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In der letzen Seminar-Veranstaltung aus der Reihe
"I want you for Astrophysics" vor der Sommerpause 2006
kam der Forscher Ettore Carretti vom INAF in Bologna
zum Vortrag an die Universität in Cagliari. Wie in
unserem Veranstaltungskalender angekündigt, fand
diese Präsentation am 13.07.06 im modernen Gebäude der Fakultät
für Astrophysik statt.
Foucaultsches Pendel in der Physikalischen Fakultät Cagliari
In seiner Präsentation ging Ettore Carretti sowohl
auf die grundsätzliche Bedeutung des Cosmic Microwave
Background und dessen Polarisation ( CMBP ) für die
kosmologische Forschung als auch auf den spezifischen
Stand der Arbeit im Team des Parkes Galactic Meridian
Survey ein.
Ettore Carretti (links) während seines Vortrages an der Physikalischen Fakultät in Cagliari. Moderator war Andrea Possenti (rechts).
Vom CMB zum CMBP
Die CMB-Strahlung entstand ca. 300.000 Jahre nach dem
Big Bang als Materie und Strahlung entkoppelten und
das Universum durchsichtig wurde.
Die Eigenschaften der CMB-Strahlung sind dabei sowohl
beeinflußt von den Bedingungen während der
Rekombinationsphase des heißen Materieplasmas im
frühen Universum als auch durch die Abfolge der
verschiedenen Entwicklungsperioden: Inflation,
Re-Ionisation der Materie durch die erste Sternen-
Generation und die Bildung der ersten Galaxien.
Die Analyse des CMB-Intensitäts-Spektrums ermöglicht
Erkenntnisse über die Bedingungen in frühesten
Entwicklungsstatien des Universums. Kennzeichnend
sind dabei die Anisotropy und die Polarisation der
CMB-Strahlung.
Eine lineare Polarisation der CMB-Strahlung wird
durch die sogenannte Thomson-Streuung von freien
Elektronen an nichtpolarisierten, anisotropen
Umgebungen hervorgerufen. Diese Bedingungen existierten
während zweier Entwicklungsstadien des jungen Kosmos:
Zur Zeit der Rekombination der Materie und in der
Phase der Re-Ionisation am Ende der "dark ages", als
sich die ersten Sterne und Galaxien bildeten.
Phasen in der Entwicklung unseres Universums
Die Astronomen unterscheiden dabei zwischen zwei
Varianten der Polarisation: E-Mode und B-Mode.
Während die E-Mode Polarisation primär von den
Dichteschwankungen in der Materieverteilung
beeinflußt werden, gibt die B-Mode Polarisation
Hinweise über die Ausbreitung von Gravitationswellen
im frühen Universum.
E-Mode Polarisation
Die E-Mode Polarisation gibt wichtige Hinweise
sowohl im Bereich großer als auch kleiner
Winkelauflösung. Zwischen 10° und 20° gewährt die
Analyse Einblicke in die Verteilung des re-ionisierten
Mediums. Im Bereich großräumiger Winkelauflösung sind
hier die Forschungsergebnisse der WMAP Mission,
von größter Bedeutung. Gerade wurde in den letzten
Monaten eine weitere Phase in der Analyse der Daten
nach 3-jähriger, kontinuierlicher Aufzeichnung
abgeschlossen. Dabei ist es sowohl gelungen,
großräumige Polarisationsrichtungen zu erkennen, als
auch wichtige Parameter des Universums weiter zu
präzisieren. Die Genauigkeit bei der Bestimmung der
"Dark Energy" Konstante pro Raumeinheit konnte
entschieden verbessert werden (nur noch 10%
Ungsicherheitsfaktor) und liegt damit immer näher
bei der theoretisch vorhergesagten Kennziffer von -1.
Dies bedeutet, daß jeder Kubikzentimeter Raum im
Universum stets den selben Betrag an Dunkler Energie
enthält, egal wie stark sich der Raum auch ausdehnen
mag. Damit verlieren Entwicklungsmodelle für den
Kosmos, die einen "Big Rip" oder einen "Big Crunch"
vohersagen, ihre Bedeutung für die weitere Forschung.
Kontakt
(in English und Italienisch) für weitergehende Informationen und Interviews
Ettore Carretti Tel: 0039 051 639 8735
Andrea Possenti Tel: 0039 070 71180 249 Handy: 0039 338 2123 361
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Der Cosmic Microwave Background aus den Aufzeichnungsdaten von WMAP
B-Mode Polarisation
Durch die Kombination einer Gesamthimmelserfassung
der Polarisation und verbesserter Temperatur-Messungen
konnte das WMAP-Team inzwischen den Parameter für
den Spektral-Ausdehnungs-Index (engl. Scalar
Spectral Index) auf den Wert von 0,95 bestimmen. Die
Ungenauigkeit liegt dabei nur noch um die 2% ! Mit dem
Scalar Spectral Index werden die Temperaturschwankungen
im CMB über große Himmelsabschnitte mit denen im
Bereich kleiner in Beziehung gesetzt und somit eine
Präzisierung bei der Auswahl geeigneter Modelle für
die kosmische Inflationsphase ermöglicht. Die
Ergebnisse des WMAP-Teams geben somit eher den ganz
simplen Theorien zur Inflation eine reelle Chance,
da hier ein Koeffizient von knapp unter 1,0 vorher
gesagt wird.
Bei Untersuchungen im Auflösungsbereich zwischen 0,1°
und 1,0° lassen sich ebenfalls Aussagen über die Einflüsse der
Inflation ableiten. Erste, erdgebundene Forschungs-Missionen
im Bereich von < 1,0° wurden in den vergangenen Jahren
durchgeführt: DASI, CBI, BOMMERanG 2003, BaR-SPOrt.
Parkes Galactic Meridian Survey
Wo nun dieser Scalar Spectral Index noch genauer
liegt, untersucht inzwischen Ettore Carretti mit seinem
Team im Parkes Galactic Meridian Survey (PGMS). Denn
zwischen dem Wert 0,95 und 1,0 gibt es noch genügend
Unsicherheit über die wirklich relevanten Inflations-
Modelle oder - wie die Astronomen es ausdrücken -
"models with extra degrees of fine-tuning".
Die PGMS-Forscher aus Italien, Holland, USA und
Großbritannien nutzen dabei eine erdgebundene
Beobachtung mit dem australischen Radioteleskop in
Parkes. Nach und nach wird in diesem Projekt ein
Himmelsabschnitt von 5° Breite entlang des 254.
galaktischen Längengrades vom Himmles-Aquator zum
Himmels-Südpol (0° bis -90°) gescanned. Die
Hauptfrequenz liegt bei 2,3 GHz in einer Bandbreite
von 128 MHz, die in 64 Kanälen aufgezeichnet werden.
Der PGMS Beobachtungsbereich vom Himmels-Äquator bis zum Himmels-Südpol
Mit Hilfe dieser Forschung wird es in Zukunft möglich
sein, den Störeinfluß der Synchrotron-Strahlung
unserer Milchstraße - abhängig vom galaktischen
Breitengrad - auf die Emission des CMB mit sehr hoher
Präzision zu erfassen.
Der Cosmic Microwave Background und die Überbelndung durch die Synchrotron-Strahlung unserer Milchstraße
Letztendlich suchen die Astronomen dabei aber nach neuen Daten,
die Auskunft über den Hintergrund an kosmischen Gravitationswellen
geben, welcher durch die Inflations-Phase hervorgerufen
wurde. Diese "tensor-to-scalar perturbation power
ratio" - kurz T/S - kann im Prinzip eine direkte
Methode zur Messung von Inflations-Parametern
darstellen. Problematisch ist derzeit allerdings,
daß die Wissenschaftler nur sehr schwache Meßsignale
zur Verfügung haben, die eine T/S Bestimmung auf
erst ca. 0,22 erlauben. Ziel ist es, mit Hilfe
der PGMS-Experimente bis in Bereiche von 0,001
vorzustoßen.
Inflations-Modelle mit extra degrees of fine-tuning. Die obere Skala zeigt den Scalar Spectral Index. Die Skala rechts zeigt die Tensor-to-Scalar Perturbation Power Ratio
Zum Abschluß ihres Forschungsprojektes erhoffen sich die
Wissenschaftler um Ettore Carretti, daß sie einen
wesentlichen Beitrag zur Antwort auf die Frage "Welches
Enstehungs- und Inflations-Modell beschreibt am genauesten
unser Universum ?" leisten können.
Weitere Vorträge aus der Vortragsreihe "I want you
for Astrophysics" folgen ab September 2006 und sind
in unserem Veranstaltungskalender verzeichnet.
Ettore Carretti (links) und Andrea Possenti (rechts) in der Diskussion nach dem Vortrag
Weitere Mitarbeiter der PGMS - Group
D. McConnell - CSIRO-ATNF
G. Bernardi - Uni Groningen
N. McClure-Griffiths - Uni Groningen
S. Cortiglioni - INAF-IASF Bologna
S. Poppi - INAF-OA Cagliari
M. Haverkorn - NRAO/UC-Berkley
Weitere Quellen im Internet:
The PGMS Project
Limits on CMBP B–Mode Measurements by Galactic Synchrotron Observations
Redaktion: Michael Mueller
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