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Die Jahre 2007 und 2008 waren der Auftakt in ein neues Zeitalter für die astronomische
Forschung im Bereich der hochenergetischen Gamma-Strahlung. Denn am 23.04.2007 wurde
der unter italienischer Leitung gebaute AGILE Satellit und ca. 1 Jahr später der FERMI
Satellit unter Federführung der NASA am 11.06.2008 in den Orbit gebracht. Beide Satelliten
liefern bereits Forschungsergebnisse und ziehen grosses internationales Interesse auf sich.

AGILE Satellit in der Endmontage - Quelle Alberto Pellizzoni
AGILE und Pulsare
So hat die Forschungsgruppe des italienischen AGILE Satelliten nun im Februar 2009 einen
ersten Katalog von 40 kosmischen Gamma-Strahlungs Quellen veröffentlicht. Dieser trägt den
Titel "First AGILE Catalog of High Confidence Gamma-Ray Sources". Unter diesen 40 Gamma-Ray
Sources befinden sich 20 Quellen, die mit bekannten oder neu entdeckten Pulsaren in Zusammenhang
stehen.

Im Gamma-Bereich strahlende Pulsare nach dem ersten AGILE Katalog - Februar 2009 Bildquelle: AGILE - First Catalog Februar 2009

Signaldiagramm des Krebs-Nebel-Pulsars im Gamma-, Röntgen- und Radio-Bereich. Quelle: Alberto Pellizzoni
AGILE-Mission - Mitarbeiter auch in Cagliari
Zum Team, das die AGILE-Mission betreut und Daten für die aktuelle Forschung auswertet, gehören
auch Forscher aus Cagliari: Nichi D'Amico, Andrea Possenti, Marta Burgay, Alberto Pellizzoni .
Die Sardinien.com-Redaktion hatte nun am 30.03.2009 Gelegenheit mit Alberto Pellizzoni zu sprechen,
der selbst an der Konstruktion und dem Zusammenbau des AGILE Satelliten vor dessen Start mitgewirkt hat.

Visualisierung eines Neutronensterns. Gezeigt werden die magnetischen Feldlinien (in der Graphik aufgeschnitten)
und der abgestrahlte, gebündelte Radio-Strahl (Quelle: Russell Kightly Media)
Kontakt
(in English und Italienisch) für weitergehende Informationen und Interviews
Nicolò D'Amico Tel: 0039 070 71180 208 Handy: 0039 329 6603 828
Marta Burgay Tel: 0039 070 71180 249 Fax: 0039 070 71180 244
Andrea Possenti Tel: 0039 070 71180 249 Handy: 0039 338 2123 361
Alberto Pellizzoni Tel: 0039 070 71180 249 Handy: 0039 348 8715 114
Weitere Quellen im Internet zum Thema:

Bekannte Pulsare die im Gamma Bereich strahlen -
zur Vergrösserung auf das Foto klicken

Die Messinstrumente des AGILE Satelliten - Quelle: Alberto Pellizzoni
Redaktion: Michael Mueller
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Interview mit Alberto Pellizzoni (INAF)
am Observatorium Cagliari - Poggio die Pini
Sardinien.com: Welche Erkenntnisse erwartet sich die Forschung durch das Studium von Pulsaren im
Gamma-Bereich ?

Alberto Pellizzoni beim Interview am Observatorium Cagliari in Poggio dei Pini
Alberto Pellizzoni: Vorallem sind wir auf der Suche nach tieferen Erkenntnissen über das
Verhalten von Sternen in der letzten Phase ihrer Evolution, die Quelle ihrer Energie und die Natur ihrer
hochenergetisch emmitierten Partikel. Denn Pulsare sind für uns so etwas wie ein natürlicher Teilchenbeschleuniger,
den wir in dieser Perfektion nicht einfach auf der Erde nachbilden können. Pulsarforschung ist somit ganz direkt auch Forschung in
der Elementarteilchen - Physik.
Sardinien.com: Welchen Anteil hat die Gamma-Strahlung an den Emissionen von Pulsaren ?
Alberto Pellizzoni: Pulsare wurden zunächst zwar über ihre Strahlung im Radiowellen-Bereich entdeckt.
Wir gehen aber generell davon aus, dass der Grossteil ihrer eigentlichen Energie im Gamma- und Röntgen-Strahlenbereich
emmitiert wird. Das Einfangen dieser hochenergetischen Photonen ist allerdings am Erdboden kaum möglich und erfordert
hochempfindliche moderne Forschungsinstrumente wie den AGILE oder den Fermi Satelliten, die uns jetzt zur Verfügung stehen.
Sicher sind Gamma-Strahler wie aktive galaktische Zentren (AGN) bereits seit den 1980-iger Jahren bekannt. Aber erst
jetzt haben wir wirklich die Technologie im Orbit, die auch präzise Untersuchungen pulsierender Quellen zulässt.
Sardinien.com: Wenn wir von der Strahlung eines Pulsars sprechen: Registriert AGILE die pulsierenden Signale
ähnlich wie diese im Radiowellen-Bereich beobachtet werden ?
Alberto Pellizzoni: Ja - auch im Gamma-Bereich beobachten wir pulsierende Signale. Interessant ist dabei, dass
es Objekte gibt, deren Pulsieren in Gamma-Rays konkruent mit den Radiopulsen regisiert wird (Krebs-Nebel-Pulsar)
und andere, deren Gamma-Signal gegenüber dem Pulsieren im Radiowellenbereich verschoben erscheint. Wir glauben,
dass dieses Phänomen vorallem mit dem Blickwinkel zu tun hat, unter dem uns die Strahlung der verschiedenen Wellenlängen
erreicht. Wir untersuchen also speziell auch die Frage: Sendet ein Pulsar seinen Strahlungskegel in unserer Richtung
parallel auf allen Frequenzen oder gibt es physikalische Gründe, die das Austreten bei verschiedenen Energien von der
Oberfläche eines solchen Neutronensternes divergieren lassen ?
Sardinien.com: Es ist also anzunehmen, dass wir nur diejenigen Pulsare jemals entdecken werden, die ihren Strahlungskegel
in Richtung Erde aussenden ?
Alberto Pellizzoni: Ganz genau ! Der Prozentsatz der Pulsare, die wir auf keiner Frequenz des Spektrums registieren
werden, ist sehr gross. Aber mit AGILE und Fermi haben wir jetzt zwei Instrumente an der Hand, die es ermöglichen, selbst
die Pulsare zu registrieren, die in unsere Richtung allein im Frenquenzband der Gamma-Strahlung emittieren.
Sardinien.com: Mit den Satelliten haben wir somit also eine Chance eine genauere Verteilungsstatistik von Pulsaren
in unserer Galaxis zu erstellen ?
Alberto Pellizzoni: Genau das wollen wir erreichen ! Die eigentliche Population an Neutronensternen in unserer
Milchstrasse wird sicherlich wesentlich genauer bestimmbar durch die Forschung von AGILE und Fermi, der ja die 16-fache
Empfindlichkeit des italienischen Satelliten hat. Die bisherigen Ergebnisse von AGILE sind sehr ermutigend: In unserem ersten Verzeichnis
von kosmischen Gamma-Strahlenquellen, das im Februra 2009 veröffentlich wurde, haben wir auch 20 Objekte ermittelt,
die sehr wahrscheinlich Pulsare sind.
Sardinien.com: Die meisten dieser Pulsare befinden sich innerhalb unserer eigenen Galaxis ?
Alberto Pellizzoni: Ja. Die Empfindlichkeit der Instrumente ist zwar schon sehr gut aber genügt derzeit nicht, Pulsare
auch ausserhalb der Milchstrasse zu erfassen. Anders ist es bei aktiv strahlenen Kernen von fernen Galaxien, den AGN.
Hier erreichen unsere Instrumente genügend Photonen, um diese Objekte auch im Gamma-Bereich zu erkennen.
Sardinien.com: Sagt Dir das Projekt PAMELA etwas?
Alberto Pellizzoni: Ja, sicher ! Auch in diesem Projekt wird nach hochenergetischen, kosmischen Teilchen geforscht.
Speziell geht es darum das theoretisch vorhergesagte Neutralino zu entdecken. Dazu hat man auch die Emission aus Richtung
des 500 Lichtjahre entfernten und nur im Gamma-Bereich strahlenden Pulsars mit dem Namen Geminga untersucht. Dabei vermuten
die Kollegen, dass eine registrierte Erhöhung von Elektron-Positron Paaren ein gängiges Modell über die Natur von
schnellrotierenden Neutronensternen (Pulsare) bestätigen könnte. Geminga gilt inzwischen als bekanntestes Objekt unter
den Pulsaren, das allein mit Hilfe der neuen Gamma-Ray Satelliten entdeckt werden konnte. Lustigerweise erinnert der Name
"Geminga" auf Milanesisch an einen ähnlich lautenden Ausdruck für "das gibt's eigentlich nicht" - so wie wir es bisher
auch über Beobachtungen im Radiwellenbereich annahmen !
Sardinien.com: Wie gestaltet sich Eure Forschungsarbeit in der Pulsar-Gruppe hier in Cagliari ?
Alberto Pellizzoni: Hier in Cagliari verwirklichen wir den modernsten Trend in der astronomischen Forschung !
Wir sind ein hochqualifiziertes und sehr motiviertes Team von Forschern, die auf die Untersuchungen im Radiowellen- und
auch hochenergetischen Spektrum spezialisiert sind. Denn nur aus dem Mix verschiedener Kompetenzen und Erfahrungen,
die im Team zusammenspielen, lassen sich heute wirklich bahnbrechende, neue Erkenntnisse sammeln. So sind die
hervorragenden Kenntnisse in der Radioastronomie verschiedener Kollegen eine ausgezeichnete Basis für die Forschung
mit AGILE . Da arbeiten wir Hand in Hand ! Und ich schätze mich wirklich glücklich, Teil dieser Teams hier am Observatorium
in Cagliari sein zu dürfen !
Sardinien.com: Alberto, wir danken Dir für dieses Gespräch und wünschen der Pulsar-Group und allen anderen Kolleginnen
und Kollegen weiterhin viel Erfolg bei der spannenden Forschung, die Sardinien immer wieder in den Focus rückt.
Das Gespräch mit Alberto Pellizzoni führten Andrea Behrmann und Michael Mueller am 30.03.2009.
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