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Sardinia Radio Telescope

Forschungsgebiete in unserer Galaxis
Das SRT wird sicherlich im "single dish mode" - also im Einsatz als Einzelantenne von grosser Bedeutung für verschiedene Forschungsgebiete der Radioastronomie und Raumfahrt sein. Da es über sogenannte "multi beam receiver" verfügt, sind über weite Himmelsbereiche systematische Beobachtungen im Radiokontinuum- und Spektralbereich durchführbar und bei sehr hoher Auflösung möglich. Das SRT erschliesst mit seiner Empfangsbandbreite spektroskopisch das galaktische und intergalaktische interstellare Medium und seine molekulare Zusammensetzung. Besonders interessant ist hierbei die Frequenz der 12CO - Moleküle bei 115 GHz , welcher derzeit eine fundamentale Rolle im Studium der Chemie unseres Universums zukommt.
Quellen dieser Art sind die sogenannten "radio emitting stars". Die von ihnen ausgehende Strahlung ist oft sehr schwach und mit den vorhandenen Instrumenten in Italien bisher nicht ausreichend beobachtbar. Es handelt sich dabei meistens um sehr kompakte Objekte: Schwarze Löcher, Neuronen Sterne und aktive Doppelsterne. Radio-Emissionen der "active binaries", wie untersuchte Doppelstern- Systeme auch genannt werden, weisen auf synchronisierte Rotation der Sternen-Paare hin sowie einen magnetischen Dynamoeffekt der die Abstrahlung verstärkt. Dabei erreichen diese Erscheinungen das tausend- oder millionenfache an Intensität der Emissionen wie wir sie an der eigenen Sonne beobachten. Hier wird das SRT mit seiner grossen Empfindlichkeit und Ausrüstung von Mehrfachwellenlängen- Empfängern einen entscheidenden Beitrag zu neuen Forschungsergebnissen leisten. Denn die Feinanlyse der beobachteten Spektren von kompakten Objekten lässt dann auch Rückschlüsse auf die zeitliche Ausbreitung der Strahlung ab dem Eintreten von Ereignissen erkennen.

Aber nicht nur kompakte stellare Objekte sind für die Forschung mit dem SRT von Bedeutung. Mehr und mehr haben in den letzten Jahren auch radioastronomische Beobachtungen von Riesensternen und der sie umgebenden Zone, dem "circumstellar envelope" an Interesse gewonnen. Obwohl der Energie- und Materieabstrahlung dieser Giganten eine Schlüsselrolle bei der chemischen Anreicherung des galaktischen Mediums zukommt, gibt es erst wenige Erkenntnisse über die Sonnenwinde und Materiewolken dieser Sternenklasse. Das SRT wird in Zukunft besonders zur Beobachtung der Spektrallinien von OH, H2O und SiO (Wasserstoffoxyd, Wasser und Siliziumoxyd) bei verschiedenen Supergiganten eingesetzt werden. Besonders die SiO-Linie im Frequenzbereich von 43 - 86 GHz wird noch genauere Rückschlüsse auf die unmittelbare Umgebung der Sternenoberfläche geben.

Ein weiteres wesentliches Forschungsgebiet bildet die Beobachtung von Pulsaren. Hierbei spielen systematische Durchmusterungen nach lichtschwachen Objekten eine besondere Rolle, da somit die wahre Verteilung von Pulsaren in unserer Galaxis festgestellt werden kann. Mit vorhandenen Teleskopen werden in der Regel zunächst die näher zu uns liegenden rotierenden Neutronen Sterne erfasst. Dies lässt aber keine sicheren Erkenntnisse über deren Population in der räumlichen Tiefe zu, eine Information, die zum Verständnis der Entwicklungsstadien dieser massiven stellaren Objekte von wesentlicher Bedeutung ist. Auf der Südhalbkugel, wurden mit dem australischen 64 Meter Parkes Teleskop hier in kurzer Zeit schon beeindruckende Ergebnisse erzielt: 100 neue Objekte, manche mit Umdrehungsperioden im Millisekundenbereich. Mit dem SRT werden auf Grund seiner grösseren Empfindlichkeit noch weit bessere Ergebnisse in der nördlichen Hämisphere erzielbar sein.
Pulsare liefern zudem auch wertvolle Erkenntnisse für das "Impulse Timing Project", eine Initiative verschiedener Radioteleskope in Europa. Hier geht es um sehr präzise Messungen der Impuls-Ankunftszeit auf der Erde und damit um Beobachtungsdaten, die bei der Klärung von Fragen zur Allgemeinen Relativitätstheorie, dem frühen Universum und der Elementarteilchen Physik eine wichtige Rolle spielen.

Mit keiner anderen Instrumentenart ist die Beobachtung von molekularen Gaswolken in unserer Galaxis so effektiv wie mit dem Radiotelekop. Hierbei wird vorallem die Dichte dieser Gaswolken untersucht. Dies geschieht durch die Bestimmung der Anregungstemperatur spezifischer molekularer Energie-Übergänge wie sie durch den Zusammenstoss der Moleküle im Kern der Gaswolken entstehen.
Dank der bereits erworbenen Erfahrungen mit anderen Radioteleskopen - wie dem in Medicina (Italien) und dem IRAM in Grenoble (Frankreich) - wird der Einsatz des SRT in diesem Forschungsgebiet eine qualitative Verbesserung bei Spektraluntersuchungen im Frequenzband zwischen 20 - 50 GHz erbringen. Sicher werden die Beobachtungen dabei auch auf die diffusen Gaswolken ausgedehnt werden können, deren Spektrallinien-Analyse sich mit weniger empfindlichen Teleskopen bisher schwierig gestaltet. Hier sind Antennen wie das SRT notwendig, die eine hohe Auflösung der einzelnen Frequenzen und somit auch der schmalsten Spektrallinien ermöglichen. Bei der Klärung der chemischen Zusammensetzung und Physik der diffusen molekularen Gaswolken in unserer Galaxis wird somit ein entscheidender Fortschritt erwartet.
Daneben wird man mit dem SRT auch tiefer in die Beobachtung und Analyse der sogenannten "Dark Clouds" einsteigen. Diese galaktischen Objekte sind weit weniger massiv, wesentlich kälter und besitzen kaum Brutstätten für neue Sterne als die bekannten molekularen Gaswolken. Bisher werden aus technischen Gründen nur Dunkelwolken untersucht, die relativ nahe zu uns liegen. Dabei ist schon seit einiger Zeit klar, dass diese neue Art von Objekten ausgezeichnete astro-chemische Laboratorien sind, die zwar eine vereinfachte Zusammensetzung und nur Niedrig-Temperatur-Prozesse aufweisen, aber gleichzeitig eher die Klasse der massearmen Sterne hervorbringen. Damit präsentieren sich Vergleichszenarien zum Studium der Enstehung von Sonnensystemen die dem unseren ähneln.

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Sardinia Radio Telescope - Planzeichnung
Sardinia Radio Telescope - Zeichnung für den Bau in San Basilio
Bildquelle: http://www.srt.inaf.it


Das Sardinia Radio Telecope wird wichtige Beiträge bei der Erforschung der Struktur und Ausdehnung unserer Milchstrasse sowie der galaktischen Hintergrundstrahlung leisten. Mit seiner Winkelauflösung von 11 arcmin im Beobachtungsbereich des neutralen Wasserstoffs bei 21 cm Wellenlänge wird in verschiedenen laufenden und geplanten Projekten eine sinnvolle Ergänzung zu den Daten der Teleskope in Green Bank (USA) und Effelsberg (Deutschland) eintreten. Besonders durch die Polarisations-Messungen des "galactic background" erwarten sich die Forscher weitere Grundlagenerkenntnisse, die später bei der Interpretation von Daten helfen, wie sie der ESA-Satellit "Planck" ab 2007 liefern wird, wenn dieser eine weitere Untersuchung der kosmischen Hintergrundstrahlung und deren Fluktuationen beginnt.

Forschungsgebiete im intergalaktischen Raum
Die Beobachtung einzelner Objekte ausserhalb unserer eigenen Galaxis bei unterschiedlichen Radiofrequenzen und Polarisation der Emissionen wird eine herausragende Rolle im Einsatz des SRT spielen. Man wird genau unterscheiden können zwischen Veränderungen der beobachteten Objekte und der Ausbreitung der Strahlung durch das intergalaktische Medium entlang der Beobachtungsstrecke. Erwartet wird zudem die Möglichkeit, auch Kurzzeit-Veränderungen der beobachteten Quellen zu erfassen, welche im Sekunden-, Stunden- oder Tages-Bereich liegen, also die sogenannten "flickerings" und besonders schnellen und energiestarken Veränderungen, die "extreme scattering events".

In letzter Zeit gehen mehr und mehr Astronomen davon aus, dass alle "hellen", stark-strahlenden Quellen anderer Galaxien in einer einzigen Objekt-Kategorie zusammengefasst werden können. Die Theorie besagt, dass wir es hier mit massiven Schwarzen Löchern zu tun haben, die im Zentrum der Sternensysteme stehen und das bis zu 1-Milliardenfache unserer Sonne an Masse akumiliert haben. Die "central black holes" sind dabei in ihrer unmittelbaren Nähe von einer quirligen Materie-Akretions-Scheibe umgeben, die nach den Rändern hin in einen Torus aus atomaren und molekularen Gaswolken übergeht. An den Polen der Schwarzen Löcher treten zudem stark fokusierte Materie-Jets aus. Hier auf der Erde nehmen wir einen Unterschied in der Strahlungsintensität dieser Objekte nur deshalb war, weil die aktiven galaktischen Zentren in einem unterschiedlichen Sichtwinkel zu uns liegen. Eine Unterteilung in Quasare und weniger stark strahlende Galaxien-Kerne scheint damit hinfällig. Daher spricht man auch nur noch von den "Active Galactic Nuclei" oder abgekürzt AGN.

Das European VLBI Network
Das European VLBI Network - Bildquelle: EVN Site

Sehr hilfreich bei der Erforschung der AGN ist vorallem die Möglichkeit, verschiedene Radioteleskope auf der ganzen Welt in einem Verbund zusammenzuschalten. Diese Technik wird als "Very Large Basline Interferometry" oder VLBI bezeichnet. Die beiden grössten Verbundsysteme sind das Very Long Baseline Array in den USA , gebildet aus 10 einzelnen 25 m Radioteleskopen und verteilt von Hawai bis zu den Vergin Islands sowie das European VLBI Network EVN, welches die Kontinente Europa, Afrika und Asien überspannt.

Das Very Long Baseline Array
Das Very Long Baseline Array - Bildquelle: VLBA Site

In Italien selbst existieren mit dem SRT dann noch 3 weitere Radioteleskope: Medicina (32 m) bei Bologna, Noto (32 m) auf Sizilien und Matera (20 m) zwischen Bari und Taranto. Hier sind auf Grund der geographischen Verteilung Baselines zwischen 562 und 878 km möglich.

Das VLBI Italy
Das VLBI Italy - Bildquelle: Elena Cenacchi
   
   
   
   
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