Inzwischen ist es möglich, mit Hilfe der VLBI die Vorgänge in den Radio-Jets der aktiven galaktischen
Kerne soweit aufzuzeichnen, dass noch Details im Bereich von zentel-parsec mit einer Winkelauflösung
von milliarcseconds sichtbar werden. Dies führte zu der Erkenntnis, dass die innere Struktur der AGN
sehr klar an der Axe der abgehenden polaren Jets ausgerichtet ist und diese Orientierung für viele
Millionen Jahre stabil bleibt. Zudem ist ein interessantes Phänomen in den Jets zu Tage getreten:
Scheinbar wird in den Bewegungsabläufen die Lichtgeschwindigkeit überschritten, was zunächst ein
physikalisches Paradox darstellt. Neueste Theorien erklären diesen Eindruck mit einem geometrischen
Effekt wie er bei relativistischen Beschleunigungen von sogenannten "blobs of plasma" in Richtung des
Beobachters hin hervorgerufen wird. Dabei werden die in Sichtlinie mit nahezu auf Lichtgeschwindigkeit
ausgeschleuderten Plasmabereiche scheinbar hundertemale heller als dies in Wirklichkeit der Fall ist
und täuschen so eine Ausbreitung mit Überlichtgeschwindigkeit vor.
Im Prinzip sollten aktive galaktische Zentren gleichmässig in allen Beobachtungsrichtungen von uns aus
im Kosmos verteilt sein. Bisher sind aber bei der Durchmusterung des Himmels zunächst die Quellen grösserer
Radio-Intensität aufgefallen. Mit Hilfe des SRT im europäischen VLBI - Verbund kann in Zukunft nun auch
nach den schwächeren AGN-Quellen gesucht werden, deren Veränderungswerte bei wenigen milliJanskys liegen.
Dabei wird erwartet, dass die "weak AGN" - deren Jet-Axe nach der Theorie nicht in unsere Richtung
zeigt - eine genauere Bestimmung der Vorgänge in den galaktischen Zentren zulässt, da die Beobachtungen
dann ja nicht von relativistischen Phänomenen beeinflusst werden. Ein Vergleich der dann ermittelten
Populationen an hellen und weniger starken AGN könnte einen kritischen Beleg für die These erbringen,
dass alle aktiven Galaxien-Kerne in eine einzige Kategorie gehören.
Das SRT wird darüber hinaus auch bei den VLBI Experimenten im 7mm und 3mm Wellenlängenbereich eine
verstärkende Komponente bilden. In diesen Hochfrequenzbändern erfolgt die Untersuchung der innersten
Kernbereiche anderer Galaxien. Bei näher zu uns liegenden Objekten werden dabei dann Auflösungen von
nur einem Lichtjahr erzielt.
Im extra-galaktischen Raum werden die Möglichkeiten des SRT bei spektralanalytischen Beobachtungen
interessante Resultate zeitigen. Besonders der 21 cm Wellenlängenbereich des atomaren Wasserstoffes
erschliesst die Untersuchung tausender Galaxien mit erhöhter Instrumenten-Empfindlichkeit und steuert
neue Erkenntnisse zur Verteilung von Materie im Kosmos und der Struktur unseres Universums bei. Die
Entwicklungsprozesse von Sternensystemen werden schon ab dem Stadium der Zwerggalaxien, die bei
optischen Wellenlängen nur schwer erfasst werden können, wesentlich transparenter.
Daneben gewinnt die Spektralanalyse molekularer Emissionslinien immer mehr an Bedeutung. Hier geht
es um Untersuchungen der CO-Übergangslinien in fernen Galaxien und Quasaren im Frequenzbereich von
20 - 50GHz bei Rotverschiebungen von z = 1 - 5. So ist zu erwarten, dass CO Emission einer Galaxis
bei z = 1 (z.B. NGC4321 im Virgo Cluster) schon in weniger als 4 Beobachtungsstunden mit dem SRT
nachgewiesen werden können.
Weitere Molekular-Linien von Interesse sind inzwischen CS, HCN, HCO+ und NH3 geworden. Diese Emissionen
geben vorallem Aufschluss über die physikalischen Bedingungen wie Temperatur und Dichte sowie chemische
Entwicklungsprozesse in der Umgebung einer Galaxie.
Eine spezielle Entdeckung sind die neuerdings nachgewiesenen Mega-Masers der Molekular-Spektrallinien
von OH, H2O und H2CO , die sehr wahrscheinlich mit aktiven galaktischen Kernregionen und Zonen
extrem starker Sternenbildung in Verbindung stehen. Siehe dazu auch diese
Pressemitteilung der Max-Planck-Gesellschaft
sowie die
Pressemitteilung des INAF auf italienisch.