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Rotating Radio Transients oder RRATs

Wieder ist die Pulsar Group aus Cagliari - Teil des internationalen Teams von Astronomen aus Grossbritannien, USA, Australien, Italien und Kanada - mit einer bahnbrechenden Entdeckung eines bisher unbekannten Typs von Neutronensternen an die Öffentlichkeit getreten. Unter Leitung von Maura A. McLaughlin (university of Manchester, England) waren Nichi D'Amico, Marta Burgay und Andrea Possenti beteiligt an der Analyse von Forschungsdaten aus den Jahren 1998 bis 2002, die mit dem 64 Meter Radioteleskop in Parkes (Australien) aufgezeichnet wurden.

Die Entdeckung
Eigentlich waren die Wissenschaftler auf der Suche nach unbekannten Pulsaren, den Neutronensternen, die mit äusserster Präzision periodisch Radiopulse aussenden während sie sich pro Sekunde ein- bis 700-mal um die eigene Achse drehen. Die Datenanalyse half aber nicht nur hunderte dieser "typischen" Neutronensterne zu identifizieren, sondern lieferte auffällige, extremstarke, aber sporadische Radioimpulse von 11 stellaren Objekten aus der Ebene unserer Milchstrasse. Die Ausbrüche dauern zwar nur 2 bis 30 Millisekunden, machen die nur 20 - 30 km durchmessenden, ausgebrannten Sterne aber zu den fast hellsten Signalquellen am Radiohimmel, heller als unsere Sonne in diesen Frequenzbereichen.

Diagramm eines RRAT - Beams
Diagramm eines RRAT - Beams    Bildquelle: Jodrell Bank Observatory

Insgesamt 3 Jahre dauerten die bisherigen Untersuchungen bis nun in diesen Tagen die Bedeutung der Forschungsergebnisse bestätigt wurde. Bei dem entdeckten neuen Typ von Neutronensternen handelt es sich um Objekte, die zwischen 0,1 bis 1,0 Sekunde lang einen enormen Radiosignalausbruch generieren und dann für 4 Minuten bis 3 Stunden völlig stumm bleiben. In den meisten Forschungsdaten waren solche Aufzeichnungen bisher als unliebsame Interferenzen eingestuft worden und blieben einfach unbeachtet.

RRATs Pulse RRATs Pulse
Das Parkes Telecope zeichnete diese beiden starken Neutronenstern-Ausbrüche auf. Die Dauer der Bursts ist nur wenige Millisekunden lang, das Radiospektrum belegt dabei einen weitenFrequenzbereich zwischen 600 MHz bis 2 GHz.     Bildquelle: Sky and Telescope 03.2006

Die Forschungsgruppe hat die Bezeichnung Rotating RAdio Transients - kurz RRATs - kreiert, um diese neue Klasse von ausgebrannten Sternen zu kennzeichnen. Wie Professor Andrew Lyne (University of Manchester) ausführt, zeichnen sich die RRATs durch eine besondere Periodizität aus: "Es scheint, als müsste so ein RRAT nach seinem Radio-Blitz während vielleicht 1000 Umdrehungen wieder genügend Energie für den nächsten Ausbruch aufbauen." Die Tatsache, dass die Signale von derart kurzer Dauer sind, lässt darauf schliessen, dass die Quelle aus einem sehr engbegrenzten Areal der Sternoberfläche oder Magnetossphäre sendet.


Pulsar Science in Europa
Das Wissenschaftsnetzwerk "PulSE" (Pulsar Science in Europe) erzielt bereits seit über 10 Jahren hervorragende Forschungsergebnisse mit Hilfe großer Radioteleskope in Italien (Northern Cross), Grossbritannien (Jodrell Bank) und Australien (Parkes). Die italienischen Wissenschaftler haben einen wichtigen Anteil in der anregenden und avantgardistischen Forschung, in der Experimente fundamentaler physikalischer Erkenntnis realisiert werden.


Kontakt
(in English und Italienisch) für weitergehende Informationen und Interviews

Nicolò D'Amico
Tel: 0039 070 71180 208
Handy: 0039 329 6603 828

Marta Burgay
Tel: 0039 070 71180 249
Fax: 0039 070 71180 244

Andrea Possenti
Tel: 0039 070 71180 249
Handy: 0039 338 2123 361

Visualisierung eines Neutronensterns
Visualisierung eines Neutronensterns. Gezeigt werden die magnetischen Feldlinien (in der Graphik aufgeschnitten) und der abgestrahlte, gebündelte Radio-Strahl (Quelle: Russell Kightly Media)

Der eigentliche Ursprung ist bisher allerdings noch ein Geheimnis der Natur dieser Objekte. Und da die Signale ja nur vorübergened auftreten, gestaltet sich auch das weiter Studium schwierig. Lediglich eine der Quellen konnte bisher auch im Röntgenstrahlen-Frequenzbad als schwachenleuchtendes Objekt identifiziert werden. Bei einer der untersuchten Neutronensterne wurde eine Ähnlichkeit mit dem Umdrehungsverhalten von bekannten Magnetars ermittelt, was darauf hindeutet, dass dieses Objekt möglicherweise weniger als 100.000 Jahre in seinem jetzigen Stadium existiert. Einige der anderen RRAT-Neutronensterne weisen Ausbruchsfrequenzen auf, die auf eine Entstehung vor einigen 10 Millionen Jahren hindeuten. Mit anderen Worten: Einige Indizien scheinen nahezulegen, dass die Neutronenstern-Klasse der RRATs eine breitgefächerte Erscheinungspalette aufweist.

Die Forscher der Pulsar Group haben aus all den neuen Erkenntnissen die Wahrscheinlichkeit abgeleitet, dass die wenigen, mit viel Agribie entdeckten Objekte nur die Spitze eines Eisbergs darstellen und, dass es vermutlich ca 400.000 RRATs in unserer Milchstrasse gibt. Falls diese Schätzung der Wissenschaftler zutrifft, würde das bedeuten, dass es in unserer Galaxie etwa 4-mal soviel RRATs gibt wie Radio-Pulsare und, dass den Astronomen seit einigen Jahrzehnten eine ganze Klasse von Himmelsobjekten im vermutlich "normalsten" Neutronstern-Zustand einfach entgangen ist!

Die Entdeckung der RRATs würde auch eine bisher unerklärte Lücke in der Beobachtung von Supernova-Sternleichen schliessen. Danach fehlt für mehr als 50% der festgestellten Überbleibsel aus den finalen Sternexplosionen der eigentlich zu erwartende Neutronenstern. So wird David Helfand (Columbia University) in den Medien auch so zitiert: "Ich fände es nach der Entdeckung der RRATs gar nicht mehr verwunderlich, wenn die Mehrzahl aller Neutronensterne mit genau deren Eigenschaften entstehen. Vielleicht ist der Pulsar im Krebsnebel eher schon ein Sonderfall ?"

Der Durchbruch bei der Erklärung der entdeckten Radiosignalblitze wurde nun am 16. Februar 2006 in einem Nature - Artikel publiziert. Die Wissenschaftler weisen darin auf das enorme Erkenntnispotential für die weitere Forschung hin. Viele neue Ergebnisse in diesem Bereich werden - wie in anderen Forschungsgebieten der Radioastronomie - nach der Fertigstellung des neuen Sardinia Radio Telscope erwartet.

Die Mitarbeiter der PulSE Group in Cagliari und Bologna sind:
Nicolò D'AmicoINAF- Osservatorio di Cagliari und Università di Cagliari
Marta BurgayINAF- Osservatorio di Cagliari
Andrea PossentiINAF- Osservatorio di Cagliari
Alessandro CorongiuINAF- Osservatorio di Cagliari und Università di Cagliari


Rotating Radio Transients Darstellung eines Neutronensterns mit seinen magnetischen Feldlinien und einem Radiostrahl der von seinem magnetischen Pol ausgeht. Bildquelle: Michael Kramer/Ian Morison

Weitere Quellen im Internet zum Thema:

Jodrell Bank Observatory
Australian Telescope National Facility
Sky and Telescope
National Geographics News
Nature News
Scientific American

Der italienische Pulsar Group Site
Pulsar Grundlagen Info



  
   
   
   
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