| Einem
Bericht der lokalen Tageszeitung „La Nuova“ zufolge hat eine, von
Legambiente koordinierte, Expertengruppe Spuren von Radioaktivität
im Maddalena-Archipel und insbesondere um die Insel Santo Stefano
herum gemessen.
Fabrizio Aumento, Professor für Marine-Geologie an der Universität
von Viterbo und Sprecher der italienischen Umweltschutzorganisation
sagte, dass Taucher bei zwei Einsätzen, zwischen dem 20. und
22. Februar 2004 und dem 5. sowie 8. Mai 2004 insgesamt mehr als
150 Proben von Algen, Seeigeln, Meeresschnecken, Tintenfischen und
Gesteinsablagerungen im Gebiet von La Maddalena, Santo Stefano und
Palau genommen haben. Für einen Vergleichstest wurden u.a.
auch Proben vor Civitavecchia (Latium) und Ansedonia (Toskana) entnommen.
Die
Untersuchungen haben Radioaktivität in Form von Alphastrahlung
nachgewiesen: insbesondere an der Nord- und Ostküste der Isola
di Santo Stefano, auf der sich ein US-Stützpunkt von Atom-U-Booten
befindet.
Die Messungen zeigen aber auch, dass im Moment keine Gefahr für
die Gesundheit der Bevölkerung besteht, beteuert Professor
Aumento, da es sich nicht um erhöhte Radioaktivität handelt.
Die Situation sei allerdings kritisch und müsse deshalb stetig
und angemessen Überwacht werden. Mit der Zeit können Radionuklide
nämlich über die Meeresflora und –fauna in die menschliche
Nahrungskette und in den Körper gelangen.
Aumento zufolge handelt es sich bei den gefundenen Spuren von Radioaktivität
nicht um natürliche Radionuklide, sondern um künstliche,
die auf Grund ihrer physikalischen Beschaffenheit jedoch nicht bei
Reaktorunfällen oder Kernwaffenversuchen entstanden sein können.
Wie dann?
Zur Zeit wird vermutet, dass die Radioaktivität entweder durch
minimale Atomtreibstoffverluste der U-Boote oder während der
Wiederauffüllphase der Brennstäbe freigesetzt wurde, erklärt
der Wissenschaftler.
Die
Ergebnisse der von Legambiente getragenen Untersuchung scheinen
die Debatte um den US-Stützpunkt auf der Isola di Santo Stefano
erneut zu entfachen: Noch vor wenigen Monaten hatte ein italienischer
Krisenstab zur Überwachung möglicher Umweltschäden
keine radioaktive Kontaminierung des Gewässers im Maddalena-Archipel
festgestellt. Allerdings wurden dabei die jetzt ermittelten Alphastrahlen
gar nicht gemessen.
Hintergrund dieser Untersuchung war ein Atom-U-Boot-Unfall am 25.
Oktober 2003. Hier lief die „Hartford“ auf die „Secca die Monaci“
auf und brachte den US-Stützpunkt ungewollt ins Rampenlicht.
Da keine Spuren künstlicher Radionuklide nachgewiesen wurden,
folgerte man damals, dass keine Strahlung ausgetreten war, vermutet
Aumento, allerdings hat keine Messung je versucht Plutonium 239
nachzuweisen. Ein wichtiges Indiz für Plutoniumemissionen sind
die gebildeten Alphastrahlen und viele Labore verfügen nur
über Messgeräte zur Untersuchung von Gammastrahlen.
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