|
Seit
zwölf Jahren feiern im Herbst die Einwohner des 1000-Seelen-Fleckens
Gesico in der Provinz Cagliari die Sagra della Lumaca, ein Fest
zu Ehren der Schnecke: Kostenlose Verkostung von Schnecken und anderen
Spezialitäten inklusive. Und seit 382 Jahren findet zum selben Termin
ein religiöses Fest statt: Die Festa di San'Amatore, eine Prozession
zu Ehren des afrikanischen Bischofs und Märtyrers. Nur dem Pfarrer
scheint dieses Jahr das Schnecken-Spektakel zu missfallen: Das Fest
mit seinen Buden und Ständen überschatte die religiösen Feierlichkeiten,
lässt Don Luca Pretta aus dem Pfarrhaus verlauten und will deshalb
am Festtag die Kirche einfach abschließen. Der Bürgermeister Terenzio
Schirru hält entgegen: Nichts werde überschattet, man habe sogar
vorgeschlagen den Namen des Festes zu ändern, doch der Dorfpfarrer
beharre auf seiner Position. Inzwischen hat der Bürgermeister die
Polizeibehörden eingeschaltet: Denn das Verhalten des Geistlichen
gefährde die öffentliche Sicherheit. Wenn die erwarteten 15.000
ausgeschlossenen Pilgerer auf die Besucher der Sagra träfen, könne
es zu Zusammenstößen kommen, behauptet der Gemeindevorsteher. Denn
das Schnecken-Fest soll in keinem Fall verschoben werden. Ein wenig
erinnert die Zankerei an die "Don Camillo und Peppone"-Filme aus
den 1950-er Jahren mit dem streitlustigen Pfarrer Don Camillo und
dem kommunistischen Bürgermeister Peppone in einem kleinen Dorf
in Norditalien. Zumindest im Film wollten sich die beiden Streithähne
nicht ernstlich schaden.
18.10.2004
Der Pfarrer von Gesico, Don Luca Pretta, hat seine Drohungen wirklich
ernst gemacht und die Kirche des Dorfes nach der Morgenandacht verschlossen.
Das absurde dabei: die religiöse Prozession fand trotzdem statt.
Der Pfarrer lies verlauten: "Ich bin nicht bereit, den Wust
zwischen sakralem und profanen zu akzeptieren." Deshalb sprach
er sich dafür aus, die beiden Feierlichkeiten im nächsten
Jahr zu unterschiedlichen Zeiten zu veranstalten.
Timo Gerd Lutz
|