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Infos: ESIT Cagliari
Via Mameli - 09100 Cagliari
Telefon: +39/070/60231
Freecall: 800013153 (Nur von Italien)
Servicenummern, die mit der Vorwahl 800 beginnen, sind für die Anrufer kostenfrei
  



 

Der Sprachforscher Stefano Marongiu über die geheimnisvolle Kultur der Nuragher

Gewaltige Steintürme pflastern die Mittelmeerinsel - Spuren einer sogenannten Nuraghen-Kultur. Wozu dienten die mysteriösen Türme und wer baute sie? Archäologen und Historiker haben sich jahrelang den Kopf zerbrochen und versucht dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Ein bedeutender Beitrag kommt auch von den Sprachforschern.

Leider hat die italienische und sardische Geschichtsschreibung Jahrzehntelang den Fehler begangen, nicht genügend auf die Überreste der Ursprache zu achten, die in der Toponomastik (Orts- und Gebietsnamen) des heutigen Sardisch und in den Nachnamen vieler Sarden erhalten geblieben sind. Daraus geht eindeutig hervor, dass die dominierenden Sprachen von 2300 bis ca. 250 n. Chr. das Sumerische und das Akkadische waren. Der Beitrag des Punischen oder Karthagischen ist vernachlässigbar. Die lateinische Sprache und Kultur hat die Sprache und Kultur der Nuragher nur sehr spät und dann auch erst nach und nach verdrängt. Die sogenannten Nuragher, oder jedenfalls die Menschen die diese Insel schon 1000 Jahre vor den Phöniziern besiedelten und ihr ihren Stempel aufdrückten, sind mit großer Wahrscheinlichkeit gleichzusetzen mit den "Shardana" - einem "Seevolk" das ursprünglich aus Nordmesopotamien kann. Archäologen haben festgestellt, dass der Ursprungsort der "Tholos", also der für die Nuraghen charakteristischen runden Form ebenfalls im gleichen Gebiet beheimatet ist. Ausgangspunkt der "Völkerwanderung über See" ist mit großer Sicherheit das Gebiet um "Tell Arpashyah" im heutigen Nordsyrien gewesen. Im Altertum war dies sumerisches Einflussgebiet und die gesprochenen Sprachen waren Sumerisch und Akkadisch. Dabei muss man beachten, dass sumerisch-akkadisch zu der Zeit eine Art "Weltsprache" war und damit auch in vielen Regionen, auch Kleinasiens gesprochen wurde - es wurden große Ähnlichkeiten mit dem Lydischen entdeckt, der "Schwestersprache" des Etruskischen.

Neben dieser Tatsache, halten sich jedoch auch andere Theorien die ernst genommen werden sollten. Eine dieser Theorien besagt, dass es im Laufe der Jahrhunderte (ab ca. 1500 v. Chr.) etliche Besiedlungen Sardiniens von Seiten der Bewohner der Stadt Sardes in Kleinasien gegeben hat. Das Interessante dabei ist, dass die lydische Sprache eng mit dem Etruskischen verwandt ist und auch mit dem sumerisch-akkadischen viel Ähnlichkeit hat. Anhand von fast identischen Ortsnamen im alten Lydien, im heutigen Sardinien und in der Toskana, wird diese verblüffende Theorie untermauert. Es bleibt abzuwarten inwieweit diese Theorie sich bewahrheitet bzw. sich mit einer sumerisch-akkadischen Besiedelung deckt. Was die Iberer und Lybier betrifft, so ist es zwar nicht falsch, dass diese Völker ebenso Sardinien besiedelt haben, genauso wie die Ligurer über Korsika, jedoch fällt dies in eine weit frühere Zeitperiode (wahrscheinlich zwischen 6000 - 2000 v. Chr; Megalithkultur) doch hat dies rein gar nichts mit den Nuraghen zu tun. Was alle früheren Megalithkulturen jedoch gemeinsam hatten waren die religiösen Kulte. Als die "Shardana" die Insel besiedelten, fanden sie dort in jedem Falle eine schon homogene Kultur und Religion vor. Die Archäologie würde stark davon profitieren, heutige sprachgeschichtliche Abhandlungen zu Hilfe zu nehmen, denn in den letzten fünfzig Jahren haben sie ein völlig verzerrtes Bild der Geschichte Sardiniens abgegeben. Die kulturelle, sprachliche und ethnische "Eigenständigkeit" und "Einzigartigkeit" der Sarden im westlichen Europa wird durch die Archäologie und Sprachwissenschaft immer weiter untermauert. Gleichzeitig werden immer stärkere Bande zu Gebieten geknüpft (Naher Osten, Ägypten, Mesopotamien) von denen vor hundert Jahren kaum jemand vermutet hätte, dass da irgendeine Verbindung besteht.

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