitergruppen
aus verschiedenen Dörfern in Gruppen- oder Einzelfiguren auf
den galoppierenden Pferden. Jeder Kunststück-Reiter versucht
seine besonderen Fertigkeiten im Umgang mit den Pferden sowie im
turnerischen Bereich zu zeigen.
Bei Volkstanz, sardischer Musik und guter Unterhaltung klingt das
Reiter- und Trachtenfest am Abend dann auf der zentralen Piazza
d’Italia nach einem erlebnisreichen Tag aus.
Eines der Höhepunkte
des Cavalcata Sarda sind die akrobatischen Übungen der Reiter
am Nachmittag
Ursprung der Cavalcata Sarda
Einen konkreten Hinweis auf den Ursprung der Cavalcata Sarda
gibt der sardische Schriftsteller Enrico Costa in seiner Enzyklopädie
zur Geschichte Sassaris (Storia di Sassari). Ihm zufolge gehen die
Anfänge des Reiterspektakels auf Philipp V. von Anjou zurück,
der von 1700 bis 1746 König von Spanien und bis 1713 auch König
von Sardinien war. 1711, gegen Ende der spanischen Herrschaft auf
Sardinien, soll der Gemeinderat der Stadt
Sassari befohlen haben, dem König zu Ehren ein farbenfrohes
Reiterfest zu veranstalten.

Der ereignisreiche
Tag klingt immer mit Folkloretänzen und viel Musik aus
Doch das für die Sarden wohl bedeutendste und berühmteste
Cavalcata-Sarda-Fest wurde 1899 zu Ehren Umberto
I. begangen. Der älteste Sohn von Viktor Emanuel II. und dessen
Frau Adelheid von Österreich war schon seit 21 Jahren König
von Italien und Herzog von Savoyen, als die Stadt
Sassari ihm und seiner Gemahlin zu Ehren, während eines
Sardinienbesuches, ein glanzvolles, nie dagewesenes Fest mit einem
prächtigen Reiter- und Trachtenumzug ausrichtete.
Obwohl das damalige Fest schon mehr als ein Jahrhundert zurück
liegt, bewahrt das Reiterspektakel im Nordwesten
von Sardinien immer noch den Zauber dieser vergangenen Zeit.
Text: Andrea Behrmann;
Fotos: Paolo Succu
Letztes Update: 23. Mai 2011
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