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Unter den diesjährigen Gewinnern des Descartes Preises, der höchsten
Auszeichnung in Europa für wissenschaftliche Forschungserfolge, befinden sich auch
italienische Wissenschaftler des Istituto Nazionale di Astro Fisica (INAF) und
der Universität Cagliari.
Die Entdeckung
Im Jahr 2003 entdeckte das Team das erste Doppel-Pulsar System PSR J0737-3039, ein
Gravitationsleuchtfeuer, welches auf Grund seiner Konstellation einen reellen Test von
Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie zulässt. Das PSR J0737-3039 System ist ein
außergewöhnliches, natürliches, relativistisches Labor, das wie zwei kosmologische
Präzisionsuhren für die Wissenschaftler hier auf der Erde arbeitet.
Die Bedeutung dieser Entdeckung von Marta Burgay, Nichi D'Amico und Andrea Possenti
wird auch aus mehreren Artikeln ersichtlich, die bereits in der Zeitschrift Nature
veröffentlicht wurden und die weltweit große Beachtung fanden. (siehe auch
Letters to Nature und
ARXIV.ORG - 7. Jamuar 2004 )
Der PulSE Groupe gelang es aber nicht nur, das erste Doppel-Pulsar System zu entdecken.
In der langjährigen Forschungsarbeit hat das Team mehr als 800 neue Pulsare aufgespürt
und damit den Katalog bekannter Objekte weltweit verdoppelt. Das Team - unter Leitung von
Prof. Andrew Lyne, Direktor des Jodrell Bank Observatory - ist eine Kooperation von
Wissenschaftlern aus Großbritannien, Italien, Deutschland, Holland und Griechenland.
Die PulSE Groupe wurde mit anderen 4 Forscherteams unter insgesamt 76 Forschungsgruppen,
die für den Descartes Preis 2005 vorgeschlagen waren, ausgewählt. Neben der renommierten
Auszeichnung erwartet die Gewinner ein Preisgeld von 200.000 Euro. Bereits 1993 waren
die Physiker Russell Hulse und Joseph Taylor für ihre Gravitationsforschung am Pulsarsystem
PSR 1913+16 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden.
Der Kommentar
Nichi D'Amico, Professor and der Universität Cagliari und Leiter des Astronomischen
Observatoriums in Cagliari sowie führender Wissenschaftler der italienischen Pulse Team
Sektion, äußert sich hoch zufrieden über die bedeutende Auszeichnung: "Eine Portion
Glück gehörte sicher zu unserer Doppelpulsar-Entdeckung. Vor allem wurde aber die
Ausdauer der jungen Wissenschaftler in der Gruppe belohnt. In schier endlosen Beobachtungs-
Sessions, die zwischen Europa und Australien koordiniert werden mussten, und einer
strapaziösen Analyse von riesigen Datenvolumen ist es ihnen gelungen, diese Perle in
den aufgezeichneten Radiosignalen zu identifizieren. Sie haben ein wahres Juwel für
die physikalische Grundlagenforschung entdeckt !"
Pulsar Science in Europa
Das Wissenschaftsnetzwerk "PulSE" (Pulsar Science in Europe) erzielt bereits seit
über 10 Jahren hervorragende Forschungsergebnisse mit Hilfe großer Radioteleskope
in Italien (Northern Cross), Grossbritannien (Jodrell Bank) und Australien (Parkes).
Die italienischen Wissenschaftler haben einen wichtigen Anteil in der anregenden und
avantgardistischen Forschung, in der Experimente fundamentaler physikalischer Erkenntnis
realisiert werden.
Kontakt
(in English und Italienisch) für weitergehende Informationen und Interviews
Nicolò D'Amico Tel: 0039 070 71180 208 Handy: 0039 329 6603 828
Andrea Possenti Tel: 0039 070 71180 249 Handy: 0039 338 2123 361
Video- und Fotodokumentation in hoher Auflösung sind erhältlich beim Ufficio Comunicazione INAF
Tel: 0039 06 35533 390
Handy: 0039 338 8501 569
email: comunicazione@inaf.it
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Doppel-Pulsar PSR J0737-3039 (Graphik) Bildquelle: Pulsar Group Site
Die Entdeckung, an der die Forscher des INAF maßgeblich beteiligt sind, ist ein
binäres Pulsar-System, in dem zwei Neutronensterne einander umkreisen. Bisher ist
diese Konstellation einzigartig, da jeder der beiden hochmassiven stellaren Körper in
absolut regelmäßigen Intervallen beobachtbare Radio-Impulse aussendet: Pulsar A alle
23 Millisekunden, Pulsar B alle 2,8 Sekunden. Die Untersuchen haben zudem ergeben, dass
sich die beiden stellaren Objekte in nur
2,4 Stunden einmal umkreisen.
Die Charakteristiken erlauben es den Forschern nun erstmalig, viele der von Albert Einstein
in seiner Generellen Relativitätstheorie aus dem Jahre 1915 vorhergesagten Erscheinungen,
direkt zu beobachten und zu verifizieren. So zum Beispiel die Energieabgabe des Systems durch
das Aussenden von Gravitationswellen aufgrund der ständigen Annäherung der beiden Pulsare.
Die Annäherung geschieht zwar sehr langsam - nur ca. 7 Millimeter pro Tag. Dennoch wird
nach Vorhersagen relativistischer Berechnungen eine Kollision der beiden Neutronensterne
in "nur" 85 Millionen Jahren erfolgen und zu einer Verschmelzung der beiden Himmelskörper führen.
Wenn es zu dieser Fusion der beiden Pulsare kommt, dann sagt die Theorie einen wahren "Tsunami"
an Gravitationswellen voraus, dessen Auswirkungen in unserer gesamten Galaxis nachweisbar
sein werden.
Ab dem Jahre 2007 / 2008 werden die Forscher der PulSE Group dann noch auf ein weiteres
großes Radioteleskop bei der Suche nach weiteren Doppel-Pulsar Systemen setzen können. Denn
dann wird das Sardinia Radio Telescope, das SRT mit seiner 64 Meter Antenne in der Nähe von
Cagliari in Betrieb gehen.
Die Mitarbeiter der PulSE Group in Cagliari und Bologna sind:

Parkes Radioteleskop in Australien - Bildquelle: Pulsar Group Site
Weitere Quellen im Internet zum Thema:
Decartes Preis Site
Decartes Preis Pressemitteilung
Decartes Preis Prof. Andrew Lyne bei der Preisverleihung in London am 1. Dezember 2005
Der italienische Pulsar Group Site
Pulsar Grundlagen Info
Video-Interview mit den Forschern aus Cagliari und Bologna
Version für Windows Media Player (7,3MB)
Version für Real Media Player (5,6MB)
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